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Experten warnen: „Künstliche Intelligenz kann Journalisten nicht ersetzen“

Auf einer Fachveranstaltung zur Rolle der künstlichen Intelligenz (KI) im Journalismus haben Experten eindringlich vor den Risiken neuer Technologien gewarnt. Gleichzeitig betonten sie, dass KI journalistische Arbeit unterstützen könne – sie aber keinesfalls ersetzen werde.

Die Veranstaltung unter dem Titel „Künstliche Intelligenz, Geschlechtergerechtigkeit und Journalismus“ wurde anlässlich des Internationalen Frauentags von der Kommission für Journalistinnen der Türkischen Journalistenvereinigung organisiert. Im Mittelpunkt standen Fragen zu neuen Ungleichheiten, ethischen Problemen, rechtlichen Herausforderungen und digitaler Monopolisierung.

Der Vorsitzende der Journalistenvereinigung, Vahap Munyar, erklärte, dass KI längst nicht mehr nur ein Thema für Technikexperten sei. „Künstliche Intelligenz ist heute eine direkte Frage von Demokratie, Gleichheit und Journalismus“, sagte er. In der Türkei nutze bereits etwa jede fünfte Person KI-Anwendungen. Besonders stark verbreitet sei die Technologie im Informations- und Kommunikationssektor.

Auch die ethische Dimension stand im Fokus der Diskussion. Die Generalsekretärin der Vereinigung, Sibel Güneş, betonte, dass der Einsatz von KI im Journalismus klaren Regeln unterliegen müsse. Inhalte, die mithilfe von KI erstellt werden, müssten stets von Redaktionen überprüft werden. Zudem sei Transparenz entscheidend: Journalisten sollten offenlegen, wenn KI eingesetzt wurde.

Mehrere Redner wiesen darauf hin, dass KI-Systeme bestehende gesellschaftliche Ungleichheiten verstärken können. Da viele Datensätze historisch von männlich dominierten Strukturen geprägt seien, könnten Algorithmen diese Verzerrungen reproduzieren. Dies könne etwa dazu führen, dass Frauen in den Medien weniger sichtbar bleiben oder stereotype Darstellungen verstärkt werden.

Die Wissenschaftlerin Ece Paralı Öztan unterstrich, dass KI zwar analytische Fähigkeiten erweitern könne, jedoch keine ethischen Werte vermittle. „Künstliche Intelligenz kann uns unterstützen, aber sie kann keine Empathie oder moralische Verantwortung übernehmen“, sagte sie. Die Verantwortung für journalistische Entscheidungen bleibe beim Menschen.

Besorgniserregend seien zudem neue Formen digitaler Gewalt. Laut Angaben aus der Veranstaltung ist etwa jede fünfte Journalistin bereits Ziel von Angriffen geworden, bei denen KI-Technologien wie Deepfakes eingesetzt wurden. Gleichzeitig berichteten viele Journalistinnen von zunehmender Online-Belästigung, die in einigen Fällen auch in reale Bedrohungen übergehe.

Auch die Frage der Sichtbarkeit spielte eine zentrale Rolle. Studien zufolge sind mehr als 70 Prozent der in Nachrichten zitierten Experten männlich. Fachleute forderten daher eine stärkere Sensibilisierung im Umgang mit Algorithmen sowie gezielte Maßnahmen zur Förderung von Vielfalt in Medieninhalten.

Die Teilnehmer waren sich einig: KI könne journalistische Prozesse beschleunigen, etwa durch Datenanalyse oder Recherche. Doch sie berge auch Risiken wie Fehlinformationen, Abhängigkeit von algorithmischen Perspektiven und eine mögliche Abwertung journalistischer Arbeit.

„Künstliche Intelligenz sollte im Journalismus im Unterstützungsmodus bleiben“, sagte die Journalistin Füsun Sarp Nebil. Letztlich entscheide nicht die Technologie über die Qualität von Berichterstattung, sondern die Haltung von Redaktionen, Journalisten und Publikum.

Die Veranstaltung endete mit dem Appell, KI verantwortungsvoll, transparent und im Einklang mit demokratischen Werten einzusetzen. Nur so könne sie zu einem Werkzeug werden, das Journalismus stärkt, statt ihn zu gefährden.

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