{"id":47550,"date":"2026-05-18T00:32:20","date_gmt":"2026-05-17T22:32:20","guid":{"rendered":"https:\/\/internationaljournalists.org\/?page_id=47550"},"modified":"2026-05-18T09:19:45","modified_gmt":"2026-05-18T07:19:45","slug":"verbotene-buecher","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/internationaljournalists.org\/de\/verbotene-buecher\/","title":{"rendered":"Verbotene B\u00fccher"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-page\" data-elementor-id=\"47550\" class=\"elementor elementor-47550 elementor-47539\" data-elementor-post-type=\"page\">\n\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-5c2346b elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"5c2346b\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-7e3a58c\" data-id=\"7e3a58c\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-6372245 elementor-toc--minimized-on-tablet elementor-widget elementor-widget-table-of-contents\" data-id=\"6372245\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-settings=\"{&quot;headings_by_tags&quot;:[&quot;h1&quot;,&quot;h2&quot;,&quot;h3&quot;,&quot;h4&quot;,&quot;h5&quot;,&quot;h6&quot;],&quot;exclude_headings_by_selector&quot;:&quot;#footer&quot;,&quot;marker_view&quot;:&quot;bullets&quot;,&quot;icon&quot;:{&quot;value&quot;:&quot;&quot;,&quot;library&quot;:&quot;&quot;},&quot;no_headings_message&quot;:&quot;Es wurden keine \\u00dcberschriften auf dieser Seite gefunden.&quot;,&quot;minimize_box&quot;:&quot;yes&quot;,&quot;minimized_on&quot;:&quot;tablet&quot;,&quot;hierarchical_view&quot;:&quot;yes&quot;,&quot;min_height&quot;:{&quot;unit&quot;:&quot;px&quot;,&quot;size&quot;:&quot;&quot;,&quot;sizes&quot;:[]},&quot;min_height_tablet&quot;:{&quot;unit&quot;:&quot;px&quot;,&quot;size&quot;:&quot;&quot;,&quot;sizes&quot;:[]},&quot;min_height_mobile&quot;:{&quot;unit&quot;:&quot;px&quot;,&quot;size&quot;:&quot;&quot;,&quot;sizes&quot;:[]}}\" data-widget_type=\"table-of-contents.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-toc__header\">\n\t\t\t\t\t\t<h2 class=\"elementor-toc__header-title\">\n\t\t\t\tInhaltsverzeichnis\t\t\t<\/h2>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-toc__toggle-button elementor-toc__toggle-button--expand\" role=\"button\" tabindex=\"0\" aria-controls=\"elementor-toc__6372245\" aria-expanded=\"true\" aria-label=\"Inhaltsverzeichnis \u00f6ffnen\"><i aria-hidden=\"true\" class=\"fas fa-chevron-down\"><\/i><\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-toc__toggle-button elementor-toc__toggle-button--collapse\" role=\"button\" tabindex=\"0\" aria-controls=\"elementor-toc__6372245\" aria-expanded=\"true\" aria-label=\"Inhaltsverzeichnis schlie\u00dfen\"><i aria-hidden=\"true\" class=\"fas fa-chevron-up\"><\/i><\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div id=\"elementor-toc__6372245\" class=\"elementor-toc__body\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-toc__spinner-container\">\n\t\t\t\t<i class=\"elementor-toc__spinner eicon-animation-spin eicon-loading\" aria-hidden=\"true\"><\/i>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-eaf6a3b elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"eaf6a3b\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-0a754d3\" data-id=\"0a754d3\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-560d810 elementor-drop-cap-yes elementor-drop-cap-view-default elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"560d810\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-settings=\"{&quot;drop_cap&quot;:&quot;yes&quot;}\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<h1>I. Zweck<\/h1><p>Zweck dieser Studie ist es, sich mit den B\u00fccherverboten und der Sperrung des Zugangs zu B\u00fcchern zu befassen, die die t\u00fcrkische Regierungspartei seit dem Milit\u00e4rputschversuch vom 15. Juli 2016 unter Verletzung nationaler und allgemeiner gesetzlicher Bestimmungen anwendet, um Personen und Gruppen, die sie als ihre Gegner:innen betrachtet, einzusch\u00fcchtern und zum Schweigen zu bringen.<\/p><p>In dem Bericht werden die Aktivit\u00e4ten der politischen Macht untersucht, die gegen die von der Verfassung und dem Gesetz garantierte \u201eMeinungs- und Gedankenfreiheit\u201d im ganzen Land versto\u00dfen. In diesem Bericht werden anhand ausgew\u00e4hlter Beispiele folgende Verst\u00f6\u00dfe untersucht:<\/p><ul><li>Das Verbieten von B\u00fcchern<\/li><li>Die Beschlagnahmung von B\u00fcchern<\/li><li>Druckverbots und der Verbreitung von B\u00fcchern<\/li><li>Die Verhinderung des Zugangs von Gefangenen und Verurteilten zu B\u00fcchern, die nicht unter das Publikationsverbot fallen<\/li><li>Das Betrachten von Besitz von bestimmten B\u00fcchern als Beweis f\u00fcr Verbrechen und Terror<\/li><\/ul><p>Die in dem Bericht angesprochenen Themen und die ausgew\u00e4hlten Beispiele spiegeln nur einen kleinen Teil der F\u00e4lle von Verboten\/Einschr\u00e4nkungen der \u201eFreiheit zur Ver\u00f6ffentlichung und Verbreitung von \u00c4u\u00dferungen\u201d wider, die im ganzen Land aufgetreten sind. Es kann jedoch festgehalten werden, dass der Bericht wichtige Daten offenbart, die die Gesinnung der politischen Macht in der T\u00fcrkei und den Verhaltenskodex des derzeitigen Justizsystems bez\u00fcglich der Meinungsfreiheit aufzeigt.<\/p><h1><a name=\"_Toc229134206\"><\/a>II. Datenquelle und Methodik<\/h1><p>Bei der Erstellung des Berichts wurden Urteile der Gerichte herangezogen. Dar\u00fcber hinaus wurden Ver\u00f6ffentlichungen in den lokalen und nationalen Medieneinrichtungen analysiert, die \u00fcber die oben genannten Punkte thematisiert haben, so z.B. der Versuch der Menschen, besagte B\u00fccher und Zeitschriften zu verstecken oder unbemerkt zu verbrennen, um nicht des Terrors beschuldigt zu werden. Die in den Gerichtsprotokollen wiedergegebenen Zust\u00e4nde wurden zusammen mit den Nachrichten und Kommentaren, die als offene Quellen zug\u00e4nglich sind, analysiert und chronologisch in den Bericht aufgenommen.<\/p><h1><a name=\"_Toc229134207\"><\/a>III. Einf\u00fchrung<\/h1><p>Das Recht auf freie Meinungs\u00e4u\u00dferung und Gedankenfreiheit bildet die Grundlage der Demokratie und ist f\u00fcr den Schutz der Menschenw\u00fcrde unerl\u00e4sslich. Die Vielfalt der Wissens- und Informationsressourcen ist eine Grundvoraussetzung f\u00fcr kulturelle Vielfalt, Kreativit\u00e4t, Wohlstand, Toleranz und die Entwicklung von Gesellschaften auf der ganzen Welt. Viele B\u00fccher sind im Laufe der Jahre in der Welt und in der T\u00fcrkei verboten oder eingeschr\u00e4nkt worden, weil man bef\u00fcrchtete, dass B\u00fccher eine unerw\u00fcnschte Wirkung auf die Gesellschaft haben k\u00f6nnten.<\/p><p>B\u00fccher und \u00e4hnliche Ver\u00f6ffentlichungen, die eine Ideologie propagieren, nationale oder religi\u00f6se Gef\u00fchle aufstacheln, die Menschen in die Irre f\u00fchren, eine polarisierende Wirkung auf die Gesellschaft haben und eine Gefahr f\u00fcr die nationale Sicherheit darstellen, sind verboten, unterliegen der Gerichtsbarkeit, werden per Gerichtsbeschluss beschlagnahmt und es werden sogar eine Reihe von Ma\u00dfnahmen ergriffen, einschlie\u00dflich der Verhaftung ihrer Autoren.<\/p><p>Das Verbot, die Beschlagnahme und die Vernichtung von B\u00fcchern und \u00e4hnlichen Materialien, die von den staatlichen Beh\u00f6rden als anst\u00f6\u00dfig erachtet werden, erweisen sich als ein Akt diktatorischer und repressiver Regime.<\/p><p>Das Verbot von B\u00fcchern in der T\u00fcrkei war eine Ma\u00dfnahme, die in der Regel mit Milit\u00e4rputschen einherging. Diese Ma\u00dfnahmen wurden nicht nur vom Staat durchgef\u00fchrt, sondern oft auch von den Buchbesitzern, um sich selbst zu sch\u00fctzen. In der Zeit des 12. M\u00e4rz, insbesondere bei den Hausdurchsuchungen in Istanbul, wurden viele B\u00fccher von ihren Besitzern in \u00d6fen und Kellern verbrannt, da sie als kriminelle Elemente betrachtet werden konnten. Nach dem Milit\u00e4rputsch vom 12. September 1980 wurden Zehntausende von B\u00fcchern sowohl vom Staat als auch von ihren Eigent\u00fcmern vernichtet. Der Grund daf\u00fcr ist ein Gesetz, das vom Nationalen Sicherheitsrat w\u00e4hrend des 12. Septembers erlassen wurde. Mit diesem Gesetz, das die Vernichtung beschlagnahmter B\u00fccher erlaubte, erreichte das B\u00fcchergemetzel seinen H\u00f6hepunkt. Nach dem Milit\u00e4rputsch vom 12. September wurden auf Beschluss des Nationalen Sicherheitsrats viele Journalist:innen und Schriftsteller:innen strafrechtlich verfolgt, und 39 Tonnen Zeitungen und Zeitschriften wurden vernichtet.<\/p><p>Nach den Bestechungs- und Korruptionsermittlungen vom 17. bis 25. Dezember 2013 hat die Regierung direkt in das Justizwesen eingegriffen und nicht nur Staatsanw\u00e4lt:innen und Richter:innen entlassen, sondern auch radikale \u00c4nderungen zu ihren Gunsten im Strafprozesssystem vorgenommen. Die Vorschriften zur Kontrolle von Ma\u00dfnahmen wie Durchsuchung, Abh\u00f6rung und Verhaftung hatten im Wesentlichen auch Folgen, die sich unmittelbar auf die Medienfreiheit auswirkten. Mit dem k\u00fcrzlich eingef\u00fchrten System der Friedensrichter in Strafsachen sind die in jedem Gerichtsort ernannten Richter:innen zu denjenigen geworden, die die Entscheidungen \u00fcber die \u201eVerweigerung des Zugangs\u201d und die \u201eAntwort-Berichtigung (Widerlegung)\u201d treffen. Mit der \u00c4nderung wurde die Aufsichtsbefugnis der Strafrichter:innen erster Instanz abgeschafft und durch ein System ersetzt, in dem die Entscheidungen der Friedensrichter:innen ebenfalls von einem Friedensrichter \u00fcberwacht werden.<\/p><p>So werden die einschl\u00e4gigen Bestimmungen des t\u00fcrkischen Strafgesetzbuchs und des Anti-Terror-Gesetzes h\u00e4ufig und willk\u00fcrlich eingesetzt, um Andersdenkende und kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen und andere Personen abzuschrecken.<\/p><p>Von den insgesamt 925 Urteilen, in denen der Europ\u00e4ische Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte (EGMR) zwischen 1959 und 2020 einen Versto\u00df gegen Artikel 10 der Europ\u00e4ischen Menschenrechtskonvention (EMRK) feststellte, ergingen 387 in Beschwerden gegen die T\u00fcrkei. Die \u00fcberwiegende Mehrheit dieser EGMR-Urteile bezieht sich auf Verurteilungen nach den \u201eAnti-Terror-Bestimmungen\u201d des t\u00fcrkischen Strafgesetzbuchs und des Anti-Terror-Gesetzes.<\/p><p>In dem Bericht \u201eT\u00fcrkiye\u2019de Can \u00c7eki\u015fen \u0130fade \u00d6zg\u00fcrl\u00fc\u011f\u00fc\u201d (Moribund freedom of expression in Turkey) erkl\u00e4ren die Menschenrechtsanw\u00e4lte Dr. Kerem Altiparmak und Prof. Dr. Yaman Akdeniz diese Situation wie folgt: \u201eDie Hauptthemen in den gegen die T\u00fcrkei vor dem EGMR angestrengten Verfahren zur Meinungsfreiheit sind Terrorismus und Gewalt. Die meisten Urteile des EGMR beruhen auf Propaganda im Namen terroristischer Organisationen (gem\u00e4\u00df Artikel 6 und 7 des Antiterrorgesetzes), auf der Ver\u00f6ffentlichung von Artikeln oder B\u00fcchern, die zu Hass oder Feindseligkeit aufstacheln oder Verbrechen oder Kriminelle verherrlichen, oder auf der Verbreitung von Botschaften an die \u00d6ffentlichkeit (gem\u00e4\u00df Artikel 312 des fr\u00fcheren Strafgesetzbuchs und Artikel 215 und 216 des aktuellen Strafgesetzbuchs); Dies bezieht sich auf automatische Verurteilungen gem\u00e4\u00df Artikel 6\/2 des Antiterrorismusgesetzes f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung von Erkl\u00e4rungen einer terroristischen Organisation zusammen mit Verurteilungen wegen Beleidigung und \u00f6ffentlicher Verleumdung der t\u00fcrkischen Nation, der Republik T\u00fcrkei, der Gro\u00dfen T\u00fcrkischen Nationalversammlung oder der geistigen Pers\u00f6nlichkeit des Staates, der staatlichen Institutionen und der Streitkr\u00e4fte (Artikel 159 des fr\u00fcheren Strafgesetzbuches und Artikel 301 des aktuellen Strafgesetzbuches), unabh\u00e4ngig vom Kontext oder Inhalt der fraglichen Erkl\u00e4rungen. Der EGMR ist generell der Ansicht, dass diese \u00c4u\u00dferungen (in Artikeln, B\u00fcchern, Ver\u00f6ffentlichungen usw.) nicht zu Hass oder Gewalt aufstacheln und daher den Eingriff in die Meinungsfreiheit des Antragstellers nicht rechtfertigen.<\/p><p>Nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 wurde der Kampf gegen den Terrorismus als Hauptgrund f\u00fcr Eingriffe in die Meinungsfreiheit angef\u00fchrt. Nach der Wahl von Recep Tayyip Erdo\u011fan zum Pr\u00e4sidenten im Jahr 2014 wurden auch gegen den Pr\u00e4sidenten gerichtete \u00c4u\u00dferungen in die Kategorie der h\u00e4ufig bestraften \u00c4u\u00dferungen aufgenommen. Kerem Alt\u0131parmak erkl\u00e4rt: \u201eDie T\u00fcrkei durchlebt eine Zeit, in der fast jeder, von dissidenten Akademiker:innen bis hin zu Parlamentarier:innen, K\u00fcnstler:innen, Journalist:innen und Schriftsteller:innen, verh\u00f6rt, verhaftet und strafrechtlich verfolgt werden kann, weil er oder sie terroristische Propaganda macht oder Mitglied einer terroristischen Organisation ist.\u201d<\/p><p>Die T\u00fcrkei geh\u00f6rte in den letzten Jahren zu den L\u00e4ndern mit den schlechtesten Ergebnissen in Bezug auf die Meinungs- und Pressefreiheit in der Welt. Dies spiegelt sich auch in internationalen Berichten wider. Reporter ohne Grenzen (RSF) setzte die T\u00fcrkei 2016 auf Platz 151 von insgesamt 180 L\u00e4ndern in der Rangliste der Pressefreiheit 2017 auf Platz 155.<\/p><h1><a name=\"_Toc229134208\"><\/a>IV. Ereignisse vor dem 15. Juli 2016: Konfiszierung von Presse- und Verlagsorganisationen durch den staatlichen Treuh\u00e4nder<\/h1><h2><a name=\"_Toc229134209\"><\/a>1. Schlie\u00dfung von 23 mit der Ipek-Gruppe verbundenen Medienunternehmen<\/h2><p>Im Rahmen der Operationen gegen die Koza \u0130pek Holding, zu der 23 Medienunternehmen, darunter die Tageszeitung \u201eBug\u00fcn\u201c und der Fernsehsender \u201eKanalt\u00fcrk TV\u201c, geh\u00f6ren, f\u00fchrte die Polizei eine Razzia nach der anderen im Geb\u00e4ude der Holding durch. Die Holding wurde am 26. Oktober 2015 auf Beschluss des 5. Strafgerichtshofs von Ankara durch die Bestellung eines Treuh\u00e4nders beschlagnahmt.<\/p><h2><a name=\"_Toc229134210\"><\/a>2. Beschlagnahmung der Zaman-Verlagsgruppe<\/h2><p>Am 4. M\u00e4rz 2016 traten mit der Entscheidung des 6. Istanbuler Strafgerichtshofs Treuh\u00e4nder in die seit 1986 t\u00e4tige Zaman-Zeitung ein und \u00fcbernahmen die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung. In den darauffolgenden Tagen wurden auch andere mit Feza Yay\u0131nc\u0131l\u0131k A.\u015e. verbundene Unternehmen, zu denen auch Zaman geh\u00f6rt, die Verwaltung von der Zeitung Meydan, Today\u2019s Zaman, Cihan News Agency, Action Magazine, Zaman Book, Cihan Media Distribution, Irmak TV, Radio Cihan, Zaman America, Zaman Azerbaijan, Zaman Austria, Zaman Europe, Zaman Bulgaria, Zaman Kazakhstan, Zaman Romania und Zaman Turkmenistan an Treuh\u00e4nder \u00fcbertragen.<\/p><h2><a name=\"_Toc229134211\"><\/a>3. Konfiszierung der Kaynak-Verlagsgruppe<\/h2><p>Bei 19 Unternehmen, einer Stiftung und einem Verein, die der Kaynak Holding, einer der wichtigsten Verlagsgruppen der T\u00fcrkei, angeh\u00f6ren, wurden auf Beschluss der Generalstaatsanwaltschaft Istanbul-Anatolien Treuh\u00e4nder eingesetzt, weil sie der \u201eFethullah-Terrororganisation\/Parallelstaatsstruktur\u201d angeh\u00f6ren. Am 18. November 2015 betraten die Treuh\u00e4nder die Verwaltungsgeb\u00e4ude des Unternehmens in \u00dcsk\u00fcdar, Ba\u011fc\u0131lar und Bayrampa\u015fa in Istanbul, begleitet von Teams der Abteilung f\u00fcr Finanzkriminalit\u00e4t der Istanbuler Polizei. In den Firmengeb\u00e4uden wurden Durchsuchungen und Beschlagnahmungen durchgef\u00fchrt. 7 Treuh\u00e4nder, die anstelle der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Unternehmen ernannt wurden, traten ihr Amt an.<\/p><p>Im \u201eFreedom of Publishing Report\u201d des t\u00fcrkischen Verlegerverbands vom Juni 2016 hei\u00dft es: \u201eUnter den beschlagnahmten Unternehmen befanden sich die wichtigsten Verlage, insbesondere im Bereich Bildung und Pr\u00fcfungsvorbereitung, sowie Hunderte von Buchhandelsketten, Vertriebsfirmen und Papierunternehmen. Die Beschlagnahme dieser Unternehmen durch den Staat, deren Beitrag zum Wachstum des Verlagswesens und des kulturellen Lebens durch ihre inl\u00e4ndischen Aktivit\u00e4ten, Exporte ins Ausland und den Verkauf von Urheberrechten, wurde als ein Ereignis interpretiert, das die t\u00fcrkische Publikationswelt untergraben wird.\u201d<\/p><p>Nach dem Amtsantritt der Treuh\u00e4nder wurde die Ver\u00f6ffentlichung der \u201eVereinfachten Risale-i Nur\u201d-Werke, die vom Ufuk-Verlag, der zur Kaynak Holding geh\u00f6rt, herausgegeben werden, auf Anordnung des Treuh\u00e4nders \u0130mran Okumu\u015f im M\u00e4rz 2016 gestoppt und die Exemplare in 148 Gesch\u00e4ften und allen Lagern beschlagnahmt. In der Presse wurde berichtet, dass die Entscheidung, Risale-i Nur zu beschlagnahmen, dem Treuh\u00e4nder Okumu\u015f vom Abgeordneten der AK-Partei in Isparta, Said Y\u00fcce, mitgeteilt wurde.<\/p><p>Vor der Treuh\u00e4nderschaft wurden in den Verlagen der Kaynak Holding insgesamt 3298 verschiedene Buchtypen von 714 Autor:innen ver\u00f6ffentlicht. Laut dem Unternehmensbericht vom 8. M\u00e4rz 2016 wurden insgesamt 3 Millionen 630 Tausend 737 B\u00fccher aus den Bereichen Religion, Familie, Kinder, Literatur, Romane, Reisen, Poesie und Biografie von 714 Autoren von den Treuh\u00e4ndern vernichtet.<\/p><h1><a name=\"_Toc229134212\"><\/a>V. Verletzungen der Meinungsfreiheit im Rahmen der Ereignisse nach dem 15. Juli 2016<\/h1><p>Die \u201eFreiheit der Meinungs\u00e4u\u00dferung\u201d und die \u201cFreiheit der Ver\u00f6ffentlichung und Verbreitung von \u00c4u\u00dferungen\u201d wurden in der Atmosph\u00e4re der Ungerechtigkeit, die nach dem Milit\u00e4rputschversuch vom 15. Juli 2016 ihren H\u00f6hepunkt erreichte, stark beeintr\u00e4chtigt. Einige Praktiken, die selbst in den Jahren des Milit\u00e4rputsches vom 12. September nicht vorkamen, nahmen nach dem 15. Juli einen massenhaften Charakter an. 301.878 B\u00fccher, von denen viele legal ver\u00f6ffentlicht wurden und die meisten vom Bildungs- und Disziplinarausschuss des Bildungsministeriums empfohlen wurden, wurden verboten, beschlagnahmt und zerst\u00f6rt.<\/p><p>Nach der Verh\u00e4ngung des Ausnahmezustands (OHAL) im ganzen Land f\u00fcr 90 Tage durch den Ministerrat am 20. Juli 2016 wurde auf der Grundlage von Artikel 121 der Verfassung eine Vielzahl von Gesetzesdekreten (KHK) erlassen. W\u00e4hrend des Ausnahmezustands (OHAL) bis zum Ende des 18. Juli 2018 wurden 37 Gesetzesdekrete (KHK) erlassen, mit denen insgesamt 30 Verlage und 116 Medienunternehmen geschlossen wurden.<\/p><p>Hunderttausende von B\u00fcchern, die in Verlagen erschienen waren, die per Dekret geschlossen worden waren, wurden innerhalb eines Tages zu verbotenen Publikationen. Die Personen, die diese Publikationen in ihren H\u00e4usern hatten, wurden verh\u00f6rt und verhaftet. Ein Nachrichtenportal wurde 62 Mal geschlossen.<\/p><h2><a name=\"_Toc229134213\"><\/a>1. Praktiken und Diskussionen \u00fcber das Recht auf freie Meinung nach dem 15. Juli 2016<\/h2><p>Bildungsminister Ziya Sel\u00e7uk teilte mit, dass nach dem Putschversuch vom 15. Juli 301.878 B\u00fccher und Ressourcen mit Bezug zur FETO in den dem Ministerium angeschlossenen Einrichtungen vernichtet wurden.<\/p><p>In seiner Erkl\u00e4rung vom 4. August 2016 sagte Pr\u00e4sident Erdo\u011fan: \u201eEr hat angeblich B\u00fccher geschrieben, er hatte Werke. Ich sagte zu den religi\u00f6sen Angelegenheiten, lasst uns einen Blick auf diese B\u00fccher werfen, es gibt Ausdr\u00fccke in diesen B\u00fcchern, die mit unserer Religion unvereinbar sind. Machen Sie von nun an ein Buch mit dem Titel \u2018FETOs S\u00fcndengalerie\u2019\u201d.<\/p><p>Celal B\u00fcy\u00fck, der stellvertretende Mufti von Erzurum, erkl\u00e4rte am 6. August 2016 gegen\u00fcber der Presse: \u201eDiese B\u00fccher, die dem F\u00fchrer der FETO-Organisation geh\u00f6ren, m\u00fcssen sortiert und gereinigt werden, damit sie unsere Kinder nicht weiter vergiften\u201d.<\/p><p>Der Vorsitzende des Bildungs- und Disziplinarausschusses des Ministeriums f\u00fcr nationale Bildung, Alpaslan Durmu\u015f, sagte, dass eine unterschwellige Botschaft mit W\u00f6rtern, die h\u00e4ufig von terroristischen Organisationen verwendet werden, und die Ver\u00f6ffentlichungen von Personen, deren Verbindungen und Zugeh\u00f6rigkeit zu terroristischen Organisationen festgestellt wurden, von der nationalen und nationalen Software \u201cintihal.net\u201d bestimmt werden.<\/p><h2><a name=\"_Toc229134214\"><\/a>2. Verletzung von Artikel 10 der EMRK und der Indizes zur Pressefreiheit<\/h2><p>Trotz der pandemischen Bedingungen hat der Europ\u00e4ische Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte (EGMR) Tausende von Klagen und Zul\u00e4ssigkeitsentscheidungen zu Beschwerden \u00fcber Rechtsverletzungen angek\u00fcndigt. Laut der Bilanz des EGMR f\u00fcr das Jahr 2020 wurde auf einer Pressekonferenz am Sitz des Gerichtshofs in Stra\u00dfburg bekannt gegeben, dass die T\u00fcrkei erneut das europ\u00e4ische Land ist, in dem das Recht auf freie Meinungs\u00e4u\u00dferung am h\u00e4ufigsten verletzt wird, und dass sie nach Russland an zweiter Stelle der beim EGMR eingereichten Klagen steht.<\/p><p>Der EGMR meldete 80 Verst\u00f6\u00dfe gegen Artikel 10 der EMRK \u00fcber \u201eMeinungsfreiheit\u201d in ganz Europa. Es hat sich gezeigt, dass der 10. Artikel der Konvention in der T\u00fcrkei am h\u00e4ufigsten verletzt wurde. Die T\u00fcrkei wurde in 31 F\u00e4llen und Russland in 23 F\u00e4llen wegen Versto\u00dfes gegen Artikel 10 verurteilt.<\/p><p>EGMR hat in der Rechtssache Duman gegen die T\u00fcrkei (Antrag Nr. 15450\/03) am 6. Oktober 2015 entschied, dass der Antragsteller wurde nur wegen des Besitzes von Materialien wie B\u00fcchern, illegalen Ver\u00f6ffentlichungen, Fahnen usw. im Parteigeb\u00e4ude angeklagt und verurteilt wurde und dass das Verhalten des Antragstellers jedoch nicht als Unterst\u00fctzung der rechtswidrigen Handlungen ausgelegt werden kann, da weder die inl\u00e4ndischen Gerichtsentscheidungen noch die Einlassungen der Regierung Anhaltspunkte daf\u00fcr lieferten, dass die fraglichen Materialien Gewalt, Widerstand oder einen Aufstand bef\u00fcrworteten (siehe Gerger v. T\u00fcrkei [GC], Nr. 24919\/94, \u00a7 50, 8. Juli 1999 und, im Gegensatz dazu, Halis Do\u011fan v. T\u00fcrkei, Nr. 75946\/01, \u00a7\u00a7 35 38, 7. Februar 2006). Die Gr\u00fcnde der inl\u00e4ndischen Gerichte f\u00fcr die Verurteilung und das Urteil des Kl\u00e4gers wurden als nicht angemessen und ausreichend qualifiziert, um den Eingriff in die Meinungsfreiheit des Kl\u00e4gers zu rechtfertigen (siehe, neben anderen Urteilen, Mouvementra\u00ebliensuisse v. Schweiz [GC], Nr. 16354\/06, \u00a7 48, EGMR 2012 (Ausz\u00fcge) und Animal Defenders International v. the United Kingdom [GC], Nr. 48876\/08, \u00a7 100, EGMR 2013) (Zitate). Der Gerichtshof entschied, dass eine Verletzung von Artikel 10 der Konvention vorlag.<\/p><p>Diese Situation spiegelt sich auch in internationalen Berichten wider. T\u00fcrkei war im Jahr 2021 auf Platz 153 (von insgesamt 180) auf der Rangliste der Pressefreiheit der Reporter ohne Grenzen (RSF). In dem Pressefreiheitsindex 2021 von Freedom House wird die T\u00fcrkei in der Kategorie \u201enicht freie L\u00e4nder\u201d gef\u00fchrt und belegt Platz 146 von 195 L\u00e4ndern.<\/p><h2><a name=\"_Toc229134215\"><\/a>3. Buch als Beweis f\u00fcr Terror<\/h2><p>Seit seinem Inkrafttreten ist das Anti-Terror-Gesetz das Gesetz, das die Meinungs- und Publikationsfreiheit in der T\u00fcrkei am st\u00e4rksten beeintr\u00e4chtigt und den Grundstein f\u00fcr ein Massaker der Meinungsfreiheit gelegt hat. Insbesondere die darin enthaltene vage Definition von \u201eTerrorismus\u201d hat immer wieder den Weg f\u00fcr willk\u00fcrliche Praktiken geebnet. Artikel 6\/2, der den Straftatbestand des \u201eDruckens oder Ver\u00f6ffentlichens von Erkl\u00e4rungen oder Aussagen terroristischer Organisationen\u201d regelt, der direkt mit der Ver\u00f6ffentlichungsfreiheit zusammenh\u00e4ngt, und Artikel 7\/2, der den Straftatbestand der \u201ePropaganda f\u00fcr eine terroristische Organisation\u201d regelt, f\u00fchren zu zahlreichen Verst\u00f6\u00dfen mit Ergebnissen, die im Widerspruch zur Rechtsprechung des EGMR stehen.<\/p><p>In einer demokratischen Gesellschaft stellt der Akt der \u201ePropaganda\u201d keine Straftat im Rahmen der \u201eFreiheit der Meinungs\u00e4u\u00dferung und -verbreitung\u201d dar. Damit eine Propagandahandlung als Straftat angesehen werden kann, muss der Gedanke auf ein unrechtm\u00e4\u00dfiges Ergebnis in Bezug auf Qualit\u00e4t\/Inhalt gerichtet sein. In den Hunderten von Entscheidungen \u00fcber das Verbot von legal gedruckten B\u00fcchern wurde jedoch au\u00dfer abstrakten Aussagen wie \u201eEs wird angenommen, dass der F\u00fchrer der Terrororganisation Fethullah G\u00fclen mit dem Ziel geschrieben hat, die Sympathie der \u00d6ffentlichkeit zu gewinnen und Personal f\u00fcr die Organisation zu rekrutieren\u201d keine rechtliche Begr\u00fcndung gegeben.<\/p><p>In dem Gutachten von Prof. Dr. \u00c7etin \u00d6zek vom 04.04.2001 \u00fcber einige B\u00fccher, darunter auch die verbotenen B\u00fccher, hei\u00dft es: \u201eWenn man die Themen, die der Angeklagte (Fethullah G\u00fclen) in all seinen ver\u00f6ffentlichten B\u00fcchern behandelt, und die Art und Weise, wie er sie beschreibt, sorgf\u00e4ltig untersucht, lassen sich die Ergebnisse wie folgt zusammenfassen: Damit die Merkmale des islamischen Glaubens, dem er angeh\u00f6rt, und das um ihn herum definierte moralische Verst\u00e4ndnis von der breiten Masse angenommen und akzeptiert werden; auf eine v\u00f6llig friedliche und vers\u00f6hnliche Art und Weise, frei von allen Arten von Konflikten und H\u00e4rte; unter Achtung und Einhaltung der von der Wissenschaft dargelegten Wahrheiten; bietet er religi\u00f6se und moralische Ansichten und Ratschl\u00e4ge nicht nur auf nationaler Ebene, sondern auch f\u00fcr die ganze Welt der Menschheit an, um zu positiven Themen wie Br\u00fcderlichkeit, Frieden, Vers\u00f6hnung und Toleranz zusammenzukommen. Dabei sieht er es als eine notwendige Bedingung an, in \u00dcbereinstimmung mit den Grenzen der Legalit\u00e4t und Legitimit\u00e4t zu handeln. Mit diesen Gedanken spricht Fethullah G\u00fclen nicht von einer \u201eVer\u00e4nderung der staatlichen Grundordnung\u201d, sondern er verweist auf die \u00dcbernahme des etablierten Systems und dessen weitere Verbesserung und St\u00e4rkung. Man sieht, dass es \u00c4u\u00dferungen gibt, die der Existenz und Kontinuit\u00e4t des Staates Unantastbarkeit zuschreiben und selbst Diskussionen im Rahmen des Staatsbegriffs vermeiden wollen. Er r\u00e4t dies nicht nur der Republik T\u00fcrkei, deren B\u00fcrger er ist, sondern auch den Leser:innen und denjenigen, die sich seine Gedanken in allen L\u00e4ndern zu eigen machen, in denen seine Botschaft einen gr\u00f6\u00dferen geografischen Raum erreicht. Die Theokratie l\u00e4sst sich nicht mit der Religion des Islam vereinbaren; die absolute Notwendigkeit der Wissenschaft auch f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Religion; dass die Hauptbedeutung des Dschihad in der geistigen Schulung und nicht in Blut und Konflikten liegt; dass die gewaltsame Verbreitung religi\u00f6ser \u00dcberzeugungen dem Wesen der Religion widerspricht; die st\u00e4ndigen Wiederholungen und Betonungen der Predigt von Br\u00fcderlichkeit, Toleranz, Vers\u00f6hnung und Frieden unter allen V\u00f6lkern sind die Schlussfolgerungen, zu denen man gelangt, wenn man die B\u00fccher des Autors in ihrer Gesamtheit bewertet. Nat\u00fcrlich ist man nicht verpflichtet, seine Gedanken zu teilen, und er ist nicht unkritisch. Aber man kann ihm nicht vorwerfen, dass er seine Gedanken und \u00dcberzeugungen nicht teilt.<\/p><p>Jede dieser Ver\u00f6ffentlichungen, die von den Angeklagten im Lichte der oben genannten Kriterien verfasst wurden, st\u00f6rt in Anbetracht der durch ihren Inhalt zum Ausdruck gebrachten Bedeutungseinheit nicht den Frieden der Gesellschaft, sondern ist im Gegenteil ein von religi\u00f6sen Werten inspirierter Ratschlag, der auf Toleranz und Dialog beruht. W\u00e4hrend sie in diesen Ver\u00f6ffentlichungen dazu angehalten werden, ihre humanit\u00e4ren, rechtlichen und religi\u00f6sen Pflichten als Einzelpersonen, als B\u00fcrger und als Gl\u00e4ubige zu erf\u00fcllen, wurde die Sorge um die Erhaltung des sozialen Friedens nicht vernachl\u00e4ssigt. Mit anderen Worten: Es wurden keine \u00c4u\u00dferungen gemacht, die die \u00f6ffentliche Sicherheit beeintr\u00e4chtigen, provozieren oder zu einer Straftat auffordern. Betrachtet man alle Werke, die Gegenstand der Studie sind, so stellt man fest, dass st\u00e4ndig zu Frieden, Toleranz, Dialog und Vers\u00f6hnung aufgerufen wird. Auch hier handelt es sich bei den Ansichten, die in den betreffenden Werken vertreten werden, eher um moralische Empfehlungen f\u00fcr den Einzelnen, und es wird keine Erkl\u00e4rung f\u00fcr eine \u00c4nderung der staatlichen Ordnung abgegeben. Bei diesen moralischen Empfehlungen handelt es sich hingegen um eine T\u00e4tigkeit, die der Angeklagte als religi\u00f6ser Amtstr\u00e4ger und Schriftsteller aus\u00fcbt, und diese T\u00e4tigkeit sollte im Rahmen der in unserer Verfassung garantierten Gedanken- und Meinungsfreiheit akzeptiert werden.\u201d<\/p><p>Im Gegensatz zum Bericht aus dem Jahr 2001 ist in den Gerichtsakten zu den Terrorismusvorw\u00fcrfen kein Bericht eines Sachverst\u00e4ndigen \u00fcber die Gr\u00fcnde f\u00fcr das Verbot und die Vernichtung der B\u00fccher enthalten, und auch in den \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Quellen wird kein Bericht in diesem Zusammenhang erw\u00e4hnt.<\/p><h2><a name=\"_Toc229134216\"><\/a>4. Buchverbot in Gerichtsakten<\/h2><p>Nach dem 15. Juli 2016 wurden die elementarsten Rechtsgrunds\u00e4tze ignoriert und Entscheidungen gegen die Grundrechte und -freiheiten von der Staatsanwaltschaft und den Gerichten getroffen. In diesem Zusammenhang wurde auf der Grundlage des Ermittlungsschreibens der Staatsanwaltschaft Bak\u0131rk\u00f6y vom 29.07.2016 mit der Nummer 2016\/68394 und des Beschlusses des 3. Strafgerichts von Bak\u0131rk\u00f6y vom 29.07.2016 mit der Nummer 2016\/3189 der Druck und Vertrieb von B\u00fcchern, CDs, DVDs und anderen elektronischen Materialien, die Fethullah G\u00fclen geh\u00f6ren, sowie von 672 B\u00fcchern, die sich auf G\u00fclen beziehen, verboten und ein Verkaufsverbot verh\u00e4ngt.<\/p><p>In der Entscheidung hei\u00dft es: \u201e&#8230; zum Verbot des Drucks, der Verteilung und des Verkaufs der CD, DVD und anderer elektronischer Materialien, die in der beigef\u00fcgten Liste aufgef\u00fchrt sind und von denen angenommen wird, dass sie vom F\u00fchrer der terroristischen Organisation Fetullah G\u00fclen verfasst wurden, um Sympathien in der Bev\u00f6lkerung zu gewinnen und Mitglieder f\u00fcr die Organisation zu rekrutieren, in \u00dcbereinstimmung mit Artikel 7\/2 des Anti-Terror-Gesetzes und Artikel 25\/2 des Pressegesetzes Nr. 5187, und zur Beschlagnahme der erhaltenen B\u00fccher&#8230;\u201d<\/p><p>In dem Beschlagnahmebeschluss wurde als Begr\u00fcndung angef\u00fchrt, dass die fraglichen B\u00fccher von Fethullah G\u00fclen, dem Anf\u00fchrer der terroristischen Organisation, verfasst worden sein sollen, um Sympathien in der \u00d6ffentlichkeit zu gewinnen und Mitarbeiter f\u00fcr die Organisation zu rekrutieren. Eine konkrete Begr\u00fcndung f\u00fcr die Ber\u00fccksichtigung in der Entscheidung wurde nicht vorgelegt.<\/p><p>Die Erscheinungsdaten der verbotenen B\u00fccher liegen vor 2010, einschlie\u00dflich derjenigen, die in den 1990er Jahren ver\u00f6ffentlicht wurden.<\/p><p>Die Pressemitteilung der Oberstaatsanwaltschaft Istanbul Bak\u0131rk\u00f6y und die Entscheidung des 3. Strafgerichtshofs von Bak\u0131rk\u00f6y lauten wie folgt:<\/p><p>Nach dieser Entscheidung wurde die Liste der verbotenen B\u00fccher in die von der Sicherheitsabteilung der Generaldirektion f\u00fcr Sicherheit im POLNET-System angelegte Datei mit der Bezeichnung \u201eConfiscation Orders\u201d (Beschlagnahmeanordnungen) aufgenommen, und die B\u00fccher auf dieser Liste wurden als Beweismittel f\u00fcr Straftaten akzeptiert. Wenn die bei der Beschlagnahme sichergestellten B\u00fccher nicht in der Liste enthalten sind, wird ein neuer Beschluss gefasst und der Liste hinzugef\u00fcgt.<\/p><p>Nach diesen Entscheidungen wurde der \u201eBesitz\u201d von B\u00fcchern, deren Ver\u00f6ffentlichung und Verkauf verboten war, als Beweis f\u00fcr die \u201eMitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung\u201d akzeptiert.<\/p><p>Mit dem Urteil Nr. 2017\/145 und dem Beschluss Nr. 2018\/236 beschloss das 2. Hohe Strafgericht Elaz\u0131\u011f, die in den H\u00e4usern von 19 Angeklagten, die wegen \u201eMitgliedschaft in einer bewaffneten terroristischen Vereinigung\u201d angeklagt waren, beschlagnahmten B\u00fccher, CDs und andere Materialien mit der Begr\u00fcndung zu beschlagnahmen, dass es sich dabei um strafrechtliche Beweise handele.<\/p><p>Schriftliches und digitales Material, das bei der Durchsuchung von Wohnungen und Arbeitspl\u00e4tzen im Rahmen der \u201eTerrorismus\u201d-Ermittlungen nach dem 15. Juli 2016 gefunden wurde, wurde von den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden beschlagnahmt. Legal ver\u00f6ffentlichte B\u00fccher und \u00e4hnliche Materialien, die keinen Straftatbestand erf\u00fcllen, wurden in dem Bericht als Beweismittel f\u00fcr eine Straftat erfasst und an die zust\u00e4ndigen Stellen weitergeleitet.<\/p><p>In der Panik-Atmosph\u00e4re, die von der politischen Macht durch die \u201eHexenjagd\u201d im Anschluss an die Korruptions- und Bestechungsoperationen vom 17. Dezember 2013 und den Putschversuch vom 15. Juli 2016 geschaffen wurde, wollten die Menschen legal gedruckte B\u00fccher und alle Arten von Publikationen verbotener Verlage in ihren Wohnungen oder an ihren Arbeitspl\u00e4tzen loswerden, um nicht als Mitglied einer \u201eterroristischen Organisation\u201d zu gelten. Doch selbst diese Bem\u00fchungen haben zu strafrechtlicher Verfolgung gef\u00fchrt. Wie aus der nachstehenden Entscheidung der Staatsanwaltschaft hervorgeht, wurden die weggeworfenen B\u00fccher Gegenstand einer \u201eBenachrichtigung\u201d, und die \u201eKriminellen\u201d wurden durch Fingerabdr\u00fccke der B\u00fccher ermittelt. Gegen die Personen, deren Fingerabdr\u00fccke in den B\u00fcchern, die in den M\u00fcll geworfen worden waren, gefunden wurden, wurde ein Verfahren wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung eingeleitet.<\/p><h1><a name=\"_Toc229134217\"><\/a>VI. Buchverbot\/Entsorgung in der Presse<\/h1><p>Viele Entscheidungen der Justiz, die durch die Intervention der politischen Macht am 17. Dezember 2013 und danach umgestaltet wurde, verletzten die Freiheit der Meinungs\u00e4u\u00dferung und der Verbreitung von Meinungen; sie haben zu Prozessen und Strafen wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung gegen Personen gef\u00fchrt, die G\u00fclens B\u00fccher zu Hause, am Arbeitsplatz oder in ihrem Auto hatten.<\/p><p>B\u00fcrger:innen, die B\u00fccher und andere Materialien loswerden wollten, die im Nachhinein in die Liste der \u201everbotenen B\u00fccher\u201d aufgenommen wurden, wurden zu Opfern von Denunzianten, die von der Regierung indoktriniert, ermutigt und unterst\u00fctzt wurden. Diese Kriminalisierung durch den Besitzt von B\u00fcchern durch die politische Macht f\u00fchrte zu einer D\u00e4monisierung dieser Menschen in den Augen der \u00d6ffentlichkeit.<\/p><p>Im Folgenden sind Beispiele aus der Presse zusammengestellt. Aus dem Inhalt der Nachrichten geht hervor, dass der Besitz eines Buches als Beweis f\u00fcr die Anschuldigung einer terroristischen Vereinigung akzeptiert wird und Menschen unter Missachtung der Unschuldsvermutung angeklagt und blo\u00dfgestellt werden.<\/p><p>Takvim: Verhaftet und festgenommen, weil er G\u00fclens B\u00fccher aus seinem Haus genommen hat<\/p><p>\u201eDer 60-j\u00e4hrige Y\u0131lmaz Yazgeldi, der dabei erwischt wurde, wie er die B\u00fccher von Fethullah G\u00fclen aus seinem Haus in D\u00fczce entfernte, um sie zu vernichten, wurde vom Gericht festgenommen. Eine Person, die sah, wie Y\u0131lmaz Yazgeldi die B\u00fccher in Kisten und S\u00e4cken aus seinem Haus holte und in sein Auto legte, informierte die Polizei. Bei der Untersuchung durch die eintreffenden Polizeiteams wurde festgestellt, dass die B\u00fccher Fethullah G\u00fclen, dem Anf\u00fchrer der Fethullah-Terrororganisation\/Parallelstaatsstruktur, geh\u00f6rten. W\u00e4hrend Yazgeldi in Gewahrsam genommen wurde, wurden eine Tasche, ein Paket und zwei S\u00e4cke mit B\u00fcchern und fast 100 CDs beschlagnahmt, von denen einige Predigten von G\u00fclen enthielten. Yazgeldi, der angab, die B\u00fccher herausgenommen zu haben, um sie zu vernichten, wurde nach seinem Verfahren auf der Polizeiwache zum Gericht gebracht und dort festgenommen.\u201d (21.07.2016)<\/p><p>TRT News: FETO-B\u00fccher im M\u00fcll in Ad\u0131yaman gefunden<\/p><p>\u201eIn einem M\u00fcllcontainer in Ad\u0131yaman wurde eine gro\u00dfe Anzahl von B\u00fcchern, CDs und Zeitungen gefunden, die der Fetullah-Terrororganisation\/Parallelstaat (FET\u00d6\/PDY) geh\u00f6ren.\u201d (26.08.2016)<\/p><p>Omedyam: Zahlreiche B\u00fccher der FETO wurden beschlagnahmt<\/p><p>\u201eZahlreiche B\u00fccher der FETO wurden beschlagnahmt. Im Rahmen der laufenden Ermittlungen zum Putschversuch wurden bei den Operationen in den Wohnheimen in den St\u00e4dten Gelendost und Ke\u00e7iborlu, die der FETO zugerechnet werden, 9 Personen festgenommen und Hunderte von B\u00fcchern des Anf\u00fchrers der Terrororganisation beschlagnahmt.\u201c (26.07.2016)<\/p><p>Omedyam: CDs und B\u00fccher von G\u00fclen unter der Br\u00fccke beschlagnahmt<\/p><p>\u201eNach Auswertung eines Berichts des Gendarmeriekommandos des Bezirks Keskin durchsuchten Teams des Gendarmeriekommandos die Br\u00fccke des Dorfes Yenialibudak in diesem Bezirk. Bei der Durchsuchung, die auf Anweisung der Staatsanwaltschaft durchgef\u00fchrt wurde, fanden die Teams 400 B\u00fccher, 80 CDs, 5 Kassetten und 20 Taschen-Cevsens, die dem FETO-F\u00fchrer G\u00fclen geh\u00f6ren und unter die Br\u00fccke geworfen wurden. W\u00e4hrend die von den Sicherheitsteams eingeleiteten Ermittlungen weitergehen, wird davon ausgegangen, dass die beschlagnahmten B\u00fccher, CDs und Kassetten f\u00fcr die Ausbildung der Mitglieder der Organisation in den Wohnheimen und Vereinen der Organisation verwendet wurden.\u201c (13.08.2016)<\/p><p>\u0130leri News: Aserbaidschanischer Politiker, der B\u00fccher von Fethullah G\u00fclen in seinem Haus hat, wurde verhaftet<\/p><p>\u201eFaig Amirov, einer der f\u00fchrenden K\u00f6pfe der Aserbaidschanischen Volksfront, wurde zu einer Gef\u00e4ngnisstrafe verurteilt, weil in seinem Auto B\u00fccher von Fethullah G\u00fclen gefunden wurden.\u201c (22.08.2016).<\/p><p>TRT News: Fingerabdr\u00fccke von Polizisten in FETO-B\u00fcchern gefunden<\/p><p>\u201eDer Polizeibeamte und der Mitarbeiter eines Logistikunternehmens, deren Fingerabdr\u00fccke bei der Untersuchung der auf das Grundst\u00fcck in Samsun geworfenen, der FETO geh\u00f6renden B\u00fccher gefunden wurden, wurden festgenommen.\u201c (23.09.2016)<\/p><p>Kars Man\u015fet: FET\u00d6-Lagerhaus gesprengt!<\/p><p>\u201eBei den unter der Koordination der Staatsanwaltschaft Kars\/Ka\u011f\u0131zman durchgef\u00fchrten Ermittlungen wurde festgestellt, dass die Organisationsunterlagen der FETO-Mitglieder in einem Lagerhaus aufbewahrt wurden. Bei der Durchsuchung des Lagers wurden ca. 10.000 B\u00fccher, darunter auch B\u00fccher des FETO-F\u00fchrers G\u00fclen, ein in einem Stahltresor aufbewahrter Dollarschein, zahlreiche Computer, CDs und Organisationsunterlagen gefunden. Die beschlagnahmten B\u00fccher und Dokumente wurden zur Untersuchung auf die Polizeiwache gebracht.\u201c (17.11.2016)<\/p><p>Cumhuriyet: Ein Universit\u00e4tsstudent, dessen Fingerabdr\u00fccke in einem FETO-Buch im M\u00fcll gefunden wurden, wurde in Gewahrsam genommen<\/p><p>\u201eEin Universit\u00e4tsstudent, der angeblich Fingerabdr\u00fccke auf FETO-B\u00fcchern hatte, die in Samsun in den M\u00fcll geworfen wurden, wurde von der Polizei festgenommen. Den Angaben zufolge informierten die B\u00fcrger, die bemerkten, dass die B\u00fccher der FETO in den M\u00fcllcontainer geworfen wurden, die Polizei. Die Teams der Abteilung f\u00fcr Tatortuntersuchungen der Polizei Samsun stellten fest, dass der Fingerabdruck, den sie bei der Untersuchung des Buches im M\u00fcll gefunden hatten, zu einem 22-j\u00e4hrigen Universit\u00e4tsstudenten geh\u00f6rte. Er wurde von den Teams der Anti-Terrorismus-Abteilung (TEM) der Polizei Samsun festgenommen.\u201c (11. 07.2017)<\/p><p>Yeni D\u00fczen: Verhaftet wegen des Buches von Fethullah G\u00fclen<\/p><p>\u201eEr wurde wegen des Buches von Fethullah G\u00fclen verhaftet. A.A. wurde durch die 5 B\u00e4nde von \u201eSonsuz Nur\u201d von Fethullah G\u00fclen ertappt, die er verga\u00df mitzunehmen, als er aus seinem Haus im Dorf Yeni Bo\u011fazi\u00e7i auszog.\u201c (09.09.2017)<\/p><p>Antalya H\u00fcrses: FETO B\u00fccher im Wald<\/p><p>\u201eFETO-B\u00fccher im Wald. Die Teams der Polizeidirektion Alanya, die f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Schmuggels und der organisierten Kriminalit\u00e4t zust\u00e4ndig sind, haben eine Untersuchung eingeleitet, nachdem sie erfahren haben, dass sich in einem Waldgebiet in Ta\u015fatan B\u00fccher, CDs, Kassetten und Zeitungen befinden, die dem F\u00fchrer der FET\u00d6\/PDY geh\u00f6ren. Bei der Durchsuchung der Region wurden in dem Waldgebiet zahlreiche B\u00fccher, CDs, Kassetten und Zeitungen gefunden, die der Organisation geh\u00f6ren. Die gesammelten Dokumente wurden auf die Polizeiwache gebracht.\u201c(26.09.2017)<\/p><p>Bilecik News: Beschlagnahmte FETO-B\u00fccher<\/p><p>\u201eIn Bilecik beschlagnahmten Gendarmerie-Teams auf einem leeren Feld in zwei S\u00e4cken 70 B\u00fccher, die der FETO geh\u00f6ren.\u201c(26.12.2017)<\/p><p>Haberler.com: B\u00fccher und CDs des Anf\u00fchrers von Bal\u0131kesir (FET\u00d6) wurden im Meer gefunden<\/p><p>\u201eNach Angaben des Gouverneursb\u00fcros bemerkte S.E., der vor der Marmara-Insel fischte, dass eine gro\u00dfe schwarze Tasche, w\u00e4hrend er Garnelen fischte. Als er sah, dass sich in der Tasche B\u00fccher und CDs von Fethullah G\u00fclen, dem F\u00fchrer der FET\u00d6, befanden, meldete S.E. die Situation bei der Polizei. Die Polizei entdeckte 93 B\u00fccher, 12 CDs und 2 Kassetten, von denen die meisten G\u00fclen geh\u00f6rten, und leitete eine Untersuchung ein, um die Person(en) zu ermitteln, die diese Materialien ins Meer geworfen hatten.\u201c (26.02.2019)<\/p><p>Milliyet: Im Heuhaufen gefunden!<\/p><p>\u201eIn einem Dorf im Bezirk Tavsanli in K\u00fctahya wurden verbotene B\u00fccher und Organisationsunterlagen der Fetullah-Terrororganisation (FETO) beschlagnahmt.\u201c (10.10.2019)<\/p><p>Bursa Hakimiyet: Er wurde mit der vom FET\u00d6-F\u00fchrer G\u00fclen signierten Uhr erwischt!<\/p><p>\u201eOperation gegen FET\u00d6\/PDY in Mersin. In der Wohnung des Verd\u00e4chtigen wurden eine vom FET\u00d6-F\u00fchrer Fethullah G\u00fclen unterzeichnete Uhr, 51 verbotene Publikationen, digitales Material und Notizb\u00fccher, in denen einige Notizen geschrieben waren, beschlagnahmt.\u201c (15.06.2020)<\/p><p>Eskisehir Express: Fingerabdruck eines FET\u00d6-verd\u00e4chtigen Anwalts in Eski\u015fehir entdeckt<\/p><p>\u201eEs wurde festgestellt, dass \u0130brahim Temur, der Anwalt von Orhan Karaku\u015f, der im Rahmen des gegen ihn angestrengten Verfahrens wegen seiner Mitgliedschaft in der FET\u00d6\/PDY verurteilt wurde, ebenfalls wegen desselben Verbrechens verurteilt wurde und seine Akte beim Obersten Gerichtshof liegt. Die Kammer des Gerichts verurteilte den Anwalt des Angeklagten zu einem Berufsverbot von einem Jahr. Es wurde festgestellt, dass Karaku\u015f\u2019 Fingerabdr\u00fccke auch in dem Buch von Fetullah G\u00fclen, dem F\u00fchrer der Organisation, gefunden wurden, das im Keller von Eski\u015fehir Odunpazar\u0131 beschlagnahmt wurde.\u201c (07.12.2020)<\/p><p>Die oben genannten Ereignisse sind nur einige Beispiele. Die fraglichen B\u00fccher sind diejenigen, die mit Genehmigung der zust\u00e4ndigen staatlichen Institutionen gedruckt und zum Verkauf angeboten wurden, lange vor dem 15. Juli. Es handelt sich dabei um B\u00fccher und andere Ver\u00f6ffentlichungen, die im Rahmen des in der Verfassung und in internationalen \u00dcbereinkommen garantierten Rechts auf Informationsfreiheit erworben wurden. Bis vor kurzem wurden diese Publikationen in Zeitungen beworben, gef\u00f6rdert und sogar gelobt. In der Bibliothek der Gro\u00dfen Nationalversammlung der T\u00fcrkei wurden 64 von Fethullah G\u00fclen signierte B\u00fccher gefunden.<\/p><h1><a name=\"_Toc229134218\"><\/a>VII. Buchverbote und Obstruktionen in Gef\u00e4ngnissen<\/h1><p>In der Presse, in den Berichten der Menschenrechtsvereinigungen und der Vereinigung der Zivilgesellschaft im Strafvollzug wurden Briefe und Stellungnahmen von Anw\u00e4lten \u00fcber Buchbeschr\u00e4nkungen, Beschlagnahmungen und R\u00fcckgabepraktiken in vielen Gef\u00e4ngnissen der T\u00fcrkei ver\u00f6ffentlicht. Es wurde vorgebracht, dass einige B\u00fccher von den Gef\u00e4ngnisverwaltungen nicht mitgenommen wurden, obwohl sie nicht verboten sind, und dass die Forderungen der H\u00e4ftlinge und Verurteilten nach diesen B\u00fcchern ohne Angabe von Gr\u00fcnden abgelehnt wurden. Das Schreiben des Justizministeriums vom 25. November 2016 mit der Nummer 66708689-204.08.00-E.3260\/135460, das an alle Gef\u00e4ngnisse verschickt wurde, dient dazu, die Aufnahme von B\u00fcchern in die Gef\u00e4ngnisse zu verhindern. Im Inhalt des Schreibens hei\u00dft es: \u201eAn die H\u00e4ftlinge und Verurteilten k\u00f6nnen nur p\u00e4dagogische Publikationen geliefert werden, der Inhalt aller fremdsprachigen Publikationen wird gepr\u00fcft und gegebenenfalls geliefert, schriftliche Rechtsvorschriften wie die Verfassung, das TCK, das CMK oder die Rechtsvorschriften, die aus der Computerumgebung ausgedruckt werden k\u00f6nnen, wie B\u00fccher, die sich nicht in der Bibliothek der Anstalt befinden, und die OHAL-Verordnung k\u00f6nnen durch die Justizvollzugsanstalt geliefert werden, vorausgesetzt, dass die Geb\u00fchren vom Geldkonto der Verurteilten und H\u00e4ftlinge bezahlt werden.\u201d Aufgrund der weiten Auslegung dieser Anweisung durch einige Gef\u00e4ngnisse wird die Beschr\u00e4nkung des Zugangs zu B\u00fcchern inzwischen als Sanktion eingesetzt.<\/p><p>Einige Beispiele f\u00fcr F\u00e4lle, die sich in der Presse und in Berichten \u00fcber B\u00fccherverbote widerspiegeln:<\/p><p>Im Silivri-Gef\u00e4ngnis<\/p><p>\u201eDie Zeit der Kurden in Rojava (Rojava K\u00fcrtlerin Zaman\u0131)\u201d von Fehim Ta\u015ftekin und \u201eDer Feind auf der Br\u00fccke (K\u00f6pr\u00fcdeki D\u00fc\u015fman)\u201d von Murat T\u00fcrk,<\/p><p>Dan Browns Bestseller \u201eThe Da Vinci Code\u201d (weil das Silivri-Gef\u00e4ngnis den Verlag \u201cGoldene B\u00fccher\u201d mit der \u201cGoldenen Generation\u201d der FETO verwechselte),<\/p><p>B\u00fccher, die dem CHP-Premierminister und ehemaligen Istanbuler Abgeordneten Eren Erdem im Silivri-Gef\u00e4ngnis zu seiner Verteidigung geschickt wurden,<\/p><p>Im Diyarbak\u0131r-Gef\u00e4ngnis Typ D<\/p><p>\u201eDas wollte ich dir auch sagen (Ben de Sana Onu S\u00f6yleyecektim)\u201d und \u201cDeutsche Ideologie (Alman \u0130deolojisi)\u201d B\u00fccher,<\/p><p>Das Kurzgeschichtenbuch \u201eSeher\u201d, der Bestseller des HDP-Vorsitzenden Selahattin Demirta\u015f,<\/p><p>\u201eWenn die Dunkelheit kommt (Karanl\u0131k \u00c7\u00f6kerken)\u201d, \u201eOptimismus gegen Verzweiflung (Umutsuzlu\u011fa Kar\u015f\u0131 \u0130yimserlik)\u201d, \u201eMachteliten (\u0130ktidar Se\u00e7kinleri)\u201d, \u201eRobinson Crusoe\u201d, \u201eDer kleine Prinz\u201d, \u201eAli Baba und die vierzig R\u00e4uber\u201d, \u201ePeter Pan\u201d, \u201eTom Sawyer\u201d und \u201eIm Schatten der Fl\u00fcgel\u201d<\/p><p>Im Tekirda\u011f-Gef\u00e4ngnis Typ T (Geschlossene Einrichtung)<\/p><p>Prof. Dr. Arman K\u0131r\u0131ms \u201eSmart Purple Cow (Mor \u0130ne\u011fin Ak\u0131ll\u0131s\u0131)\u201d, Honore de Balzacs Weltklassiker \u201eGoriot Baba\u201d, Hans Magnus Enzensbergers \u201eHavanna Trial\u201d, Manuel Tiagos \u201eTomorrow is Ours, Comrades\u201d, John Steinbecks \u201eMartin Eden\u201d, Nadiye \u00c7obano\u011flus \u201eGuerilla Tanya\u201d, Che Gueveras \u201eKriegserinnerungen\u201d, Ernst Peter Fischers \u201eLeipziger Prozess\u201d und Fjodor Gladkovs \u201eZement\u201d sowie weitere beschlagnahmte B\u00fccher.<\/p><p>Im Tekirda\u011f No. 2 F Typ Gef\u00e4ngnis<\/p><p>B\u00fccher, die aus dem Ausland geschickt werden (mit der Bitte, sie gegen Bezahlung \u00fcber die Gef\u00e4ngnisverwaltung zu erwerben),<\/p><p>In Antalya L Typ Gef\u00e4ngnis<\/p><p>Von Angeh\u00f6rigen mitgebrachte B\u00fccher f\u00fcr Inhaftierte,<\/p><p>Die B\u00fccher \u201eUmuda Bir \u00dclke\u201d und \u201eBlaues Land\u201d, die der Autor F\u0131rat Can im Gef\u00e4ngnis geschrieben hat,<\/p><p>Im Bafra-Gef\u00e4ngnis Typ T (Geschlossene Einrichtung)<\/p><p>Das Buch \u201eBack Tomorrow\u201d von Adil Okay, zugesandt an den Autor Haydar Demir,<\/p><p>Im Siverek-Gef\u00e4ngnis<\/p><p>\u201eT\u00fcrkisches W\u00f6rterbuch\u201d, \u201eLes Miserables\u201d von Victor Hugo und \u201eOsmanische Geschichte\u201d, die der \u00fcberstellte H\u00e4ftling mitbrachte<\/p><p>Im Elazig-Gef\u00e4ngnis<\/p><p>Deutsche und englische B\u00fccher f\u00fcr den inhaftierten deutschen Forscher, der kein T\u00fcrkisch spricht,<\/p><p>Im Hochsicherheitsgef\u00e4ngnis Van<\/p><p>Das Buch trug den Namen \u201eDiren Sol Yan\u0131m\u201d (mit der Begr\u00fcndung, es sei in einem sozialistischen literarischen Stil geschrieben),<\/p><p>Im K\u0131r\u0131kkale Gef\u00e4ngnis Typ F<\/p><p>B\u00fccher und Zeitschriften, die von Familienangeh\u00f6rigen, Anw\u00e4lten und Besuchern mitgebracht werden,<\/p><p>Im Tokat-Gef\u00e4ngnis Typ T<\/p><p>B\u00fccher und Zeitschriften, kurdisch-t\u00fcrkische W\u00f6rterb\u00fccher, die von den Familien mitgebracht und per Post verschickt wurden, transportierten die H\u00e4ftlinge,<\/p><p>Im Gef\u00e4ngnis von D\u00fczce<\/p><p>Andersdenkende B\u00fccher und Ver\u00f6ffentlichungen sowie alle B\u00fccher, die nicht den \u201cgesehenen\u201d Stempel eines anderen Gef\u00e4ngnisses tragen<\/p><p>In Denizli-Gef\u00e4ngnis Typ T<\/p><p>Das \u201eHandbuch der Rechte von Gefangenen\u201d, das von der Vereinigung der Zivilgesellschaft im Strafvollzugssystem unter Mitwirkung der t\u00fcrkischen Institution f\u00fcr Menschenrechtsgleichheit und der Europ\u00e4ischen Union erstellt wurde und in dem die Rechte von Gefangenen erl\u00e4utert werden und erkl\u00e4rt wird, was sie im Falle einer Verletzung tun sollten.<\/p><p>Im Gef\u00e4ngnis von Kocaeli Typ T<\/p><p>Das Gebetbuch und das Lehrbuch f\u00fcr den Beruf wurden der Person namens A.C. nicht \u00fcbergeben.<\/p><p>Wie aus den in den Medien wiedergegebenen Nachrichten zu entnehmen ist, verh\u00e4ngen Gef\u00e4ngnisverwaltungen aus verschiedenen Gr\u00fcnden B\u00fccherverbote.<\/p><h1><a name=\"_Toc229134219\"><\/a>VIII. Rechtlicher Status<\/h1><p>Laut Artikel 15 der t\u00fcrkischen Verfassung ist die Aussetzung von f\u00fcnf Rechten in Form des Rechts auf Leben, des Verbots von Folter und Misshandlung, des Grundsatzes, dass die \u00c4u\u00dferung von Religion, Gewissen, Gedanken und \u00dcberzeugungen nicht erzwungen und nicht verurteilt werden darf, des Grundsatzes der Nichtr\u00fcckwirkung von Verbrechen und Strafen und der Unschuldsvermutung verboten. Nach den Bestimmungen dieses Artikels kann eine Person auch im Falle von Krieg, Mobilmachung, Kriegsrecht oder Notstand nicht gezwungen werden, ihre Gedanken und Meinungen zu \u00e4u\u00dfern, und sie kann nicht daf\u00fcr angeklagt werden.<\/p><p>Artikel 25 der Verfassung mit dem Titel \u201eGedanken- und Meinungsfreiheit\u201d enth\u00e4lt keinen Grund f\u00fcr eine Einschr\u00e4nkung der Meinungsfreiheit. Sie kann daher nicht durch eine besondere Ma\u00dfnahme eingeschr\u00e4nkt werden.<\/p><p>Obwohl es m\u00f6glich ist, Verpflichtungen in Bezug auf bestimmte Rechte in verwaltungstechnischen Dringlichkeitsverfahren auszusetzen, kann ein solcher Schritt gem\u00e4\u00df Artikel 15 der EMRK nur \u201ein dem durch die Umst\u00e4nde gebotenen Ma\u00dfe\u201d erfolgen.<\/p><p>Gem\u00e4\u00df Artikel 30 der Verfassung, der den Schutz der Medienwerkzeuge regelt (ge\u00e4ndert: 7\/5\/2004-5170\/4 Art.), \u201ek\u00f6nnen die Druckerei und ihre Nebengeb\u00e4ude sowie die Pressewerkzeuge, die gem\u00e4\u00df dem Gesetz als Presseunternehmen eingerichtet wurden, nicht mit der Begr\u00fcndung beschlagnahmt, eingezogen oder am Betrieb gehindert werden, dass sie Werkzeuge des Verbrechens sind.\u201d In Artikel 31, der das Recht auf Nutzung von Nicht-Pressemassenmedien in den H\u00e4nden von juristischen Personen des \u00f6ffentlichen Rechts regelt, hei\u00dft es: \u201eEinzelpersonen und politische Parteien haben das Recht auf Nutzung von Nicht-Pressemassenmedien und Rundfunkger\u00e4ten im Besitz von juristischen Personen des \u00f6ffentlichen Rechts. Die Bedingungen und Verfahren f\u00fcr diese Nutzung sind gesetzlich geregelt. (Ge\u00e4ndert: 3\/10\/2001-4709\/11 Art.) Das Gesetz darf keine Beschr\u00e4nkungen auferlegen, die die \u00d6ffentlichkeit daran hindern, Nachrichten zu erhalten, Gedanken und Meinungen zu \u00e4u\u00dfern und sich frei eine \u00f6ffentliche Meinung zu bilden, au\u00dfer aus Gr\u00fcnden der nationalen Sicherheit, der \u00f6ffentlichen Ordnung, der \u00f6ffentlichen Moral und des Gesundheitsschutzes. \u201c<\/p><p>Bei Verst\u00f6\u00dfen gegen das Recht auf freie Meinungs\u00e4u\u00dferung und -verbreitung und die Pressefreiheit kann die Pr\u00fcfung bestimmter \u00c4u\u00dferungen durch die Justizbeh\u00f6rden, indem sie aus dem Zusammenhang gerissen werden, zu fehlerhaften Ergebnissen bei der Anwendung der Grunds\u00e4tze der Artikel 13, 26 und 28 der Verfassung f\u00fchren. In diesem Rahmen rechtfertigt die Tatsache, dass eine Meinungs\u00e4u\u00dferung eine Gefahr f\u00fcr die \u201enationale Sicherheit\u201d darstellt, wenn sie aus dem Kontext, in dem sie ge\u00e4u\u00dfert wurde, herausgel\u00f6st wird, f\u00fcr sich allein noch keinen Eingriff in diese \u00c4u\u00dferung. In der st\u00e4ndigen Rechtsprechung des EGMR hat das Gericht stets betont, dass es angebracht ist, die in den Worten und \u00c4u\u00dferungen verwendeten Begriffe und den Kontext, in dem sie geschrieben wurden, zu ber\u00fccksichtigen, um festzustellen, ob die Worte oder Texte im Zusammenhang mit den Meinungs\u00e4u\u00dferungen in ihrer Gesamtheit zu Gewalt aufrufen. (\u00d6zg\u00fcr G\u00fcndem\/T\u00fcrkiye, B. Nr.: 23144\/93, 16.3.2000 S 63; S\u00fcre\/T\u00fcrkiye, B. Nr.: 24762\/94, 8.7.1999 S 12, 58)<\/p><p>Einer der Faktoren, die eine ordnungsgem\u00e4\u00dfe Rechtspflege gew\u00e4hrleisten, ist, dass die Gerichte ihre Entscheidungen ausreichend begr\u00fcnden. In der Begr\u00fcndung von Artikel 141 der Verfassung hei\u00dft es: \u201eEs ist wichtig, die Grundlage der Entscheidung klar genug zu benennen, um die Kontrolle der Fairness zu gew\u00e4hrleisten\u201d. Eine weitere Grundlage f\u00fcr die Verpflichtung, eine begr\u00fcndete Entscheidung zu treffen, besteht darin, dass es f\u00fcr die Parteien wichtig ist, zu wissen, ob die Anspr\u00fcche in \u00dcbereinstimmung mit den Vorschriften gepr\u00fcft wurden, um das Vertrauen in die Gerichte zu gew\u00e4hrleisten.<\/p><p>Der Umfang der Begr\u00fcndungspflicht h\u00e4ngt von der Art der Entscheidung ab, und der Umfang dieser Pflicht kann durch die Bewertung der Umst\u00e4nde des konkreten Falles bestimmt werden. Nach Artikel 141 Absatz 3 der Verfassung sind die Gerichte verpflichtet, ihre Entscheidungen zu begr\u00fcnden.<\/p><p>In der Rechtssache Saliho\u011flu v. T\u00fcrkei (Antrag Nr: 1606\/03 wurde infolge einer Durchsuchung der Antragsteller zu einer dreimonatigen Haftstrafe verurteilt und eine Geldstrafe verh\u00e4ngt aufgrund des Besitzes verbotener Ver\u00f6ffentlichungen. Es ging dabei um die Wochenzeitung \u201eYedinci G\u00fcndem\u201d vom 15. bis 21. September 2001 und die Zeitungsbeilage vom 29. September bis 5. Oktober 2001. Der EGMR vertrat die Auffassung, dass seine von der Verfassung und der EMRK garantierte Informationsfreiheit verletzt worden sei.<\/p><p>Unter den Umst\u00e4nden des vorliegenden Falles stellte der EGMR fest, dass der Antragsteller nicht in einem \u201evern\u00fcnftigen Ausma\u00df\u201d vorhersehen konnte, dass der Besitz von umstrittenen Ver\u00f6ffentlichungen zu einer Strafe nach Artikel 526 des fr\u00fcheren t\u00fcrkischen Strafgesetzbuches f\u00fchren k\u00f6nnte, dass unter diesen Umst\u00e4nden das Erfordernis der Vorhersehbarkeit nicht erf\u00fcllt war, und kam daher zu dem Schluss, dass der Eingriff nicht \u201egesetzlich\u201d vorgeschrieben war, und stellte fest, dass eine Verletzung von Artikel 10 der EMRK vorlag.<\/p><p>Wenn der EGMR den Vorwurf der Verletzung des Rechts auf freie Meinungs\u00e4u\u00dferung pr\u00fcft, m\u00f6chte er untersuchen, ob die \u00c4u\u00dferungen zu Gewalt oder Rebellion aufrufen oder ob es sich um Hassreden handelt. Auch hier sollten bei der Bewertung der Erkl\u00e4rungen zur Meinungs\u00e4u\u00dferung die Umst\u00e4nde ber\u00fccksichtigt werden. (Siehe Urteile S\u00fcrek-T\u00fcrkei, Gerger-T\u00fcrkei)<\/p><p>In Bezug auf die Individualbeschwerde (Antrag Nr. 2013\/409), die Abdullah \u00d6calan beim Verfassungsgerichtshof eingereicht hat, mit der Begr\u00fcndung, dass die Artikel 25, 26, 90 und 141 der Verfassung verletzt wurden, als sein Buch in gedruckter Form beschlagnahmt wurde, entschied das Verfassungsgerichts vom 25.06.2014, dass die in den Artikeln 26 und 28 der Verfassung garantierte Freiheit der Meinungs\u00e4u\u00dferung und Gedankenverbreitung des Antragstellers sowie die Pressefreiheit verletzt wurden.<\/p><p>In der Begr\u00fcndung der entsprechenden Entscheidung hei\u00dft es: \u201eEs ist klar, dass durch die Beschlagnahme und Vernichtung des fraglichen Buches ein Eingriff in die Meinungs- und Verbreitungsfreiheit des Kl\u00e4gers stattgefunden hat. Andererseits ist die Freiheit der Presse, Nachrichten, Gedanken und Informationen frei und ohne vorherige Kontrolle ver\u00f6ffentlichen zu k\u00f6nnen, ein wesentlicher Bestandteil der Pressefreiheit, ebenso wie die freie Verbreitung von Druckwerken. Aus diesem Grund wurde in das Verbot der Verbreitung des Druckwerks und dessen Beschlagnahme sowie in die Freiheit der Meinungs\u00e4u\u00dferung und Gedankenverbreitung und in diesem Rahmen in die Pressefreiheit eingegriffen. Bei der Pr\u00fcfung des Buches in seiner Gesamtheit wurde es nach der Auffassung des Antragstellers nicht als Anstiftung und Ermutigung zu terroristischen Methoden, d. h. zur Gewaltanwendung, zum Hass, zur Rache oder zum bewaffneten Widerstand, oder als Lobpreisung der Gewalt bewertet. Im Gegenteil, in einem Umfeld, in dem es seit einiger Zeit keine bewaffneten Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskr\u00e4ften mehr gibt, analysiert der Antragsteller die kurdische Frage aus seiner eigenen Perspektive, fordert ein Ende des bewaffneten Konflikts und eine Einigung auf eine demokratische L\u00f6sung. Es ist anzumerken, dass die Beh\u00f6rden, die \u00f6ffentliche Gewalt aus\u00fcben, einen sehr engen Ermessensspielraum haben, wenn es darum geht, politische \u00c4u\u00dferungen von \u00f6ffentlichem Interesse oder Diskussionen \u00fcber soziale Probleme, wie die vom Antragsteller in dem Buch aufgeworfenen Fragen, zu begrenzen. F\u00fcr die Beh\u00f6rden oder einen Teil der Gesellschaft unangenehme Gedanken k\u00f6nnen nicht eingeschr\u00e4nkt werden, es sei denn, sie rufen zu Gewalt auf, rechtfertigen terroristische Handlungen und unterst\u00fctzen die Erzeugung von Hass (siehe S. 105). Aus diesem Grund wurde der Schluss gezogen, dass die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Beschlagnahme des Buches, das Gegenstand des Antrags war, in der freien Meinungs\u00e4u\u00dferung und -verbreitung des Kl\u00e4gers lagen, und dass in diesem Zusammenhang der Eingriff in die Pressefreiheit in einer demokratischen Gesellschaft nicht notwendig und verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig war. In Anbetracht der vorgenannten Punkte wurde der Schluss gezogen, dass die Sammlung der fraglichen B\u00fccher und die Vernichtung eines Teils der gesammelten B\u00fccher ohne Einhaltung des gesetzlich vorgeschriebenen Verfahrens auf der Grundlage des Beschlagnahmebeschlusses als Schutzma\u00dfnahme im Hinblick auf die angestrebten Ziele unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig ist und in diesem Zusammenhang in einer demokratischen Gesellschaft nicht erforderlich ist und nicht dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit entspricht. Aus diesen Gr\u00fcnden ist festzustellen, dass die in den Artikeln 26 und 28 der Verfassung garantierte Meinungs- und Verbreitungsfreiheit des Kl\u00e4gers sowie die Pressefreiheit verletzt worden sind.\u201c<\/p><p>Dieses Urteil zeigt eindeutig, dass bei den Verst\u00f6\u00dfen nach dem 15. Juli, die Gegenstand des Berichts sind, alle vom Verfassungsgericht, der h\u00f6chsten Instanz des innerstaatlichen Rechts, zugrunde gelegten rechtlichen Kriterien ignoriert wurden.<\/p><h1><a name=\"_Toc229134220\"><\/a>IX. Schlussfolgerung<\/h1><p>Ideen und Gedanken k\u00f6nnen nicht eingeschr\u00e4nkt werden, solange sie nicht zu Gewalt aufrufen, terroristische Handlungen rechtfertigen und die Entstehung von Hass unterst\u00fctzen. Verbotene Ver\u00f6ffentlichungen, die Gegenstand des Berichts sind, fallen in den Bereich der Meinungs- und Verbreitungsfreiheit, die ein Verfassungsrecht ist.<\/p><p>Alle verbotenen Ver\u00f6ffentlichungen haben religi\u00f6se, soziale, historische und kulturelle Inhalte und stellen keine Aufforderung und\/oder Ermutigung zu Zwang und Gewalt dar. Aus diesem Grund besteht kein Zweifel, dass ein Eingriff in die Freiheit der Meinungs\u00e4u\u00dferung und Gedankenverbreitung vorliegt, da der Grund f\u00fcr das Verbot der fraglichen Ver\u00f6ffentlichungen eindeutig rechtswidrig ist.<\/p><p>Die Krise der Meinungsfreiheit steht nun in direktem Zusammenhang mit der Verfassungskrise, die mit der Krise der Rechtsstaatlichkeit in der T\u00fcrkei und der Nichtumsetzung der j\u00fcngsten Entscheidungen des Verfassungsgerichts begann. Daher muss man akzeptieren, dass die L\u00f6sung des Problems darin besteht, so schnell wie m\u00f6glich zur Rechtsstaatlichkeit zur\u00fcckzukehren.<\/p><p>Die Praxis der Bestrafung und Denunziation von Einzelpersonen als Terrorist:innen aufgrund des Besitzes und der Lekt\u00fcre von B\u00fcchern, die nicht zu Gewalt und Ausschreitungen aufrufen, muss sofort eingestellt werden.<\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-ee28c1d elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"ee28c1d\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-9bd6f47\" data-id=\"9bd6f47\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-a338592 elementor-align-center elementor-widget elementor-widget-button\" data-id=\"a338592\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"button.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-button-wrapper\">\n\t\t\t\t\t<a class=\"elementor-button elementor-button-link elementor-size-sm\" href=\"https:\/\/internationaljournalists.org\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Verbotene-Bucher.pdf\">\n\t\t\t\t\t\t<span class=\"elementor-button-content-wrapper\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<span class=\"elementor-button-text\">Herunterladen<\/span>\n\t\t\t\t\t<\/span>\n\t\t\t\t\t<\/a>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inhaltsverzeichnis I. 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