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Coronavirus: Amnestie in der Türkei soll nicht für Journalisten gelten

Mit einer Justizreform in der Türkei sollen Häftlinge aus den Gefängnissen entlassen werden. Ein Ausbruch des Coronavirus würde in den Haftanstalten mangels Hygiene und medizinischer Versorgung katastrophale Folgen haben.

Von der Amnestie sind aber solche, die wegen Terrordelikten verurteilt wurden, ausgenommen. Die über 100 Journalisten in den türkischen Gefängnissen müssten also weiterhin hinter Gittern bleiben. Die Kinder der Journalisten sind alarmiert und versuchen in den sozialen Medien auf den Missstand ausmerksam zu machen.

Sıla Türköne ( Tochter von Mümtazer Türköne):

„Mein Vater ist 64 Jahre alt und seit drei Jahren und sieben Monaten im Gefängnis. Er hatte vor sieben Monaten Komplikationen an seinem Herz. Weil eine Ader verstopft war wurde eine Gefäßstütze (Stent) implatiertiert. Eine andere Ader ist immer noch verstopft. In dieser Zeit dürfen wir nur einmal pro Woche seine Stimme hören.“

Esma Böken (Tochter von Ahmet Böken):

Wäre mein Vater ein Drogenbaron oder Vergewaltiger, kämer er frei. Als er Leitungskraft warm wurde „TRT Haber“ als bester Nachrichtensender in Europa gewählt. Weil er die Ausgaben auf ein Viertel gesenkt hat wird er weiterhin im Gefängnis bleiben.

Büşra Şimşek: (Tochter von Yakup Şimşek):

„Bevor es ein Kontaktverbot gibt, wollte ich ins Gefängnis von Istanbul Silivri. Ich hoffe, sie sagen mit ich könne meinen Vater mitnehmen. Im Gefängnis werde aber die ersten Maßnahmen getroffen. Die Gefangenen haben kein Vertrauen mehr. Wieviele Tests wurden bei kranken Gefangenen durchgeführt? Welche Medikamente helfen den Gefangenen, wenn Sie krank sind? Die Vollzugsbeamten betreten die Zellen ohne Masken. Wenn die Vollzugsbeamten von den Gefangenen ermahnt werden sagen diese nur „sei nicht so zimperlich.“ Lasst die Inhaftierten frei.“

Ebrar Beyza Özcan (Tochter von Zafer Özcan):

„Das Gefängnis ist ein Platz wo man in engstem Raum miteinander lebt. In einer Zelle für zehn Personen sind 26 Personen. In unserem Einkaufskorb ist kein Platz für Desinfektionmittel und Feuchttücher. Unsere besten Freunde sind Seifen. Wir waschen unsere Hände oft und hoffen, dass jemand uns beschützt und über unser Weiterleben entscheidet. Wir sind innerlich unruhig. Vielleicht findet sich jemand, der uns unter Hausarrest stellt. Wir hoffen, so wie wir es immer getan haben…

Diese Worte hat mein Vater in senem letzten Brief geschrieben. Andere sehen zu Hause bleiben als eine Bürde, mein Vater dagegen als Segen. Ihr habt Glück, weil ihr in eurem zu Hause bleiben, eure Tür schließen, eure Gardinen zuziehen und wo ihr einfach ´Familie´ sein könnt.´

Als er einen Tages alles wofür er sein ganzes Leben lang hart gearbeitet hat verloren hat, war er dankbar darüber bei uns zu sein. Er hatte nur noch ein Haus. Weder seinen Beruf noch seine Erfolge…Nur ein Haus, Wir habt ihr das alles meinem Vater weggenommen.

Uns einmal in der Woche beim Besuch hinter einem dreckigen Fenster sehen und einmal im Monat uns umarmen hat ihn am Leben gehalten. Jetzt wurde uns auch das weggenommen. Gibt uns unseren Vater zurück.

Mein Vater ist seit über einem Jahr seiner Freiheit beraubt. Jetzt ist auch seine Gesundheit in Gefahr. Das einzige was wir wollen ist, dass er zu Hause ist. Wem schadet es, wenn dieser Mann zu Hause ist?“

In der Türkei sind zehntausende Oppositionelle wegen Terrordelikten verurteilt worden. Neben Journalisten sind auch Oppositionspolitiker, Menschenrechtler, ehemalige Polizisten, Staatsanwälte, Richter uns besonders Lehrer von aus politischen Gründen im Gefängnis. Ein prominentes Beispiel ist Selahattin Demirtaş, der ehemalige Co-Vorsitzende der Oppositionspartei HDP.


Quelle: boldmedya.com

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