{"id":22751,"date":"2021-12-25T17:17:52","date_gmt":"2021-12-25T16:17:52","guid":{"rendered":"https:\/\/ijaev.org\/?p=22751"},"modified":"2021-12-25T18:17:48","modified_gmt":"2021-12-25T17:17:48","slug":"es-gibt-journalisten-in-der-tuerkei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/internationaljournalists.org\/de\/es-gibt-journalisten-in-der-tuerkei\/","title":{"rendered":"ES GIBT JOURNALISTEN IN DER T\u00dcRKEI"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Handvoll Journalisten gehen allem Druck und allen Drohungen zum Trotz mutig ihrer Profession nach und berichten weiterhin die Wahrheit. Auch wenn sie im Gef\u00e4ngnis landen oder ins Ausland m\u00fcssen, erinnern sie mit ihren Schreibstiften an Demokratie, Gleich\u0002berechtigung und Recht. In diesem Dossier<br>lesen Sie, welchen Preis diese Journalisten gezahlt haben, die die Wahrheit schreiben und die Ehre ihrer Stifte nicht beschmutzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist eine ber\u00fchmte Geschichte: Fried\u0002rich der Gro\u00dfe, K\u00f6nig von Preu\u00dfen, will in Potsdam auf einem Grundst\u00fcck, das ihm gef\u00e4llt, ein Schloss bauen. Ein M\u00fcller, dem ein Teil des Grundst\u00fccks geh\u00f6rt, weigert sich je\u0002doch, sein Feld zu verkaufen. Als der K\u00f6nig den M\u00fcller nicht dazu bringen kann, seine Haltung<br>zu \u00e4ndern, versuchte er ihn zu \u00fcberzeugen, in\u0002dem er ihn in seinen Palast rief. Diesmal wurde er w\u00fctend und begann zu drohen: \u201eEr wei\u00df, dass ich Ihm die M\u00fchle nehmen kann?\u201c Der selbstbe\u0002wusste, mutige und weise M\u00fcller antwortete: \u201eJa, Majest\u00e4t, wenn det Kammerjericht in Berlin nich w\u00e4r\u2018!\u201c Das sa\u00df! Der Alte Fritz konnte nichts mehr sagen und lie\u00df sein Schloss auf dem Nachbar\u0002grundst\u00fcck errichten \u2013 die M\u00fchle blieb unbe\u0002r\u00fchrt. Heute erinnern diese beiden historischen Geb\u00e4ude die ganze Welt daran, dass Recht und Gesetz f\u00fcr alle gelten.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum ich diese Geschichte erz\u00e4hle? Die T\u00fcrkei erlebt seit 10 Jahren Zeiten der Einschr\u00e4n\u0002kung von Freiheiten, Zehntausende Oppositio\u0002nellen werden ins Gef\u00e4ngnis gesteckt, Eigentum von Gesch\u00e4ftsleuten wird zerst\u00f6rt, Milliarden Dollar an Korruption flie\u00dfen und aufgrund des\u0002sen bricht die Wirtschaft zusammen. In einer solchen Atmosph\u00e4re der Angst und trotz der Gefahr, inhaftiert zu werden und trotz Morddro\u0002hungen gibt es eine Handvoll mutiger Stifte, die rufen: \u201eEs gibt Journalisten in der T\u00fcrkei!\u201c<br> <br>Die Medieninstitutionen im Allgemeinen und die Journalisten im Besonderen haben am meisten unter dem negativen Trend gelitten, der in der T\u00fcrkei vor allem w\u00e4hrend der letzten 10 Jahre herrscht. Nach 2016 wurden 34 TV-Sen\u0002der, 53 Zeitungen, 37 Radiosender, 6 Nachrich\u0002tenagenturen, 20 Zeitschriften und 29 Verlage geschlossen. Mehr als 200 Journalisten flohen ins Ausland. 34 ausl\u00e4ndische Journalisten wur\u0002den abgeschoben, 3804 Presseausweise einge\u0002zogen. Dabei wurden mehr als 400 Journalisten festgenommen und vor Gericht gestellt. Der\u0002zeit befinden sich mehr als 60 Journalisten in Gef\u00e4ngnissen. Dieser Prozess hat viel Leid mit sich gebracht und der Schmerz h\u00e4lt weiter an. Hier ein Beispiel von vielen: Mevl\u00fct \u00d6zta\u015f. Der Journalist wurde aufgrund seiner Reportagen festgenommen. W\u00e4hrend er im Gef\u00e4ngnis war, musste er zweimal operiert werden. Seine Nie\u0002ren versagten und er bekam  rebs. Die Gerich\u0002te lehnten alle Antr\u00e4ge auf Haftentlassung ab. Seine Behandlung wurde hinausgez\u00f6gert. Als er nach 874 Tagen unter \u00f6ffentlichem Druck ge\u0002zwungenerma\u00dfen freigelassen wurde, war es zu sp\u00e4t. Er starb 57 Tage nach seiner Entlassung aus dem Gef\u00e4ngnis.<br><br>Auf der anderen Seite sank die Auflage der Tageszeitungen, die vor dem Putschversuch vom 15. Juli bei etwa 4 Millionen lag, um 65 Prozent auf heute 1,5 Millionen. Die Regierung Erdo\u011fan hat viele Zeitungsverlage geschlossen (obwohl dies gesetzlich verboten ist). Er sorgte daf\u00fcr, dass die gr\u00f6\u00dften Zeitungen der T\u00fcrkei von Gesch\u00e4fts\u0002leuten gekauft wurden, die zu seinen Unterst\u00fct\u0002zern z\u00e4hlen. Er kontrolliert 95 % der Medien. Das Vertrauen in die Medien ist verloren gegangen. Laut dem World Press Freedom Index der Vereinigung Reporter ohne Grenzen (RSF) lag die T\u00fcrkei 2002 auf Platz 99 von 180 L\u00e4ndern. Heute liegt sie auf Platz 154. Es ist offensichtlich: Je wei\u0002ter sich das Land von der Demokratie entfernt, desto r\u00fcckst\u00e4ndiger wird es auf allen Gebieten.<br><br>Recep Tayyip Erdo\u011fan gab, nachdem er mit absoluter Mehrheit an die Macht gekommen war und allein regierte, seine anf\u00e4ngliche Lie\u0002be zur Demokratie auf und best\u00e4tigte damit die Aussage \u201eMacht vergiftet, absolute Macht vergiftet absolut\u201c. Er hasst oppositionelle Jour\u0002nalisten, denn was er am meisten f\u00fcrchtet, sind Worte! Eine Handvoll Journalisten schreiben weiterhin die Wahrheit und verrichten trotz allem Druck und aller Drohungen mutig weiter ihre Arbeit. Auch wenn sie im Gef\u00e4ngnis landen oder ins Ausland m\u00fcssen, erinnern sie mit ihren Stiften an Demokratie, Gleichberechtigung und Recht. Manche schreiben \u00fcber die Beziehungen der Regierung zur Mafia, andere \u00fcber Korrupti\u0002on, wieder andere \u00fcber Rechtsverletzungen. In diesem Dossier berichten Journalisten aus ers\u0002ter Hand, welchen Preis sie daf\u00fcr gezahlt haben, die Ehre ihrer Stifte nicht beschmutzt zu haben, sondern die Wahrheit zu schreiben. Sie werden besser verstehen, was sie durchmachen und mit welchen Schwierigkeiten sie konfrontiert sind. Es ist, als ob sie diejenigen L\u00fcgen strafen wollen, die sagen: \u201eIn der T\u00fcrkei gibt es keine Unterdr\u00fc\u0002ckung und Folter \u2026\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>ROJDA AYDIN \/ J\u0130NNEWS<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ICH WAR NACKTDURCHSUCHUNGEN AUSGESETZT<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe 2016 angefangen, bei Jin Haber (JINHA) zu arbeiten. Als JINHA von der Regierung geschlossen wurde, wechselte ich zur Zeitung \u015e\u00fbjin. Aber<br>auch sie wurde geschlossen. Derzeit arbeite ich bei der Nachrichtenagentur JINNEWS. Die T\u00fcrkei ist f\u00fcr wahre Journalisten ein riesiges Gef\u00e4ngnis. In der<br>T\u00fcrkei Journalistin zu sein, insbesondere kurdische Journalistin, ist sehr, sehr schwer. Wenn Sie ein kurdischer Journalist oder eine kurdische Journalistin sind, gelten Sie als \u201epotenzieller Terrorist\u201c. Es ist nicht unwahrscheinlich, im Nachgang zu einer Reportage das Ziel einer Kugel zu werden. Ich wurde wegen meiner Reportagen vier bis f\u00fcnfmal in Gewahrsam genommen. Im Jahr 2020 war ich gerade zu Recherchen unterwegs, als ich erneut festge\u0002nommen und zusammen mit zwei meiner Kolleginnen auf der Polizeiwache trotz all unseres Widerstandes einer Nacktdurchsuchung unterzogen wurde. Die Regierung sagt, dass es in der T\u00fcrkei keine Nacktdurchsuchungen g\u00e4be. Ich selbst habe es erlebt. Die von der Staatsanwaltschaft eingeleiteten Ermittlungen wegen \u201eMitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung\u201c und \u201ePropaganda f\u00fcr eine terroristische Vereinigung\u201c wurden eingestellt. Diesmal wurde jedoch eine Klage mit der Behauptung eingereicht, ich h\u00e4tte \u201eunbewaffnet an illegalen Versammlungen und M\u00e4rschen teilgenommen und sie trotz Warnung nicht verlassen\u201c. Dieser Fall ist noch nicht abgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>TUNCER \u00c7ET\u0130NKAYA \/ JOURNALIST<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">NACH DER OPERATION HAT MAN MICH DEM TOD \u00dcBERLASSEN<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Putschversuch vom 15. Juli hat die Polizei bei mir zu Hause eine Razzia durchgef\u00fchrt, und ich wurde festgenommen, ohne dass die Staatsanwaltschaft mich angeh\u00f6rt h\u00e4tte. Ohne Gerichtsverfahren verbrachte ich zwei Jahre im Gef\u00e4ngnis. Erst nach neun Monaten konnte ich herausfinden, warum ich inhaftiert worden war. Mein Verbrechen? \u201eBerichterstattung in den Medienorganen der Hizmet-Bewegung und Kritik an Gesetzwidrigkeiten.\u201c Die von mir bei meiner journalistischen T\u00e4tigkeit verwendeten Computer, Kameras und Presseausweise wurden als Beweismittel f\u00fcr Straftaten beschlagnahmt. Ich wurde freigelassen, weil sie keine Straftat finden konnten. Aber am n\u00e4chsten Tag wurde ich unter politischem Druck wieder verhaftet. In der Haft wurde ich gefoltert: Mir wurde das Essen und Trinken verweigert, ich wurde beleidigt und erhielt Morddrohungen. Meine Medikamente wurden mir nicht gegeben, ich wurde nicht zum Arzt gebracht. Meine Nieren versagten schlie\u00dflich. Ich musste im Gef\u00e4ngnis operiert werden. Nach der Operation wurde ich an einem Wintertag zehn Stunden nackt in einer Haftzelle mit offenen Fenstern dem Tod \u00fcberlassen. Das, was ich erlebt habe, war nur eines von Hunderttausenden von Beispielen in der T\u00fcrkei.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>RU\u015eEN TAKVA \/ JOURNALIST<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ES IST EIN VERBRECHEN, IN DER T\u00dcRKEI RECHERCHE ZU BETREIBEN!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem der Fernsehsender \u0130M\u00c7 TV, f\u00fcr den ich gearbeitet hatte, 2016 geschlossen wurde, wurde ich aufgrund einer Reportage von der 2. Gro\u00dfen Strafkammer in Van zu 20 Monaten Gef\u00e4ngnis verurteilt. 2018 wurde ich dann bei einer Nacht- und Nebeloperation in meiner Wohnung festgenommen.<br>Als vor Gericht beanstandet wurde, dass die Anschuldigung dieselbe sei wie im vorherigen Fall, wurde der Fall zur\u00fcckgewiesen. Aber in der Nacht meiner<br>Festnahme wurden mein Handy und die Festplatte mit all meinen Archiven beschlagnahmt. Sie wurden mir immer noch nicht ausgeh\u00e4ndigt. Seit 2018 wird fast jeden Monat aufgrund irgendeiner meiner Reportagen ein Er\u0002mittlungsverfahren gegen mich eingeleitet. Sogar diejenigen, die mir Interviews gegeben haben, werden aufgefordert gegen mich auszusagen. Im Januar 2021 wurde wegen eines Fotos, das ich w\u00e4hrend einer Pressekonfe\u0002renz aufgenommen hatte, Klage erhoben und eine Freiheitsstrafe von 18 Jahren beantragt. Die Begr\u00fcndung: Ich stehe mit einer Kamera in der Hand vor einer Menschenmenge, die eine Erkl\u00e4rung abgibt. Die Staatsanwaltschaft reichte mit dem Vorwurf, ich w\u00fcrde \u201edie Menge anf\u00fchren und leiten\u201c eine Klage wegen \u201eAnf\u00fchren einer [terroristischen] Vereinigung\u201c ein. Der Richter nahm diesen Fall an. Dabei war ich nur als Journalistin dort.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>NUR ENER KILIN\u00c7 \/ JOURNALISTIN<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ICH FREUE MICH ERST, WENN AUCH DIE INHAFTIERTEN JOURNALISTEN FREIKOMMEN<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein Gef\u00e4ngnisleben, das am 1. M\u00e4rz 2017 begann, endete am 21. Februar 2018. Das war nicht der ein\u0002zige Preis, den ich f\u00fcr die Ermittlungen gegen Erdo\u011fans Putschversuchs-Theater vom 15. Juli zu zahlen hatte. Die Richter der Erdo\u011fan\u2019schen Ordnung hatten beschlossen, dass ich 7 Jahre meines Lebens im Gef\u00e4ngnis verbringen sollte. Der Klage mit dem Vorwurf der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung folgte der Prozess wegen \u201ePropaganda f\u00fcr eine terroristische Vereini\u0002gung\u201c. Gegenstand dieses Falls war mein Buch \u201eDrei G\u00e4nsebl\u00fcmchen\u201c, das aus Briefen von Gef\u00e4ngnisinsas\u0002sen besteht. Die Wunden der Handschellen an meinen Handgelenken waren verheilt, aber der Schmerz des Leids und der Folter konnte nicht aus meinem Ged\u00e4cht\u0002nis gel\u00f6scht werden. Als Ehepaar trafen wir, w\u00e4hrend wir uns in Hausarrest befanden, schlie\u00dflich die mutige Entscheidung, das Land zu verlassen und zusammen zu leben. W\u00e4hrend unserer Reise von der T\u00fcrkei nach Griechenland musste ich immer an die Journalisten, un\u0002schuldigen Frauen und ihre Babys denken, die noch im Gef\u00e4ngnis waren. Als ich aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen worden war, sagte ich mir: \u201eIch bin jetzt zwar raus, aber in dem Haftraum, in dem ich war, sind immer noch ein 30 Tage altes Baby und 6 Kinder. Ich werde mich erst freuen, wenn auch sie freikommen.\u201c Meine Worte sind in meinem Herzen noch so frisch wie damals; ich freue mich erst, wenn auch diese Babys, all die unschuldigen Frauen und Journalisten frei sind!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00d6MER \u00c7EL\u0130K REDAKTEUR \/ DER MEZOPOTAMYA AGENCY<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ICH BERICHTETE \u00dcBER BERAT ALBAYRAK UND KAM F\u00dcR 10 MONATE INS GEF\u00c4NGNIS<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe 2009 bei der Dicle Haber Ajans\u0131 (DIHA) mit dem Journalismus begonnen. 2011 wurde ich zusam\u0002men mit 32 Journalisten w\u00e4hrend einer Operation<br>gegen kurdische Presseinstitutionen festgenommen. Die Anschuldigung gegen mich: \u201eHinter Nachrichten her sein, die den Staat in Schwierigkeiten bringen und ihn in den Augen der \u00d6ffentlichkeit dem\u00fctigen.\u201c 18 Monate war ich im Gef\u00e4ngnis. Ein anderer Fall, wegen dem ich vor Gericht stand, betraf die Ver\u00f6ffentlichung von E-Mails von Berat Albayrak, dem ehemaligen t\u00fcrkischen Finanzminister. Ich wurde am 25. Dezember 2016 bei einer Polizeirazzia bei mir zu Hause gefoltert. Nach 24 Tagen in Gewahrsam wurde ich in das Gef\u00e4ngnis \u00fcberf\u00fchrt, das ich erst zehn Monate sp\u00e4ter wieder verlassen sollte. Sie haben den Bericht \u00fcber die Folterungen, die ich erlitten habe, aus meiner Akte entfernt! F\u00fcr meine Berichterstattung wurden 11 Jahre Gef\u00e4ngnis gefordert! Ein anderes Mal wurde wegen einer Nachrichtenmeldung \u00fcber den stellvertretenden Generalkommandeur der Gendarmerie, Musa \u00c7itil, der die Milit\u00e4roperation durchgef\u00fchrt hatte, die den Bezirk Sur der Stadt Diyarbak\u0131r von der Landkarte ausradierte, eine Klage gegen mich eingereicht. Das Gericht hat mich zwar vor Kurzem f\u00fcr nicht schuldig befunden, die Gegenseite kann jedoch noch Berufung einlegen, die Frist ist noch nicht abgelaufen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>BER\u0130TAN CAN\u00d6ZER \/ KORRESPONDENTIN BEI J\u0130NNEWS<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ICH KAM INS GEF\u00c4NGNIS, WEIL ICH SO AUFGEREGT WAR<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2015 wurde ich w\u00e4hrend einer Reportage festgenommen, weil ich so \u201eauf\u0002geregt\u201c gewesen sei. Nach vier Tagen in Gewahrsam wurde ich schlie\u00dflich aufgrund meiner Berichterstattung und meiner Social-Media-Beitr\u00e4ge f\u00fcr vier Monate inhaftiert. Ich habe im Gef\u00e4ngnis viele Rechtsverletzungen<br>mitbekommen und auch selbst erlebt. Seit 2015 wurden 11 Ermittlungsverfahren gegen mich eingeleitet. In einem Fall wurden 15 Jahre Gef\u00e4ngnis gefordert. In einigen der F\u00e4lle wurde ich freigesprochen, andere laufen noch. Ich bin nur unter Auflagen auf freiem Fu\u00df und darf nicht ins Ausland reisen. Allein in den letzten sechs Monaten wurde ich zweimal festgenommen und war acht Tage in Gewahrsam. Vorgeworfen werden mir meine Reporta\u0002gen und meine Beitr\u00e4ge in den sozialen Medien. F\u00fcr die kurdische Presse zu arbeiten, eine Kurdin zu sein, eine Frau zu sein, bedeutet nat\u00fcrlich, dass die Unterdr\u00fcckung doppelt so stark zu sp\u00fcren ist. Trotz all des Drucks setzen wir immer noch alles daran, \u00fcber die Lage zu berichten. Wir wissen, dass Journalismus kein Verbrechen ist. Dutzende unserer Kollegen sind inhaftiert. Es ist kein Verbrechen, zu berichten, der \u00d6ffentlichkeit genaue Informationen zu vermitteln, zu kritisieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>NURULLAH KAYA \/ JOURNALIST<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ICH ERLEBTE MENSCHENUNW\u00dcRDIGE FOLTER<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das AKP-Regime zerst\u00f6rte vor dem Genozid, den es in der T\u00fcrkei begehen wollte, zun\u00e4chst die Medien. Vor dem 15. Juli wurden alle Zeitungen und Fernsehsender der Opposition zwangsweise geschlossen. Ich arbeitete in der Zeitung Zaman, die auch geschlossen wurde. Ich habe \u00fcber die illegalen<br>Waffenlieferungen der AKP-Regierung an der syri\u0002schen Grenze und ihre Unterst\u00fctzung vieler illegaler Organisationen, insbesondere des IS und Al-Nusra,<br>berichtet. Ich wurde an der Grenze festgenommen und bedroht. Ich wurde immer wieder ins Visier genommen und verfolgt. Zwei meiner Kollegen, die<br>als Journalisten an der Grenze arbeiteten, wurden get\u00f6tet. Eine Woche nach dem Putschversuch am 15. Juli f\u00fchrte die Polizei bei mir zu Hause mit langl\u00e4ufi\u0002gen Waffen eine Razzia durch und bedrohte meine Familie. Ich habe auf der Polizeiwache Folter erlebt, die unmenschlich war. Ich wurde ohne jegliche Beweise festgenommen und k\u00e4mpfte 19 Monate lang unter sehr schwierigen Bedingungen im Ge\u0002f\u00e4ngnis ums \u00dcberleben. Ich wurde auf Bew\u00e4hrung<br>entlassen, obwohl ich keine Straftat begangen hatte. In der T\u00fcrkei wird Journalisten kein Recht auf Leben zugestanden. Deshalb mussten viele meiner<br>Freunde die T\u00fcrkei verlassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>CEM\u0130L U\u011eUR \/ JOURNALIST<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ICH SASS WEGEN MEINER REPORTAGEN MONATELANG IM GEF\u00c4NGNIS<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit 2014 arbeite ich als Journalist. Im Jahr 2016 wurde ich bei einer Re\u0002cherche festgenommen und inhaftiert. Ich war drei Monate im Gef\u00e4ngnis. Obwohl kein Straftatbestand vorlag, wurde ich wegen meiner Reportagen und meiner Beitr\u00e4ge in den sozialen Medien zu 15 Monaten Gef\u00e4ngnis verurteilt. 2020 erfuhr ich, dass zwei Dorfbewohner im Stadtteil \u00c7atak in Van auf der Intensivstation eines Krankenhauses behandelt wurden. Als ich den Vorfall untersuchte, konnte ich anhand von Dokumenten nachweisen, dass diese beiden Dorfbewohner von Soldaten aus einem Hubschrauber geworfen worden waren. Wegen meiner Berichterstattung wurde ich zusammen mit drei meiner Kollegen in Gewahrsam genommen. Sechs Monate verbrachte ich im Gef\u00e4ngnis, weil das Gericht unsere gesellschaftlich relevanten Reportagen als Verbrechen betrachtete. In den Gef\u00e4ngnissen haben wir keine Rechte. Die H\u00e4ftlinge befinden<br>sich in v\u00f6lliger Isolation. Und es wird Tag f\u00fcr Tag schwieriger, in der T\u00fcrkei Journalismus zu betreiben. Aber ich sch\u00f6pfe Kraft aus Metin G\u00f6ktepe, Hrant<br>Dink, U\u011fur Mumcu und Ap\u00ea Musa. Was es mich auch immer kosten mag, ich m\u00f6chte diesen Beruf weiter aus\u00fcben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>MEHMET \u00d6ZDEM\u0130R \/ JOURNALIST<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ICH WAR 22 MONATE IM GEF\u00c4NGNIS, OHNE DASS ICH EINES VERBRECHENS ANGEKLAGT WURDE<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als ich erfuhr, dass nach dem Putschversuch am 15. Juli 2016 ein Haftbefehl gegen mich vorliegt, ging ich zur Polizei und stellte mich. Nach acht Tagen schwerem Gewahrsam wurde ich inhaftiert und in den geschlossenen Strafvollzug in Silivri \u00fcberf\u00fchrt. Meine Anklageschrift kam genau neun Monate sp\u00e4ter. Wegen \u201eversuchtem Staatsstreich\u201c und \u201eMitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung\u201c wurden drei lebens\u0002l\u00e4ngliche Haftstrafen gefordert. In der 65-seitigen Anklageschrift konnte jedoch kein einziger Beweis f\u00fcr eine Straftat erbracht werden. Es gab nicht einen einzigen Hinweis auf meine T\u00e4tigkeit bei der Zeitung als \u201eRedakteur von Seite 1\u201c und \u201eVerantwortlicher Redaktionsleiter\u201c. Ich fragte die Richter, was mein Verbrechen sei, bekam aber keine Antwort. Der Staatsanwalt reduzierte seine Forderung nach dreimal lebensl\u00e4nglich auf einmal und forderte, mich nur wegen \u201eAnf\u00fchren einer terroristischen Vereinigung\u201c zu bestrafen. Nach 22 Monaten wurde ich freigesprochen und aus dem Gef\u00e4ng\u0002nis entlassen. Der Staatsanwalt legte jedoch Revision gegen die Entschei\u0002dung ein. Das Kassationsgericht hob den Freispruch auf und verlangte, dass ich erneut vor Gericht gestellt und bestraft werde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>MEL\u0130KE AYDIN \/ KORRESPONDENTIN BEI J\u0130NNEWS \u0130ZM\u0130R<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">GESELLSCHAFTEN ZU ISOLIEREN IST DAS ZIEL<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Volksgruppen zu isolieren ist f\u00fcr die M\u00e4chtigen in der T\u00fcrkei eine Art Regierungsmethode. Als kurdische Journalistin kann ich sagen, dass das der Hauptgrund f\u00fcr die Gewalt ist, die ich erlebt habe. Im April 2018 wurde ich festgenommen, als ich von einer Recherche in Ayd\u0131n zur\u00fcckkehrte. 2016 war ich aufgrund eines Beitrags in den sozialen Medien zu einem Jahr und drei Monaten Gef\u00e4ngnis verurteilt worden. Ich wurde unter der Bedingung freigelassen, in den kommenden f\u00fcnf Jahren kein \u00e4hnliches \u201eVerbrechen\u201c zu begehen, sonst m\u00fcsste ich die doppelte Haftstrafe verb\u00fc\u00dfen. Am 11. November 2019 um 5 Uhr morgens st\u00fcrmte die Polizei aufgrund einer meiner Repor\u0002tagen meine Wohnung \u2013 ein Trauma f\u00fcr meine Familie. In Gewahrsam wurde mir angetragen,<br>Spionage zu betreiben, und mir wurde angedroht, ich w\u00fcrde meinen Job verlieren. Ich werde immer noch verfolgt und bel\u00e4stigt. Im Gef\u00e4ngnis wurde ich<br>gewaltsam einer Nacktdurchsuchung unterzogen. Drei Monate lang konnte ich nicht arbeiten, meine B\u00fccher wurden beschlagnahmt und mir trotz mei\u0002nes Freispruchs nicht zur\u00fcckgegeben. Ich wurde freigesprochen, aber ich wurde zu einer Journalis\u0002tin, der gegen ihre Nachrichtenquellen \u201eterrorisiert\u201c wurde, und einige, insbesondere national-konser\u0002vative T\u00fcrken, wandten sich von mir ab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>AZ\u0130Z ORU\u00c7 \/ JOURNALIST<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">10 WEGEN MEINER REPORTAGEN DROHEN MIR 28 JAHRE GEF\u00c4NGNIS<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2013 habe ich bei der Dicle Haber Ajans\u0131 mit dem Journalismus begonnen. Als die Agentur von der Regierung geschlossen wurde, arbeitet ich bei<br>DIHABER weiter. Weil wegen meiner Reportagen eine Reihe von Klagen gegen mich eingereicht wurden, musste ich 2017 in den Irak fliehen. Im Irak<br>war ich Nachrichtenredakteur bei RojNews und schrieb Artikel f\u00fcr die Zeitung Yeni Ya\u015fam. Nach drei Jahren, im Dezember 2019, ging ich \u00fcber den Iran<br>nach Armenien, um nach Europa zu gelangen. Aber ich wurde festgenommen und \u00fcber den Iran in die T\u00fcrkei ausgeliefert. 11 Monate war ich im Gef\u00e4ngnis.<br>Mein Prozess geht weiter und mir drohen bis zu 28 Jahre Gef\u00e4ngnis. Wegen einer anderen Reportage wurde ich zu zwei Jahren und einem Monat Gef\u00e4ng\u0002nis verurteilt. Au\u00dferdem droht mir in einem anderen Prozess eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren wegen eines Artikels mit dem Titel \u201eVor 23 Jahren<br>Lice, Jetzt Cizre\u201c. Meine Frau wurde wegen eines Tweets festgenommen, den sie gesendet hatte, w\u00e4hrend ich im Gef\u00e4ngnis war. W\u00e4hrend meine Frau<br>in Gewahrsam war, waren unsere Kinder tagelang ohne Aufsicht. Wir betreiben in der T\u00fcrkei in einem sehr schwierigen Umfeld unerm\u00fcdlich Journalis\u0002mus. Ich versuche, der \u00d6ffentlichkeit die Wahrheit zu vermitteln, und ich m\u00f6chte, dass die ganze Welt erf\u00e4hrt, was hier passiert<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>ZAFER \u00d6ZSOY \/ JOURNALIST<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">22 MONATE MEINES LEBENS WURDEN MIR GESTOHLEN<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bin auch einer der Journalisten, deren Weg nach Silivri f\u00fchrte. Zuerst wurde f\u00fcr die Nachrichtenagentur Cihan, bei der ich arbeitete, ein Treuh\u00e4nder<br>eingesetzt, woraufhin ich entlassen wurde. Ich wurde dann Partner in einem Medienunternehmen. Allerdings wurde auch dort ein Treuh\u00e4nder eingesetzt,<br>weil es mit Cihan in Verbindung stand. So war ich zum zweiten Mal in einem Jahr arbeitslos. Ich begann, f\u00fcr ausl\u00e4ndische Medienorganisationen zu arbeiten<br>\u2013 bis 10 Tage nach dem Putsch, also bis zum 26. Juli. Um 06:00 Uhr morgens f\u00fchrte die Polizei mit automatischen Waffen eine Razzia bei mir zu Hause durch. Gewahrsam, Gericht \u2026 und schlie\u00dflich das Gef\u00e4ngnis in Silivri. Genau 22 Monate in einer 30 Quadratmeter gro\u00dfen Zelle. Dann wurde, da es keine<br>anderen Beweise gab, au\u00dfer dass ich als Journalist gearbeitet hatte, auf Frei\u0002spruch entschieden \u2013 ohne ein Wort der Entschuldigung. Aber wer \u00fcbernimmt die Verantwortung f\u00fcr die 22 Monate, die meinem Leben gestohlen wurden? Niemand. Man meinte wohl, dass die 22 Monate, die ich im Gef\u00e4ngnis sa\u00df,<br>nicht ausreichten, und so wurde neun Monate nach meiner Entlassung erneut ein Haftbefehl ausgestellt. \u201eEntweder Gef\u00e4ngnis oder Mariza\u201c, sagte die Justiz<br>meines Landes. Ich habe mich f\u00fcr Mariza entschieden. Eines Morgens verlie\u00df ich mein Land und \u00fcberquerte den Fluss Mariza (Evros). Danach wurde dann<br>noch ein Haftbefehl mit dem \u201eroten Bulletin\u201c ausgestellt \u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>HASAN BOZKURT \/ JOURNALIST<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ICH BIN NUR JOURNALIST<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 17. Mai 2017 wurde ich zu Hause von der Polizei festgenommen und sechs Tage sp\u00e4ter wegen journalistischer Telefonate und eines Bankkontos inhaftiert. Eines Nachts wurde ich, ohne meine Familie informieren zu k\u00f6nnen, in ein Gef\u00e4ngnis in Denizli gebracht, 471 km von Ankara entfernt. Monatelang<br>konnte ich mit meiner Familie nur per Telefon sprechen. Ich war mit 30 Leuten in einem 8-Perso\u0002nen-Haftraum untergebracht. Ich habe monatelang auf dem Boden geschlafen, weil es kein Bett gab. Toiletteng\u00e4nge und das Waschen wurden zur Qual. Nicht anders die Arztvisiten. Er untersuchte uns nur aus 10<br>Metern Entfernung!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>HAB\u0130BE EREN \/ J\u0130NNEWS<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ES IST SEHR SCHWER, EINE FRAU, EINE KURDIN UND EINE JOURNALISTIN ZU SEIN<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Kind wollte ich immer Journalistin werden. Das war mein Traumberuf. Ich habe 2015 w\u00e4hrend meines Studiums als Journalistin bei der DIHA angefangen und sp\u00e4ter bei der JINHA und der \u015eujin gearbeitet. Derzeit bin ich bei JINNEWS. Unsere Agentur ist ein Medienunternehmen, dessen Team ausschlie\u00dflich aus Frauen besteht, und unter dem Motto \u201eFrauen mit dem Stift auf der Spur der Wahrheit\u201c den Focus auf frauenorien\u0002tierten Journalismus legt. Abseits der klassischen Mainstream-Medien, die das m\u00e4nnlich dominierte System am Leben erhalten, sagen wir: \u201eWir sind auch noch da\u201c, und versuchen das sowohl ideell als auch praktisch umzusetzen. An diesem Punkt sind wir jedoch auch vielen Schwierigkeiten ausgesetzt. 2017 wurde ich zusammen mit f\u00fcnf meiner<br>Freunde angezeigt, woraufhin eine Razzia bei uns zu Hause durchgef\u00fchrt und ich festgenommen wurde. Ich wurde in meinem Berufsleben dreimal inhaftiert und es l\u00e4uft derzeit ein Verfahren gegen mich. Die Politik versucht, uns Journalisten an der Aus\u00fcbung unseres Berufs zu hindern, nicht nur durch Festnahmen, Inhaftierungen und Repressionen, sondern auch durch Razzien und die Beschlagnahmung unserer Ausr\u00fcstung. Frau, Kurdin und Journalistin zugleich zu sein, bringt viele Schwierigkeiten mit sich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>ABDURRAHMAN G\u00d6K \/ REDAKTEUR DER MEZOPOTAMYA AGENCY<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">JOURNALISTEN HABEN ANGST, ENTF\u00dcHRT ZU WERDEN<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schwierigkeiten, mit denen Journalisten in der T\u00fcrkei konfrontiert sind, wurden mit dem Pr\u00e4sidialsystem noch unertr\u00e4glicher. Schon in der Vergangenheit kostete es einen hohen Preis, \u00fcber die Gesetzlosigkeit und Korruption der Regierung zu schreiben, aber jetzt ist er noch h\u00f6her. Journalisten haben Angst, entf\u00fchrt zu werden. Ins Gef\u00e4ngnis zu gehen, verhaftet zu werden gilt jetzt schon nur noch als leichte Suppression! In den letzten f\u00fcnf bis sechs Jahren haben Hunderte von Journalistenfreunden das Land verlassen m\u00fcssen, weil sie ihre Arbeit nicht mehr aus\u00fcben konnten oder aus Angst. Die T\u00fcrkei steht nun ganz oben auf der Liste der Risikol\u00e4nder f\u00fcr Journalis\u0002ten. Ich bin seit 2004 Journalist und es wurden mehr als 20 Klagen gegen mich eingereicht. 2009 verbrach\u0002te ich neun Monate im Gef\u00e4ngnis. Ich wurde bei einer Recherche festgenommen. Egal wohin ich ging, ich wurde st\u00e4ndig von der Polizei verfolgt und vernom\u0002men, besonders wenn ich eine Kamera dabeihatte. Mir droht jetzt eine 20-j\u00e4hrige Haftstrafe, weil ich Kemal Kurkut fotografiert habe, einen Universit\u00e4tsstudenten, der 2017 bei den Newroz-Feiern in Diyarbak\u0131r von der Polizei get\u00f6tet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>ZEMO A\u011eG\u00d6Z \/ ANKARA-KOR\u0002RESPONDENTIN DER MEZOPOTAMYA AGENCY<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ICH WURDE WIEDERHOLT VON DER POLIZEI SEXUELL BEL\u00c4STIGT<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nachdem ich 2018 bei der Mezopotamya Ajans\u0131 angefangen habe, wur\u0002de mir klar, dass Journalistin in Ankara zu sein, insbesondere f\u00fcr die kurdischen Presse zu arbeiten, nichts mit dem an staatlichen Universit\u00e4ten gelehrten \u201eJournalismus\u201c zu tun hat. Wenn wir berichten wollen, erkennt die Polizei den Ausweis der Agentur, deren Reporter wir sind, nicht an, sie drohen uns. Pers\u00f6nlich wurde ich immer wieder von der Polizei beleidigt und sexuell bel\u00e4stigt. Besonders in F\u00e4llen, in denen es zu \u00dcbergriffen der Polizei auf Menschen kommt, richtet sich die Gewalt der Polizei auch gegen uns, die wir dar\u00fcber berichten. Wir haben unsere Computer, Foto\u0002und Videokameras immer bei uns. Denn wenn wir sie im B\u00fcro lie\u00dfen, k\u00f6nnten sie die R\u00e4ume durchsuchen und unsere Ger\u00e4te beschlagnahmen. Aber trotz all dieser Schwierigkeiten wurde die freie Presse zur zuverl\u00e4s\u0002sigsten Informationsquelle f\u00fcr die Menschen. Aus diesem Grund wenden sich die Menschen an uns, wenn sie Rechtsverletzungen oder Folter erleben, egal wo, ob in verlassenen Wohnvierteln, auf dem Markt, im Dorf oder in der Fabrik. Ich versuche, der Wahrheit auf den Grund zu gehen und liebe den Journalismus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>D\u0130NDAR KARATA\u015e \/ JOURNALIST<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">DAS HAUPTZIEL SIND FREIE JOURNALISTEN<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 24. November 2020 wurde bei mir zu Hause in Van eine Razzia durchgef\u00fchrt und ich wurde von einem Sonderkommando der Polizei in Gewahrsam genommen. Ich kam wegen der Telefonate, die ich mit meinen Informanten f\u00fchrte, und der Reportagen, die ich machte, unter dem Vorwurf der \u201eMitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung\u201c in Untersuchungs\u0002haft. Meine erste Anh\u00f6rung fand drei Monate sp\u00e4ter statt, und ich wurde freigelassen. Aber der Prozess geht weiter. Meine Kollegen Adnan Bilen, Nazan Sala, Cemil U\u011fur und \u015eehirban Abi wurden auch festgenommen. Als Journalisten waren und sind wir in der Region die Stimme der beim Grenzhandel Get\u00f6teten und im Abschiebezen\u0002trum vergewaltigten weiblichen Fl\u00fcchtlinge; wir erheben unsere Stimme bei Menschenrechtsverletzungen und bei Morden. Es war ein tragisch-komischer Moment, als Pr\u00e4sident Erdo\u011fan Frank\u0002reich in Bezug auf die Pressefreiheit kritisierte, den Druck, der in der T\u00fcrkei auf die Presse ausge\u00fcbt wird, jedoch ignorierte. Als Journalist, der vor Gericht steht, m\u00f6chte ich sagen, dass die AKP-Regierung und Erdo\u011fan der Opposition sogar die Luft zum Atmen nehmen wollen. Als freie Journalisten in der T\u00fcrkei stehen wir ganz vorne in der Schusslinie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Handvoll Journalisten gehen allem Druck und allen Drohungen zum Trotz mutig ihrer Profession nach und berichten weiterhin die Wahrheit. Auch wenn sie im Gef\u00e4ngnis landen oder ins Ausland m\u00fcssen, erinnern sie mit ihren Schreibstiften an Demokratie, Gleich\u0002berechtigung und Recht. 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