Im Jahr 2025 wurden in der Journalismusbranche in Großbritannien und den USA mehr als 3.000 Stellen gestrichen. Das geht aus fortlaufenden Erhebungen des Branchenmagazins Press Gazette hervor.
Nach Auswertung von Unternehmensankündigungen und Medienberichten belief sich die geschätzte Gesamtzahl der Entlassungen im Verlauf des Jahres auf mindestens 3.434 Stellen. Damit lag die Zahl der Jobverluste 11 Prozent unter dem Niveau von 2024 und sogar 57 Prozent unter dem von 2023. Allerdings waren in der Statistik für 2023 auch rund 2.000 Stellenstreichungen in Kanada enthalten. Rechnet man diese heraus, ergibt sich im Vergleich zu 2023 ein Rückgang von 42 Prozent.
Stärkste Einschnitte zu Jahresbeginn
Der Monat mit den meisten Stellenstreichungen war Januar 2025 mit mindestens 939 betroffenen Beschäftigten. Es folgten Oktober (499) und Mai (482). Am ruhigsten verlief der August, in dem lediglich 15 Jobverluste registriert wurden.
Regional betrachtet entfielen rund 67 Prozent der erfassten Stellenstreichungen auf die USA, während gut 30 Prozent im Vereinigten Königreich stattfanden. Ein ähnliches Bild hatte sich bereits 2024 gezeigt, als mindestens drei Viertel der Jobverluste auf den US-Markt entfielen.
Die Zahlen beziehen sich überwiegend auf redaktionelle Tätigkeiten, schließen jedoch auch Einschnitte außerhalb der Newsrooms ein, etwa in Produkt-, Technologie- oder kommerziellen Teams. Da sich die Auswertung vor allem auf öffentlich angekündigte Maßnahmen größerer Medienhäuser stützt, dürfte die tatsächliche Zahl der Stellenstreichungen deutlich höher liegen.
Große Medienhäuser besonders betroffen
Am stärksten traf es 2025 People Inc, den größten Konsumentenverlag in den USA. Das Unternehmen strich im Januar 143 Stellen und im Oktober weitere 226 Arbeitsplätze. Bereits im November 2024 waren rund 53 Stellen abgebaut worden.
Im Januar, als der Verlag noch unter dem Namen Dotdash Meredith firmierte, kündigte CEO Neil Vogel an, verstärkt in Wachstumsfelder wie Entertainment, Food und den Adtech-Bereich D/Cipher zu investieren. Im Oktober erklärte Vogel, die Maßnahmen seien „ein schwieriger, aber notwendiger Schritt“, um das Unternehmen strategisch neu auszurichten. Gleichzeitig verwies er darauf, dass im Laufe des Jahres 320 neue Mitarbeitende eingestellt worden seien und weiterhin über 40 offene Stellen bestünden.
An zweiter Stelle folgte der britische Verlag Reach. Im Herbst baute das Unternehmen netto bis zu 186 Redaktionsstellen ab. Grundlage war ein umfassender Umbau, bei dem zwar bis zu 321 Stellen gestrichen, gleichzeitig aber 135 neue Positionen geschaffen wurden – vor allem im Video-Bereich und im Live-News-Netzwerk.
Der für Inhalte zuständige Manager David Higgerson sprach von der größten Umorganisation in der Geschichte des Unternehmens, „größer noch als in den frühen Tagen der digitalen Revolution“. Bereits im Sommer hatte Reach zudem rund 50 Stellen im Sportressort gestrichen, um Doppelstrukturen abzubauen und effizienter zu arbeiten.
Fernsehen und internationale Netzwerke
Auf Platz drei der größten Einschnitte lag der britische Sender ITV. Das Unternehmen kündigte im Mai an, mehr als 220 Stellen in Nachrichten- und Tagesprogrammen abzubauen. Betroffen waren unter anderem Good Morning Britain, Lorraine, This Morning und Loose Women. Parallel dazu will ITV verstärkt in streaming-taugliche Formate wie Drama und Sport investieren.
Auch in den USA kam es zu erheblichen Einschnitten: Sowohl die ABC News Group als auch CNN bauten 2025 jeweils rund 200 Stellen ab.
Dunkelziffer bleibt hoch
Trotz der umfangreichen Erhebung gehen Beobachter davon aus, dass nicht alle Entlassungen erfasst wurden – insbesondere bei kleineren Medienhäusern oder freiberuflichen Strukturen. Die veröffentlichten Zahlen dürften daher nur einen Teil der tatsächlichen Lage im Journalismus abbilden.

