Leipzig/Berlin – Die neue Studie „Feindbild Journalist:in 9“ des European Centre for Press and Media Freedom (ECPMF) dokumentiert eine besorgniserregende Entwicklung: Im Jahr 2024 wurden 98 physische Angriffe auf Journalist:innen in Deutschland verifiziert – ein historischer Höchststand seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2015. Bereits im Jahr 2023 lag die Zahl bei 69 Fällen.
Neben einem konstant hohen Niveau rechter Gewalt stehen insbesondere pro-palästinensische Demonstrationen im Fokus: In Berlin, dem Hotspot mit 62 Fällen, kam es vor allem bei solchen Protesten zu Einschränkungen der Pressefreiheit und gewalttätigen Übergriffen. Auch in Sachsen (10 Fälle) und Bayern (7 Fälle) waren Journalist:innen betroffen.
Die Studie sieht die extreme Rechte weiterhin als strukturell größte Gefahr für die Pressefreiheit. Die Normalisierung rechtsextremer Ideologien, insbesondere durch Wahlerfolge der AfD, habe zu einer breiteren gesellschaftlichen Akzeptanz ihrer medienfeindlichen Rhetorik geführt. Schikanen, Drohungen, Online-Diffamierungen und der Entzug von Akkreditierungen sind längst Teil des Repertoires.
„Die AfD wird nicht trotz, sondern wegen ihrer Positionen gewählt – dazu gehört auch die gezielte Diffamierung unabhängiger Medien“, erklärt Studien-Co-Autor Patrick Peltz. Die zunehmende Mobilisierung der extremen Rechten bedeute eine konkrete Gefährdung für Medienschaffende im öffentlichen Raum.

