Der Journalist Alican Uludağ wurde wegen des Vorwurfs der „öffentlichen Beleidigung des Präsidenten“ verhaftet. Die Staatsanwaltschaft in Istanbul hatte zuvor ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet.
Uludağ war zunächst in seiner Wohnung in Ankara festgenommen worden. Nach einer Hausdurchsuchung wurde er nach Istanbul gebracht und dem zuständigen Gericht vorgeführt, das Untersuchungshaft anordnete.
Neben der Präsidentenbeleidigung wurden ihm auch „Herabwürdigung des türkischen Volkes und staatlicher Institutionen“ sowie „öffentliche Verbreitung irreführender Informationen“ vorgeworfen. Als Grundlage der Ermittlungen gelten Berichte über die Freilassung von Angeklagten im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Istanbuler Atatürk-Flughafen sowie ältere Beiträge in sozialen Medien.
Journalistenverbände protestieren
Zahlreiche Presse- und Berufsverbände versammelten sich vor dem Gerichtsgebäude in Istanbul und veröffentlichten eine gemeinsame Erklärung. Darin betonten sie, Uludağ sei Journalist und habe sich in der Vergangenheit stets ordnungsgemäß zu Vernehmungen gestellt.
Die Verbände kritisierten das Vorgehen der Behörden scharf und warnten vor einer zunehmenden Kriminalisierung journalistischer Arbeit. Sie forderten die sofortige Freilassung Uludağs und betonten, dass solche Maßnahmen auch das Recht der Öffentlichkeit auf Information beeinträchtigen.
Sein Anwalt erklärte, Gegenstand der Ermittlungen seien unter anderem Social-Media-Beiträge aus dem vergangenen Jahr. „Journalismus ist kein Verbrechen“, sagte er.
Reaktionen aus Deutschland und der EU
Der deutsche Kulturstaatsminister Wolfram Weimer bezeichnete die Festnahme als „inakzeptabel“ und forderte die sofortige Freilassung. Journalistische Tätigkeit dürfe nicht kriminalisiert werden, erklärte er.
Auch der Türkei-Berichterstatter des Europäischen Parlaments, Nacho Sánchez Amor, äußerte scharfe Kritik. Die Festnahme wegen Äußerungen, die mehr als ein Jahr zurücklägen, werfe Fragen hinsichtlich der demokratischen Standards auf.
Der Vorsitzende der größten türkischen Oppositionspartei, Özgür Özel, sprach von einem weiteren Beispiel für rechtsstaatliche Probleme.
Hintergrund der Berichterstattung
Uludağ hatte über eine Entscheidung des Kassationsgerichts berichtet, das frühere Urteile im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Atatürk-Flughafen teilweise aufgehoben hatte. Infolge dieser Entscheidung waren mehrere Angeklagte im Dezember 2024 aus der Haft entlassen worden.
Die Kommunikationsbehörde der Präsidentschaft hatte jedoch klargestellt, dass die tatsächlichen Attentäter nicht freigelassen worden seien, sondern andere Angeklagte, die wegen unterschiedlicher Straftatbestände verurteilt worden waren.
Zur Person
Alican Uludağ begann seine journalistische Laufbahn 2008 bei der Zeitung Cumhuriyet. Der Absolvent der Gazi-Universität arbeitete viele Jahre als Gerichtsreporter und berichtete über Menschenrechtsverletzungen, Korruptionsverfahren und bedeutende Strafprozesse.
Er erhielt mehrere Auszeichnungen für investigativen Journalismus und politische Berichterstattung. Nach Stationen bei verschiedenen Medienhäusern kehrte er im Dezember 2025 zu DW Türkçe zurück.

