{"id":29300,"date":"2022-11-10T12:41:35","date_gmt":"2022-11-10T11:41:35","guid":{"rendered":"https:\/\/ijaev.org\/?p=29300"},"modified":"2022-11-11T11:36:21","modified_gmt":"2022-11-11T10:36:21","slug":"die-afrikanische-exiljournalistin-mohloboli-sprach-zu-journalist-post-ich-war-2-jahre-lang-von-meinem-autistischen-sohn-getrennt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internationaljournalists.org\/de\/die-afrikanische-exiljournalistin-mohloboli-sprach-zu-journalist-post-ich-war-2-jahre-lang-von-meinem-autistischen-sohn-getrennt\/","title":{"rendered":"Exiljournalistin Keiso Mohloboli sprach zu Journalist Post: &#8222;Ich war 2 Jahre lang von meinem autistischen Sohn getrennt.&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Journalist Post bringt die Probleme von Journalist*innen in vielen L\u00e4ndern der Welt auf die Tagesordnung. Keiso Mohloboli, eine Journalistin aus Lesotho, einem kleinen Land im s\u00fcdlichen Afrika, ist eine von ihnen. Mohloboli, die ihr Land verlassen musste, berichtete der Journalist Post von ihren Erfahrungen.<\/strong><\/p>\n<p>Ein Interview von Laila M\u00fcller.<\/p>\n<p>Lesotho ist ein kleines Land im s\u00fcdlichsten Teil Afrikas und seine Landesgrenzen sind komplett von der Republik S\u00fcdafrika umschlossen. Wie in anderen afrikanischen L\u00e4ndern sind auch in Lesotho Journalisten Opfer von \u00dcbergriffen. Bel\u00e4stigungen und k\u00f6rperliche Angriffe auf Journalisten nehmen von Tag zu Tag erheblich zu. In Lesotho gibt es fast keine Pressefreiheit. Die Medien sind also nicht unabh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>Die \u00dcbergriffe auf die Medien haben sich im Laufe der Jahre zu einem immer wiederkehrenden Ph\u00e4nomen entwickelt. In so einem Zustand ist es schwer, einen demokratischen Lebensstandard zu erwarten. Wir haben mit der preisgekr\u00f6nten Journalistin Keiso Mohloboli \u00fcber den Journalismus in Lesotho gesprochen.<\/p>\n<p><strong><em>Wie sind Sie Journalistin geworden? Gibt es einen besonderen Fall, der Sie als Journalistin zu dem gemacht hat, wer Sie heute sind?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Bevor ich Journalistin wurde, wollten <em>meine<\/em> Eltern, dass ich Krankenschwester, Lehrerin oder Buchhalterin werde. Sie haben mich immer entmutigt, wenn ich meine Liebe zum Journalismus zum Ausdruck brachte. Also habe ich an einer Krankenpflegeschule in Lesotho angefangen, um meine Familie zufrieden zu stellen. Nach kurzer Zeit habe ich das jedoch abgebrochen, weil es mir nicht gefallen hat.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend zu Hause die Lage wegen meines Schulabbruchs angespannt war, gab mir der erfahrene Journalist Kekeletso Motopi, der Herausgeber der Zeitung \u201eThe Monitor\u201c, die Chance, eine Geschichte zu schreiben. Dort sammelte ich meine ersten Erfahrungen. Ich hatte das Gl\u00fcck, von einer Mentorin betreut zu werden. In der Medienbranche, in der die Dominanz der M\u00e4nner deutlich zu sp\u00fcren ist, gab sie mir die M\u00f6glichkeit, als Frau harte Geschichten zu schreiben. W\u00e4hrend ich arbeitete, absolvierte ich zeitgleich eine journalistische Ausbildung.<\/p>\n<p>Dank dem World Learning Stipendium hatte ich die M\u00f6glichkeit bei der Los Angeles Times im Bereich des investigativen Journalismus zu arbeiten. Dort habe ich vieles gelernt, was in Nachrichtenzentren nicht erlernt werden kann.<\/p>\n<p><strong><em>Wie trat Ihre Liebe zum Journalismus hervor? Haben Sie auch vor Ihrem Exil schon die Meinungsfreiheit verteidigt?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ich glaube, meine Leidenschaft f\u00fcr den Journalismus wird nie erl\u00f6schen. Ich sage neugierigen jungen Journalist*innen immer, dass Journalismus ein Lebensstil ist, kein Job. Ich habe mich f\u00fcr den Journalismus entschieden, weil er meine Perspektive auf das, was ich tue, ver\u00e4ndert. Das Sammeln von Informationen, das F\u00fchren von Interviews und das Schreiben ist wie ein Leben f\u00fcr<br \/>\ndie Ewigkeit, es ist eher so, als w\u00fcrde man das reale Leben verlassen und immer im Universum existieren. Nicht nur, dass ein Stift m\u00e4chtiger ist als ein Schwert, der Journalismus ist etwas, was zeigt, wer ich bin.<\/p>\n<p>Bevor ich ins Exil ging, habe ich mich nicht viel mit der Frage der Pressefreiheit besch\u00e4ftigt. Ich habe jedoch im Exil aktiv an Kampagnen teilgenommen, die vom Medieninstitut des s\u00fcdlichen Afrikas (MISA-Lesotho) zum Schutz der Meinungsfreiheit organisiert wurden.<\/p>\n<p><strong><em>K\u00f6nnen wir sagen, dass es in Lesotho Pressefreiheit gibt?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>In Lesotho gibt es fast keine Pressefreiheit. Die Medien sind nicht unabh\u00e4ngig. Wie in anderen afrikanischen L\u00e4ndern sind auch in Lesotho Journalisten Opfer von \u00dcbergriffen. Bel\u00e4stigungen und k\u00f6rperliche Angriffe auf Journalisten nehmen von Tag zu Tag erheblich zu.<br \/>\nIn der Zeit von 2013 bis 2016, als ich im Exil war, wurden Klagen gegen mich er\u00f6ffnet. Die Folterung und Ermordung eines Journalisten im November letzten Jahres nach einem Artikel, den er \u00fcber den Waffenhandel geschrieben hatte, sind nur zwei Beispiele f\u00fcr Gewalt gegen Journalisten in diesem Land.<\/p>\n<p>Es wird ein gesetzlicher Rahmen in Lesotho ben\u00f6tigt, der f\u00fcr die Gew\u00e4hrleistung der freien und effektiven Arbeit der Medien dient.<\/p>\n<p>Sie wurden wegen einem Artikel verh\u00f6rt. Wie haben Sie sich als Journalistin dabei gef\u00fchlt?<\/p>\n<p>Am 23. Juni 2016 wurde in der Lesotho Times ein Artikel von mir \u00fcber den Armeechef Generalleutnant Tlali Kamoli ver\u00f6ffentlicht. Ge- gen 17:00 Uhr abends rief mich die Polizei an, um herauszufinden, wo ich mich befand. Kurz darauf suchten zwei Polizeibeamte mich in meiner Wohnung auf und brachten mich auf die Polizeiwache. Dort wurde ich von sechs Polizisten verh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Ich wurde nicht beschuldigt; nur einer der stellvertretenden Kommissare sagte mir, dass der Armeechef sehr ver\u00e4rgert dar\u00fcber sei, was ich \u00fcber ihn geschrieben hatte. Es gab keine Anschuldigungen, sie sagten nicht, dass ich irgendwelche Gesetze gebrochen h\u00e4tte. Nur die Wut des Generalleutnants verursachte dieses peinliche Verh\u00f6r.<\/p>\n<p>Sie beschlagnahmten mein Telefon, weil sie wollten, dass ich meine Informationsquellen preisgebe. Sie lehnten meine Bitte um einen Anwalt ab. Sie erlaubten mir nicht, dass ich etwas trinke, esse und auf die Toilette gehe. Meinem besonderen Bedarf an Hygieneartikeln als Frau wurde nicht entsprochen. Aufgrund dessen wurde ich tats\u00e4chlich bakteriellen Infekten ausgesetzt.<\/p>\n<p><strong><em>Was w\u00fcnschen Sie sich f\u00fcr die Pressefreiheit in Lesotho f\u00fcr die kommenden Jahre?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>In Lesotho bedarf es eines g\u00fcnstigen rechtlichen Rahmens, der es den Medien erm\u00f6glicht, freier und effektiver zu arbeiten. Ich tr\u00e4ume von unabh\u00e4ngigen und freien Medien. Das Recht auf freie Meinungs\u00e4u\u00dferung ist ein wichtiges Menschenrecht, damit eine Gesellschaft demokratisch sein kann. Sie sorgt f\u00fcr den freien Austausch von Ideen, Meinungen und Informationen und erm\u00f6glicht es so den Mitgliedern der Gesellschaft, sich ihre eigene Meinung zu Fragen von \u00f6ffentlicher Bedeutung zu bilden. Das Recht auf freie Meinungs\u00e4u\u00dferung dient der \u00f6ffentlichen Debatte und unterst\u00fctzt eine freie und unabh\u00e4ngige Presse im Hinblick auf ein transparentes Funktionieren des Staates.<\/p>\n<p><strong><em>Auf der Welt gibt es viele im Exil lebende Journalist*innen. Was m\u00f6chten Sie diesen im Exil lebenden Menschen sagen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Es ist als Frau im Exil nicht leicht, ein Leben zu f\u00fchren. Eine angemessene Unterkunft zu finden, Lebensmittel zu bezahlen und die Trennung von der Familie sind nur einige der Schwierigkeiten, mit denen man fertig werden muss. W\u00e4hrend meiner Zeit im Exil war ich zwei Jahre von meinem autistischen Sohn getrennt. Dadurch habe ich erkannt, dass es keine Geschichte gibt, die mein Leben wert ist.<\/p>\n<p>Wenn Sie von Ihren Kindern getrennt sind, nehmen Sie Ihre Kinder mit der Unterst\u00fctzung von Menschenrechtsorganisationen mit. Lassen Sie sich niemals durch Ihre Arbeit von Ihren Kindern trennen. Wenn Sie zulassen, dass Sie wegen ihres Jobs ohne Ihre Kinder ins Exil gehen m\u00fcssen, werden Sie nie genug Zeit haben, um die L\u00fccken f\u00fcr die Tage zu f\u00fcllen, an denen Sie von Ihren Kindern getrennt gelebt haben.<\/p>\n<p>* <em>Keiso Mohloboli studierte Journalismus am Polytechnic of Namibia, an der University of the Witwatersrand in S\u00fcdafrika und bei ALISON. Sie ist eine preisgekr\u00f6nte Investigativjournalistin, die \u00fcber allgemeine Gesundheitsthemen, die St\u00e4rkung von Frauen und M\u00e4dchen, politische Parteien und Gewalt gegen Frauen berichtet. Sie schreibt f\u00fcr lokale Medien wie Mopheme, The Monitor, The Informative, Lesotho Times, Sunday Express und Public Eye. Sie ist auch Medientrainerin beim TechCamp. Wegen ihren Artikeln musste sie ihr Land verlassen, weil sie von 2016 bis 2018 in Lebensgefahr war.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Journalist Post bringt die Probleme von Journalist*innen in vielen L\u00e4ndern der Welt auf die Tagesordnung. Keiso Mohloboli, eine Journalistin aus Lesotho, einem kleinen Land im s\u00fcdlichen Afrika, ist eine von ihnen. 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