{"id":47497,"date":"2026-05-17T00:38:33","date_gmt":"2026-05-16T22:38:33","guid":{"rendered":"https:\/\/internationaljournalists.org\/?page_id=47497"},"modified":"2026-05-18T09:33:32","modified_gmt":"2026-05-18T07:33:32","slug":"konfiszierung-des-eigentums-von-journalisten","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/internationaljournalists.org\/de\/konfiszierung-des-eigentums-von-journalisten\/","title":{"rendered":"Konfiszierung des Eigentums von Journalisten"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-page\" data-elementor-id=\"47497\" class=\"elementor elementor-47497 elementor-47485\" data-elementor-post-type=\"page\">\n\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-f260526 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"f260526\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-dc6b738\" data-id=\"dc6b738\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-3b4e949 elementor-toc--minimized-on-tablet elementor-widget elementor-widget-table-of-contents\" data-id=\"3b4e949\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-settings=\"{&quot;headings_by_tags&quot;:[&quot;h1&quot;,&quot;h2&quot;,&quot;h3&quot;,&quot;h4&quot;,&quot;h5&quot;,&quot;h6&quot;],&quot;exclude_headings_by_selector&quot;:&quot;#footer&quot;,&quot;marker_view&quot;:&quot;bullets&quot;,&quot;icon&quot;:{&quot;value&quot;:&quot;&quot;,&quot;library&quot;:&quot;&quot;},&quot;no_headings_message&quot;:&quot;Es wurden keine \\u00dcberschriften auf dieser Seite gefunden.&quot;,&quot;minimize_box&quot;:&quot;yes&quot;,&quot;minimized_on&quot;:&quot;tablet&quot;,&quot;hierarchical_view&quot;:&quot;yes&quot;,&quot;min_height&quot;:{&quot;unit&quot;:&quot;px&quot;,&quot;size&quot;:&quot;&quot;,&quot;sizes&quot;:[]},&quot;min_height_tablet&quot;:{&quot;unit&quot;:&quot;px&quot;,&quot;size&quot;:&quot;&quot;,&quot;sizes&quot;:[]},&quot;min_height_mobile&quot;:{&quot;unit&quot;:&quot;px&quot;,&quot;size&quot;:&quot;&quot;,&quot;sizes&quot;:[]}}\" data-widget_type=\"table-of-contents.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-toc__header\">\n\t\t\t\t\t\t<h2 class=\"elementor-toc__header-title\">\n\t\t\t\tInhaltsverzeichnis\t\t\t<\/h2>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-toc__toggle-button elementor-toc__toggle-button--expand\" role=\"button\" tabindex=\"0\" aria-controls=\"elementor-toc__3b4e949\" aria-expanded=\"true\" aria-label=\"Inhaltsverzeichnis \u00f6ffnen\"><i aria-hidden=\"true\" class=\"fas fa-chevron-down\"><\/i><\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-toc__toggle-button elementor-toc__toggle-button--collapse\" role=\"button\" tabindex=\"0\" aria-controls=\"elementor-toc__3b4e949\" aria-expanded=\"true\" aria-label=\"Inhaltsverzeichnis schlie\u00dfen\"><i aria-hidden=\"true\" class=\"fas fa-chevron-up\"><\/i><\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<div id=\"elementor-toc__3b4e949\" class=\"elementor-toc__body\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-toc__spinner-container\">\n\t\t\t\t<i class=\"elementor-toc__spinner eicon-animation-spin eicon-loading\" aria-hidden=\"true\"><\/i>\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-797bb2f elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"797bb2f\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-7e7e808\" data-id=\"7e7e808\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-b3780f7 elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"b3780f7\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<h1><a name=\"_Toc229137722\"><\/a>I<a name=\"_Toc228741855\"><\/a>.Einleitung<\/h1><ol><li>Dieses Handbuch steht im Zusammenhang mit dem Missbrauch von Antiterrorgesetzen und ihren Instrumenten durch die t\u00fcrkische Regierung, die eigentlich zur Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung eingesetzt werden sollten. Seit 2014, dem Jahr, in dem eine regierungsnahe Gruppe namens \u201eEinheit in der Justiz\u201c (1) die Wahl zum Rat der Richter und Staatsanw\u00e4lte gewann, haben die t\u00fcrkischen Beh\u00f6rden die \u00fcberm\u00e4\u00dfig weit gefassten Antiterrorgesetze des Landes immer wieder aus politischen Gr\u00fcnden missbraucht. Diese Praxis erreichte nach dem Putschversuch von 2016 ihren H\u00f6hepunkt. W\u00e4hrend des darauffolgenden Ausnahmezustands, bei dem gegen mehr als 1,5 Millionen Personen strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet wurden, wurden 622.646 Personen wegen angeblicher Mitgliedschaft in einer bewaffneten terroristischen Vereinigung strafrechtlich verfolgt, und 301.932 von ihnen wurden von der Polizei festgenommen. (2) Nach den Statistiken des t\u00fcrkischen Justizministeriums hat die Anwendung der wichtigsten Antiterrorbestimmung, n\u00e4mlich Art. 314 des t\u00fcrkischen Strafgesetzbuchs (tStGB), durch die Staatsanw\u00e4lte des Landes im Laufe der Zeit immer mehr zugenommen. Aus diesen Statistiken geht hervor, dass die t\u00fcrkischen Staatsanw\u00e4lte zwischen 2013 und 2020 insgesamt mehr als 420.000 Anklagen nach Art. 314 tStGB erhoben haben und dass zwischen 2016 und 2020 mehr als 265.000 Personen auf Grundlage dieses Artikels verurteilt worden sind. (3)<\/li><li>In einer Entscheidung aus dem Jahr 2020 stellte die Gro\u00dfe Kammer des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs f\u00fcr Menschenrechte fest, dass es dieser Bestimmung an Rechtsqualit\u00e4t mangele und sie nicht vorhersehbar sei. (4) Durch diese eklatante Menschenrechtsverletzung wurden nicht nur die Freiheitsrechte verletzt, sondern auch das Eigentumsrecht von Hunderttausenden von Menschen, sowohl durch administrative als auch gerichtliche Ma\u00dfnahmen. Einem Bericht mit dem Titel \u201eThe Erosion of Property Rights in Turkey\u201c zufolge wurden nach 2016 unter dem Vorwand der Terrorismusbek\u00e4mpfung Verm\u00f6genswerte in H\u00f6he von insgesamt 32 Milliarden US-Dollar beschlagnahmt oder von der Regierung \u00fcbernommen. (5) Unter demselben Vorwand wurden auf Antrag der Exekutive oder der Justiz insgesamt 213.696 Immobilien eingefroren. (6)<\/li><\/ol><h1><a name=\"_Toc228741856\"><\/a>II.Grenz\u00fcberschreitende Repressionskampagne der t\u00fcrkischen Regierung<\/h1><ol><li>Laut Freedom House wird das Ph\u00e4nomen transnationale Unterdr\u00fcckung zur neuen \u201eNormalit\u00e4t\u201c. Es bedeutet, dass autorit\u00e4re Staaten \u00fcber nationale Grenzen hinweg versuchen, abweichende Meinungen in der Diaspora und in Exilgemeinschaften zum Schweigen zu bringen. (7) Der Staat beschuldigt bei solchen Kampagnen immer wieder Personen, die eigentlich das Ziel von Terrorismus sind. Laut Freedom House beschuldigten die Staaten in 58 % der 689 F\u00e4lle von grenz\u00fcberschreitender Unterdr\u00fcckung die Opfer des Terrorismus. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass die Staaten vier Haupttaktiken angewandt haben: direkte Angriffe, Kooptation anderer L\u00e4nder, Mobilit\u00e4tskontrollen und Drohungen aus der Ferne.<\/li><li>Nach 2016 begann die t\u00fcrkische Regierung mit einer l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Repressionskampagne, \u201edie ihr hartes Vorgehen im Inland widerspiegelt\u201c (8), sodass aufgrund dieses harten Vorgehens selbst diejenigen, die aus dem Land geflohen sind, nicht mehr vor Verfolgung sicher sind. Bis vor Kurzem schloss das ein, dass die T\u00fcrkei Auslieferungsersuche gestellt hat, durch den Missbrauch des Interpol-Meldesystems und der Datenbank f\u00fcr gestohlene und verlorene Reisedokumente die Mobilit\u00e4t kontrolliert sowie illegale \u00dcberstellungen durchgef\u00fchrt hat, entweder allein oder in Zusammenarbeit mit anderen L\u00e4ndern. Seit 2016 steht die Einb\u00fcrgerung von G\u00fclenisten ganz oben auf der internationalen politischen Agenda der T\u00fcrkei, und zu diesem Zweck hat die T\u00fcrkei mehr als 1000 Auslieferungsersuche an 109 L\u00e4nder gestellt. (9) Es gibt jedoch keinen einzigen Fall, in dem die Gerichte eines Landes den Auslieferungsersuchen der T\u00fcrkei stattgegeben hat. Die Gerichte Griechenlands, Deutschlands, des Vereinigten K\u00f6nigreichs, Brasiliens, Rum\u00e4niens, Bosniens, Polens, Montenegros und Schwedens haben Auslieferungsersuche der t\u00fcrkischen Beh\u00f6rden abgelehnt, entweder wegen des politischen Charakters der Anschuldigungen, oder weil eine beiderseitige Strafbarkeit nicht vorliegt oder wegen der Gefahr, dass die Betreffenden in der T\u00fcrkei gefoltert oder misshandelt werden. (10-11) In \u00e4hnlicher Weise hat Interpol bisher \u00fcber 830 \u201eRed Notice\u201c-Ersuchen aus der T\u00fcrkei aufgrund ihres politischen Charakters\/Motivs abgelehnt. (12-13) Dennoch ist es der T\u00fcrkei gelungen, \u00fcber 100 Personen ohne ordnungsgem\u00e4\u00dfes Gerichtsverfahren einzub\u00fcrgern, entweder allein oder in Zusammenarbeit mit anderen L\u00e4ndern, darunter Kenia, Albanien, Aserbaidschan, Afghanistan, Kambodscha, Gabun, Kosovo, Kasachstan, Libanon und Pakistan. (14)<\/li><li>Im Jahr 2021 f\u00fcgte die T\u00fcrkei ihrem Werkzeugkasten f\u00fcr transnationale Repression ein neues Instrument hinzu: die Instrumentalisierung internationaler Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung der Terrorfinanzierung. Dies wird in den folgenden Abschnitten im Detail erl\u00e4utert.<\/li><\/ol><h1><a name=\"_Toc228741857\"><\/a>III. Hintergrundinformationen<\/h1><ol><li>Im Jahr 2011 wurde die T\u00fcrkei von der Financial Actions Task Force (FATF) auf die Graue Liste gesetzt, (15) weil ihr Rechtsrahmen und ihre ineffizienten Praktiken in Bezug auf Geldw\u00e4sche und Terrorismusfinanzierung M\u00e4ngel aufwiesen. Um Abhilfe zu schaffen, erlie\u00df die T\u00fcrkei 2013 das Gesetz zur Verhinderung der Terrorismusfinanzierung (Gesetz Nr. 6415), (16) was 2014 zur Streichung von der Grauen Liste f\u00fchrte.<\/li><li>Im Dezember 2019 warnte die FATF die T\u00fcrkei wegen der Nichteinhaltung mehrerer FATF-Empfehlungen, insbesondere jener, die sich auf das Einfrieren von Verm\u00f6genswerten im Zusammenhang mit Terrorismus und der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen beziehen. (17) Um zu vermeiden, dass sie von der FATF auf die Graue Liste gesetzt wird, \u00e4nderte die T\u00fcrkei im Januar 2021 ihr Gesetz zur Verhinderung der Terrorismusfinanzierung.<\/li><li>Von diesen \u00c4nderungen ist die Bestimmung \u00fcber das \u201eErsuchen an ausl\u00e4ndische Staaten um Einfrieren von Verm\u00f6genswerten und Ma\u00dfnahmen f\u00fcr Verm\u00f6genswerte in der T\u00fcrkei\u201c (Artikel 7 des Gesetzes Nr. 6415) f\u00fcr die vorliegende Handreichung am wichtigsten:<\/li><\/ol><h3><a name=\"_Toc228741858\"><\/a>Ersuchen an ausl\u00e4ndische Staaten um Einfrieren von Verm\u00f6genswerten und Ma\u00dfnahmen f\u00fcr Verm\u00f6genswerte in der T\u00fcrkei<\/h3><p>Artikel 7: (1) (Ge\u00e4ndert: 27.12.2020 \u2013 Art. 7262\/38) Abgesehen von den in den Artikeln 5 und 6 geregelten Themen kann die Bewertungskommission aus begr\u00fcndetem Anlass, der belegt, dass die Person, Institution oder Organisation die in den Artikeln 3 und 4 genannten Handlungen begangen hat, beschlie\u00dfen, dem Pr\u00e4sidenten einen Vorschlag zu unterbreiten, um das Einfrieren ihrer Verm\u00f6genswerte im Ausland zu beantragen.<\/p><p>(2) Die Entscheidung des Pr\u00e4sidenten \u00fcber die an ausl\u00e4ndische Staaten gerichteten Ersuchen um Einfrierung von Verm\u00f6genswerten wird dem ersuchten Staat durch das Au\u00dfenministerium mitgeteilt.<\/p><p>(3) (Hinzugef\u00fcgt: 27.12.2020 \u2013 Art. 7262\/38) Abgesehen von den in den Artikeln 5 und 6 geregelten Themen k\u00f6nnen die Finanz- und Innenminister auf Vorschlag der Bewertungskommission aus begr\u00fcndetem Anlass gemeinsam beschlie\u00dfen, Verm\u00f6genswerte von Personen, Institutionen oder Organisationen, die die in den Artikeln 3 und 4 genannten Handlungen begangen haben, nach ihrer gerichtlichen Verurteilung als terroristische Organisation mit Sitz in der T\u00fcrkei einzufrieren oder, sofern der begr\u00fcndete Anlass nicht mehr besteht, das Einfrieren dieser Verm\u00f6genswerte aufzuheben.<\/p><p>(4) (Hinzugef\u00fcgt: 27.12.2020 \u2013 Art. 7262\/38) Der Beschluss \u00fcber das Einfrieren von Verm\u00f6genswerten, der gem\u00e4\u00df Absatz 3 gefasst wurde, wird unverz\u00fcglich umgesetzt und sp\u00e4testens nach 48 Stunden dem vom Rat der Richter und Staatsanw\u00e4lte zu benennenden Staatsgerichtshof in Ankara zur Genehmigung vorgelegt. Das Gericht entscheidet innerhalb von f\u00fcnf Tagen nach Pr\u00fcfung des Vorliegens eines begr\u00fcndeten Anlasses, ob der Beschluss \u00fcber das Einfrieren von Verm\u00f6genswerten aufrechtzuerhalten oder aufzuheben ist, und teilt seine Entscheidung der Ermittlungsbeh\u00f6rde f\u00fcr Finanzkriminalit\u00e4t MASAK mit. Gegen die Entscheidung des Gerichts kann nach den Bestimmungen der Strafprozessordnung ein Rechtsmittel eingelegt werden.<\/p><p>(5) (Hinzugef\u00fcgt: 27.12.2020 \u2013 Art. 7262\/38) Die Bewertungskommission pr\u00fcft ab der Ver\u00f6ffentlichung des Beschlusses zum Einfrieren von in der T\u00fcrkei befindlichen Verm\u00f6genswerten im Amtsblatt alle sechs Monate das Vorliegen des begr\u00fcndeten Anlasses und unterbreitet den zust\u00e4ndigen Ministern ihren Vorschlag.<\/p><p>(6) (Hinzugef\u00fcgt: 27.12.2020 \u2013 Art. 7262\/38) Antr\u00e4ge der betroffenen Personen auf Aufhebung eines Beschlusses zum Einfrieren von Verm\u00f6genswerten sind an die Bewertungskommission zu richten. Die Kommission unterbreitet den zust\u00e4ndigen Ministern ihre Vorschl\u00e4ge zu den Antr\u00e4gen. Antr\u00e4ge, die als unzul\u00e4ssig erachtet werden, werden gem\u00e4\u00df Absatz 4 zur Pr\u00fcfung an das zust\u00e4ndige Gericht verwiesen.<\/p><p>(7) (Hinzugef\u00fcgt: 27.12.2020 \u2013 Art. 7262\/38) In einem Fall, in dem gem\u00e4\u00df Absatz 3 eine Entscheidung \u00fcber das Einfrieren von Verm\u00f6genswerten, die sich in der T\u00fcrkei befinden, getroffen wird, entscheidet die MASAK, ob Anklage mit einem Antrag auf Einleitung von Ermittlungen gegen die betreffenden Personen gem\u00e4\u00df der Strafprozessordnung erhoben werden soll. Die im Anschluss an eine Ermittlung oder Strafverfolgung ergangenen Entscheidungen werden der MASAK zur Vorlage bei der Bewertungskommission \u00fcbermittelt.<\/p><ol><li>Nach dieser \u00c4nderung erlie\u00df die Regierung im April 2021 ein Dekret \u00fcber das Einfrieren von Verm\u00f6genswerten f\u00fcr 377 Personen. Von diesen 377 Personen werden 205 mit der G\u00fclen-Bewegung in Verbindung gebracht, die \u00fcbrigen 172 mit der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), der Revolution\u00e4ren Volksbefreiungspartei\/-front (DHKP\/C) und dem IS. (18) Im November 2021 setzte die FATF die T\u00fcrkei jedoch erneut auf ihre Graue Liste, und der FATF-Vorsitzende sagte: \u201eDie T\u00fcrkei muss zeigen, dass sie komplexe F\u00e4lle von Geldw\u00e4sche wirksam angeht, dass sie die Verfolgung von Terrorismusfinanzierung betreibt &#8230; und F\u00e4llen den Vorrang einr\u00e4umt, bei denen es um von den Vereinten Nationen benannte Terrororganisationen wie den IS und Al-Qaida geht\u201c, und f\u00fcgte hinzu, dass die FATF sich der Besorgnis von Menschenrechtsorganisationen \u00fcber die Behandlung der t\u00fcrkischen Zivilgesellschaft bewusst sei. (19) Im Dezember 2021 verabschiedete die T\u00fcrkei ein weiteres Dekret zum Einfrieren von Verm\u00f6genswerten, das 770 nat\u00fcrliche und juristische Personen (20-21) betrifft, von denen 455 mit der G\u00fclen-Bewegung in Verbindung stehen.<\/li><\/ol><h1><a name=\"_Toc228741859\"><\/a>IV. \u00dcberblick \u00fcber die Beschl\u00fcsse von April und Dezember 2021 zum Einfrieren von Verm\u00f6genswerten<\/h1><ol><li>Diese beiden Beschl\u00fcsse richteten sich gegen die G\u00fclen-Bewegung, die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei\/-front (DHKP\/C) und den IS. W\u00e4hrend PKK, DHKP\/C und IS international als terroristische Organisationen eingestuft werden, gibt es au\u00dfer der T\u00fcrkei kein Land, das die G\u00fclen-Bewegung als terroristische Organisation betrachtet. Dennoch wurden von den 1147 Personen, die ins Visier genommen wurden, 670 wegen ihrer angeblichen Zugeh\u00f6rigkeit zur G\u00fclen-Bewegung zur Zielscheibe. Unter diesen 670 Personen befanden sich Journalisten, Akademiker, Schriftsteller, Lehrer und Rechtsanw\u00e4lte, von denen die meisten aufgrund der politisch motivierten Verfolgung durch die t\u00fcrkische Regierung in demokratischen westlichen L\u00e4ndern Asyl erhalten haben. Das zweite Dekret vom 20. Dezember 2021 richtete sich beispielsweise gegen 34 Journalisten, die Mitglieder der Internationalen Journalisten-F\u00f6deration mit Sitz in Br\u00fcssel sind. Von diesen 34 Journalisten \u00fcben 22 noch immer ihren Beruf im Ausland aus. Die betroffenen Journalisten leben derzeit in den USA, Deutschland, den Niederlanden, dem Vereinigten K\u00f6nigreich, Schweden und Kanada. Das erste Dekret vom 7. April 2021 zielte auch auf im Ausland lebende Journalisten, Kolumnisten, Autoren und Akademiker ab.<\/li><li>Diese ins Visier genommenen Journalisten sind lautstarke Kritiker der t\u00fcrkischen Regierung und dokumentieren auch Menschenrechtsverletzungen und Korruptionsf\u00e4lle in der T\u00fcrkei. Der Journalist Cevheri G\u00fcven zum Beispiel, der 450.000 Abonnenten seines YouTube-Kanals und 222.000 Follower auf Twitter hat, berichtet ausf\u00fchrlich \u00fcber Folter, willk\u00fcrliche Inhaftierungen und Korruptionsf\u00e4lle in der T\u00fcrkei. Auch die Journalistin Sevin\u00e7 \u00d6zarslan von Bold Media (mit 385.000 Abonnenten bei YouTube) berichtet \u00fcber Folter und die Inhaftierung von Frauen. Der in den Niederlanden lebende Journalist Basri Do\u011fan, der 2020 mit dem K\u00f6niglichen Orden der Niederlande ausgezeichnet wurde, ist einer der Journalisten, die ins Visier genommen wurden. (22) Der Journalist Mehmet Cerit, Chefredakteur der niederl\u00e4ndischen Zeitung De Kranttekening, wurde ebenfalls zur Zielscheibe der t\u00fcrkischen Regierung. (23) Gegenw\u00e4rtig geh\u00f6rt der in Schweden lebende Journalist und Chefredakteur des Nordic Monitor, Abdullah Bozkurt, (24) der \u00fcber die Radikalisierung in der T\u00fcrkei und die Beziehungen der t\u00fcrkischen Regierung zu dschihadistischen Gruppen berichtet und 2020 ebenfalls Opfer eines t\u00e4tlichen Angriffs wurde, (25) zu den Personen, gegen die das Dekret vom 20. Dezember 2021 gerichtet ist. Ein weiterer Nordic-Monitor-Journalist, Levent Kenez, dessen Auslieferungsantrag von der T\u00fcrkei vor Kurzem von den schwedischen Gerichten aufgrund seines politischen Charakters und mangelnder Begr\u00fcndetheit abgelehnt wurde, (26) geh\u00f6rt ebenfalls zu den Personen, die von dem Erlass vom 20. Dezember 2021 betroffen sind. Ein weiterer, derzeit in Schweden lebender Journalist und Akademiker, B\u00fclent Kene\u015f, der ein Buch mit dem Titel \u201eA Genocide in the Making\u201c (Ein V\u00f6lkermord im Entstehen) verfasst hat, ist ebenfalls ins Visier der t\u00fcrkischen Regierung geraten.<\/li><\/ol><h1><a name=\"_Toc228741860\"><\/a>V. Zweck des Beschlusses \u00fcber das Einfrieren von Verm\u00f6genswerten vom April und Dezember 2021<\/h1><ol><li>Die finanzielle Unterdr\u00fcckung von Journalisten und anderen Regierungskritikern geh\u00f6rt seit Langem zum Repressionsinstrumentarium der t\u00fcrkischen Regierung. Im Dezember 2016 froren Istanbuler Friedensstrafrichter in einem einzigen Beschluss das Verm\u00f6gen von 54 Journalisten ein. (27) Wie bereits erw\u00e4hnt, wurden unter dem Vorwand der Terrorismusbek\u00e4mpfung Verm\u00f6genswerte in H\u00f6he von insgesamt 32 Mrd. USD beschlagnahmt oder von der Regierung \u00fcbernommen, und insgesamt 213.696 Immobilien wurden auf Antrag der Exekutive oder der Justiz unter demselben Vorwand eingefroren. (28) Durch einen Verwaltungserlass wurden nun dieselben Journalisten, gegen die sich die Anordnung des Istanbuler Friedensgerichts vom Dezember 2016 richtete, ins Visier genommen. Da ihr gesamtes Verm\u00f6gen in der T\u00fcrkei bereits beschlagnahmt oder eingefroren worden war, bestand keine Notwendigkeit f\u00fcr einen Verwaltungserlass, der dasselbe anordnet. Es ist offensichtlich, dass die beiden betreffenden Verwaltungserlasse von 2021 darauf abzielen, Journalisten im Ausland zu verfolgen, indem man sich den internationalen Mechanismus zur Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung zunutze machte.<\/li><\/ol><h2><a name=\"_Toc228741861\"><\/a>a. \u00c4nderung von Artikel 7 des Gesetzes Nr. 6415<\/h2><ol><li>Mit dieser \u00c4nderung vom 27. Dezember 2020 hat die T\u00fcrkei einen neuen Mechanismus eingef\u00fchrt, um Ersuchen um das Einfrieren von Verm\u00f6genswerten an das Ausland zu stellen.<\/li><\/ol><p>Artikel 7: (1) (Ge\u00e4ndert: 27.12.2020 \u2013 Art. 7262\/38) Abgesehen von den in den Artikeln 5 und 6 geregelten Themen kann die Bewertungskommission aus begr\u00fcndetem Anlass, der belegt, dass die Person, Institution oder Organisation die in den Artikeln 3 und 4 genannten Handlungen begangen hat, beschlie\u00dfen, dem Pr\u00e4sidenten einen Vorschlag zu unterbreiten, um das Einfrieren ihrer Verm\u00f6genswerte im Ausland zu beantragen.<\/p><p>(2) Die Entscheidung des Pr\u00e4sidenten \u00fcber die an ausl\u00e4ndische Staaten gerichteten Ersuchen um Einfrierung von Verm\u00f6genswerten wird dem ersuchten Staat durch das Au\u00dfenministerium mitgeteilt.<\/p><ol><li>Dieser neue Verwaltungsmechanismus zeigt die klare Absicht der t\u00fcrkischen Regierung, im Ausland lebende Personen ins Visier zu nehmen. Sie hat daher zwei Dekrete gegen im Ausland lebende Personen erlassen, deren Verm\u00f6gen in der T\u00fcrkei bereits von den Justizbeh\u00f6rden beschlagnahmt wurde (siehe \u00a7 12, \u00a7\u00a7 18\u201322).<\/li><\/ol><h2><a name=\"_Toc228741862\"><\/a>b. Einflussnahme auf ausl\u00e4ndische Finanzinstitutionen und Financial Intelligence Units<\/h2><ol><li>Es gibt 54 Banken in der T\u00fcrkei, darunter 21 ausl\u00e4ndische Banken. (29) Au\u00dferdem gibt es 27 zugelassene Zahlungsinstitute (30) und 29 zugelassene E-Geld-Institute. (31) Sie alle unterliegen den t\u00fcrkischen Gesetzen und Vorschriften und werden von der Beh\u00f6rde f\u00fcr Bankenregulierung und Bankenaufsicht (BDDK), der Zentralbank und der Ermittlungsbeh\u00f6rde f\u00fcr Finanzkriminalit\u00e4t (MASAK) kontrolliert. (32)<\/li><li>Es gibt auch mehrere multinationale Financial Intelligence Units und Due-Diligence-Unternehmen, die Niederlassungen in der T\u00fcrkei haben. So haben beispielsweise multinationale Unternehmen wie Refinitiv World-Check und LexisNexis Niederlassungen oder Partner in der T\u00fcrkei, die Daten, einschlie\u00dflich personenbezogener Daten von Einzelpersonen, sammeln, verarbeiten und an ihre Kunden in der ganzen Welt weitergeben.<\/li><li>Auf diese Weise gelangen Daten \u00fcber politische Verfolgungsma\u00dfnahmen der t\u00fcrkischen Beh\u00f6rden gegen ihre Kritiker in die Datenbanken dieser Banken und Unternehmen, werden ins Ausland \u00fcbermittelt und k\u00f6nnen in Datenbanken im Ausland aufgenommen werden. Dieser Sachverhalt wird im Folgenden anhand realer Vorf\u00e4lle n\u00e4her erl\u00e4utert (siehe \u00a7\u00a718\u201322).<\/li><\/ol><h1><a name=\"_Toc228741863\"><\/a>VI. Ergebnisse einer f\u00fcr diesen Bericht durchgef\u00fchrten Umfrage: Folgen des Beschlusses \u00fcber das Einfrieren von Verm\u00f6genswerten im April und Dezember 2021<\/h1><ol><li>Im Rahmen dieses Berichts haben wir eine Umfrage unter 34 Personen durchgef\u00fchrt, die von der Anwendung der beiden genannten Dekrete betroffen sind und derzeit im Ausland leben. Darunter sind 13 Akademiker, 6 Journalisten im Exil, 2 Menschenrechtsverteidiger (Mitarbeiter von Menschenrechts-NGOs), 1 Rechtsanwalt, 2 Studenten und 10 Personen aus anderen Berufen. 20 sind als politische Fl\u00fcchtlinge anerkannt, 10 sind Einwanderer, die aus Angst vor politischer Verfolgung im Ausland leben, 4 haben die doppelte Staatsb\u00fcrgerschaft. 17 leben in der Europ\u00e4ischen Union, 9 im Vereinigten K\u00f6nigreich und 8 in den USA und Kanada.<\/li><li>Von den 34 Teilnehmern der Umfrage haben 17 kein Verm\u00f6gen in der T\u00fcrkei, die anderen 17 schon. Gegen 12 dieser 17, die \u00fcber Verm\u00f6gen in der T\u00fcrkei verf\u00fcgen, wurden bereits durch richterliche Anordnungen Ma\u00dfnahmen zum Einfrieren von Verm\u00f6genswerten ergriffen. W\u00fcrde der Zweck dieser Ma\u00dfnahmen nicht darin bestehen, sie im Ausland ins Visier zu nehmen, best\u00fcnde kein Anlass, auf 29 der 34 Teilnehmer Ma\u00dfnahmen auf Grundlage dieser Erlasse anzuwenden, da diese Personen entweder kein Verm\u00f6gen in der T\u00fcrkei haben oder deren Verm\u00f6genswerte bereits durch richterliche Beschl\u00fcsse eingefroren worden sind.<\/li><li>19 Teilnehmer gaben an, dass sie unmittelbar nach dem Bekanntwerden des entsprechenden Dekrets mit einem oder mehreren negativen Konsequenzen konfrontiert wurden. 9 Teilnehmern wurde die Er\u00f6ffnung eines Bankkontos verweigert, die Bankkonten von 3 Teilnehmern wurden von ihren Banken aufgel\u00f6st, die Kreditkarten von 2 Teilnehmern wurden gek\u00fcndigt, und die Konten von 3 Teilnehmern auf Online-Zahlungsplattformen wurden geschlossen. Die deutsche Zeitung Die Welt berichtete, dass die Deutsche Bank die Konten einiger ihrer t\u00fcrkischst\u00e4mmigen Kunden aus demselben Grund geschlossen hatte. (33) Au\u00dferdem verlangten die Banken von 5 Teilnehmern eine Erkl\u00e4rung, um entscheiden zu k\u00f6nnen, ob sie sie als Kunden behalten wollten.<\/li><li>Die meisten Teilnehmer gaben an, dass ihre Bank oder die Online-Zahlungsplattformen auf ihre Namen in Verbindung mit den Dekreten durch die Datenbanken Refinitiv World-Check und LexisNexis aufmerksam wurden. Einige Teilnehmer gaben an, dass die t\u00fcrkische Botschaft in ihrem Land die Banken besuchte und sie \u00fcber die Dekrete informierte.<\/li><li>Diese Ergebnisse zeigen, dass die t\u00fcrkische Regierung Instrumente zur Terrorismusbek\u00e4mpfung einsetzt, um l\u00e4nder\u00fcbergreifende politische Repression zu verschleiern. Noch schlimmer ist, dass es dem t\u00fcrkischen Au\u00dfenministerium zwar nicht gelungen ist, ausl\u00e4ndische Regierungen zu t\u00e4uschen, aber dennoch private Einrichtungen wie Banken und andere Finanzinstitute zu beeinflussen.<\/li><\/ol><h1><a name=\"_Toc228741864\"><\/a>VII. Berichte \u00fcber die \u00c4nderungen des Gesetzes zur Verhinderung von Terrorismusfinanzierung (Gesetz Nr. 6415)<\/h1><h2><a name=\"_Toc228741865\"><\/a>a. Bericht von Amnesty International: Weaponising Counterterrorism | Turkey Exploits Terrorism Financing Assessment to Target Civil Society (34)<\/h2><h3><a name=\"_Toc228741866\"><\/a>23.\u00a0 In dem Bericht hei\u00dft es:<\/h3><p>Mit dem Gesetz Nr. 6415 wurde der Straftatbestand der \u201eFinanzierung des Terrorismus\u201c eingef\u00fchrt und das Einfrieren von Verm\u00f6genswerten vorgesehen, um eine solche Finanzierung zu verhindern. Nach diesem Gesetz ist es unter anderem verboten, Gelder f\u00fcr Handlungen zu sammeln oder bereitzustellen, die als terroristische Straftaten im Rahmen des t\u00fcrkischen Antiterrorgesetzes Nr. 3713 vom 12. April 1991 eingestuft werden. Es gibt keine allgemein g\u00fcltige Definition des Begriffs \u201eTerrorismus\u201c im internationalen Recht, was dazu gef\u00fchrt hat, dass die Staaten ihre eigenen, oft vagen und \u00fcberm\u00e4\u00dfig weit gefassten Definitionen haben. &#8230; Die Konstellation der derzeit in der T\u00fcrkei geltenden Gesetze zur Terrorismusbek\u00e4mpfung enth\u00e4lt unannehmbar weit gefasste Definitionen von \u201eTerrorismus\u201c und \u201eterroristischen Straft\u00e4tern\u201c. Wie die UN-Sonderberichterstatter in der Mitteilung an die Regierung vom 26. August 2020 feststellten, definiert das t\u00fcrkische Recht \u201eTerrorismus\u201c im Sinne politischer Ziele einer Organisation und nicht durch das spezifische Verhalten eines T\u00e4ters, d. h. durch die konkrete Absicht, Tod oder schwere K\u00f6rperverletzung zu verursachen. Ebenso ist es nicht erforderlich, dass eine Person ein schweres Verbrechen gegen den Staat begangen hat, das einen spezifischen, klar z\u00e4hlbaren Schaden verursacht hat, damit eine Person als \u201eterroristischer Straft\u00e4ter\u201c gem\u00e4\u00df Artikel 2 des Antiterrorgesetzes (Gesetz Nr. 3713) gilt. Die Artikel 3 und 4 des Gesetzes Nr. 3713 f\u00fchren vage terroristische Straftaten auf, die nach den einschl\u00e4gigen Artikeln des t\u00fcrkischen Strafgesetzbuchs strafbar sind, so z. B. Artikel 7\/2, der \u201ePropaganda f\u00fcr eine terroristische Organisation\u201c unter Strafe stellt. &#8230; Die Bestimmungen des t\u00fcrkischen Strafgesetzbuchs, die terrorismusbezogene Straftaten unter Strafe stellen, wie z. B. Artikel 314 (Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung), 220\/6 (Begehung einer Straftat im Namen einer terroristischen Vereinigung, ohne deren Mitglied zu sein) und 220\/7 (Unterst\u00fctzung einer terroristischen Vereinigung, ohne deren Mitglied zu sein), werden von den Beh\u00f6rden in der T\u00fcrkei routinem\u00e4\u00dfig dazu verwendet, Personen zu verurteilen, ohne dass eindeutige und \u00fcberzeugende Beweise f\u00fcr die Begehung der angeblichen Straftaten vorliegen. Die Staatsanw\u00e4lte wenden in der Regel keine klaren Kriterien an, die angeben, welche spezifischen Handlungen der angeblichen \u201eUnterst\u00fctzung\u201c einer bewaffneten Gruppe Straftaten darstellen, einschlie\u00dflich einer klaren Angabe, wann eine solche Unterst\u00fctzung an sich eine erkennbare Straftat ist oder wann sie direkt mit der Planung oder Begehung einer erkennbaren Straftat verbunden sein muss. In den meisten F\u00e4llen legen die Staatsanw\u00e4lte weder Beweise vor, die eine Verbindung zu einer terroristischen Vereinigung belegen, noch versuchen sie zu beweisen, dass der Beschuldigte eine Straftat begangen hat, die den Tatbestand der \u201eUnterst\u00fctzung einer terroristischen Vereinigung\u201c erf\u00fcllt. In den letzten f\u00fcnf Jahren ist es, wie die nachstehenden Beispiele sehr gut zeigen, zu gerichtlicher Routine geworden, Personen wegen weit gefasster und nicht definierter terrorismusbezogener Straftaten zu verfolgen und zu verurteilen \u2013 ohne glaubw\u00fcrdige und ausreichende Beweise und allein aufgrund ihrer tats\u00e4chlichen oder vermeintlichen politischen Ansichten.<\/p><ol><li>Derselbe Bericht von Amnesty International unterstrich auch, dass es in der T\u00fcrkei keine Rechtsmittel f\u00fcr die Opfer missbr\u00e4uchlichen Einsatzes von Antiterrorgesetzen durch die t\u00fcrkischen Beh\u00f6rden gibt:<\/li><\/ol><p>Eine unabh\u00e4ngige und unparteiische Justiz ist von grundlegender Bedeutung f\u00fcr die rechtliche Durchsetzbarkeit der Menschenrechte und den Zugang zu wirksamen Rechtsbehelfen. In den letzten Jahren haben die Kontrolle der Exekutive und der politische Einfluss auf die Justiz in der T\u00fcrkei drastisch zugenommen, was die Gerichte dazu veranlasst, routinem\u00e4\u00dfig unbegr\u00fcndete Anklagen zu akzeptieren und Akteure der Zivilgesellschaft zu verfolgen und zu verurteilen, nur weil sie die Regierungspolitik kritisiert haben oder als politische Gegner der Regierung gelten. Durch dieses Ph\u00e4nomen, dass keine Beweise erforderlich sind, wurde die t\u00fcrkische Justiz so weit untergraben, dass jede Vorstellung von einer echten Unabh\u00e4ngigkeit illusorisch ist. Richter und Staatsanw\u00e4lte sind st\u00e4ndig unangemessenem Druck ausgesetzt, da sie Versetzung, Entlassung oder disziplinarische Ma\u00dfnahmen und strafrechtliche Ermittlungen riskieren, wenn sie Entscheidungen treffen, die als regierungsfeindlich gelten. Die T\u00fcrkei steht in der Region des Europarats an zweiter Stelle, was die Zahl der Verst\u00f6\u00dfe bei Urteilen betrifft, die vor den Europ\u00e4ischen Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte gebracht werden. In 85 von 97 Urteilen, die die T\u00fcrkei im Jahr 2020 betrafen, stellte der Europ\u00e4ische Gerichtshof mindestens einen Versto\u00df fest, wobei sich die meisten Verst\u00f6\u00dfe auf Artikel 5 (Recht auf Freiheit und Sicherheit \u2013 16 Urteile), Artikel 6 (Recht auf ein faires Verfahren \u2013 23 Urteile), Artikel 10 (Freiheit der Meinungs\u00e4u\u00dferung \u2013 31 Urteile) und Artikel 11 (die Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit \u2013 11 Urteile) bezogen.<\/p><p>Nach dem Putschversuch 2016 wurde der Ausnahmezustand verh\u00e4ngt, w\u00e4hrend dessen sich die Verfahrensgarantien und der Zugang zu wirksamen innerstaatlichen Rechtsbehelfen in der T\u00fcrkei erheblich verschlechterten. Infolgedessen wurde das Recht auf ein faires Verfahren nach internationalen Standards erheblich untergraben. Auch der Grundsatz der Unschuldsvermutung und das Recht auf einen wirksamen Rechtsbehelf wurden bei der Strafverfolgung und bei Massenentlassungen routinem\u00e4\u00dfig verletzt. Diese Verst\u00f6\u00dfe gegen faire Verfahren dauern bis heute an, da viele der Notstandsma\u00dfnahmen nach dem Ende des Ausnahmezustands im Jahr 2018 in das allgemeine Strafrecht aufgenommen wurden. W\u00e4hrend des Ausnahmezustands 2016\u20132018 wurden mehr als 1300 Vereinigungen und Stiftungen sowie \u00fcber 180 Medien durch Exekutivdekrete wegen nicht n\u00e4her bezeichneter Verbindungen zu \u201eterroristischen\u201c Organisationen dauerhaft geschlossen. &#8230; Solche Exekutivdekrete wurden nur einer oberfl\u00e4chlichen parlamentarischen oder gerichtlichen Pr\u00fcfung unterzogen. Das t\u00fcrkische Verfassungsgericht lehnte Klagen gegen solche staatlichen \u00dcbergriffe mit der Begr\u00fcndung ab, es sei nicht zust\u00e4ndig f\u00fcr die \u00dcberpr\u00fcfung von Exekutivdekreten, die im Rahmen eines Ausnahmezustands erlassen wurden. Fast 130.000 Besch\u00e4ftigte des \u00f6ffentlichen Sektors, darunter auch Gewerkschafter und Akademiker, die sich f\u00fcr Menschenrechte einsetzen, wurden fristlos entlassen und erhielten ein dauerhaftes Arbeitsverbot im \u00f6ffentlichen Sektor oder sogar in ihrem Beruf insgesamt, weil die zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden die unbegr\u00fcndete Behauptung aufstellten, diese Besch\u00e4ftigten h\u00e4tten \u201eVerbindungen zu verbotenen Gruppen\u201c, w\u00fcrden \u201eihnen angeh\u00f6ren, mit ihnen in Verbindung stehen oder mit ihnen kommunizieren\u201c. Die Entlassungen enthielten weder konkrete Beweise noch Einzelheiten \u00fcber das angebliche Fehlverhalten. So wurden mehr als 4000 Richter und Staatsanw\u00e4lte \u2013 ein Drittel der t\u00fcrkischen Justiz \u2013 in vereinfachten Verfahren, die per Exekutivdekret eingef\u00fchrt worden waren, wegen angeblicher Verbindungen zu \u201eterroristischen\u201c Organisationen entlassen, ohne dass konkrete Beweise vorgelegt wurden oder ein faires Verfahren stattfand, was zu einer Vielzahl von Menschenrechtsverletzungen f\u00fchrte, darunter Verletzungen des Grundsatzes der Unschuldsvermutung und des Rechts auf ein faires Verfahren und auf Freiheit und Sicherheit der Person sowie des Rechts auf Arbeit und Freiz\u00fcgigkeit.<\/p><p>Die Anwendung von Notstandsbefugnissen im Namen der Terrorismusbek\u00e4mpfung w\u00e4hrend des zweij\u00e4hrigen Ausnahmezustands beeintr\u00e4chtigte die Wahrnehmung der Menschenrechte und das Funktionieren der Strafjustiz \u2013 unter anderem durch die Einschr\u00e4nkung der Rechte auf Verteidigung und auf ein faires Verfahren \u2013 durch die Verabschiedung missbr\u00e4uchlicher Rechts-, Verwaltungs- und Sicherheitsma\u00dfnahmen. Wie bereits erw\u00e4hnt, blieben diese Ma\u00dfnahmen auch nach dem Ende des Ausnahmezustands in Kraft, als das Gesetz Nr. 7145 erlassen wurde, mit dem sie in das allgemeine Recht integriert wurden. Infolgedessen haben die t\u00fcrkischen Beh\u00f6rden die Anwendung von Ausnahmema\u00dfnahmen \u201enormalisiert\u201c und sich selbst ein erheblich erweitertes Spektrum an Befugnissen einger\u00e4umt, die routinem\u00e4\u00dfig genutzt werden, um gegen zivilgesellschaftliche Akteure und andere Personen vorzugehen, darunter Richter und Arbeiter, die sie als Gegner betrachten. Im Jahr 2017 wurden mit \u00c4nderungen der t\u00fcrkischen Verfassung auch die Zusammensetzung und das Verfahren zur Ernennung der Mitglieder des Rates der Richter und Staatsanw\u00e4lte ge\u00e4ndert. Diese \u00c4nderungen haben die Unabh\u00e4ngigkeit und Unparteilichkeit der Justiz weiter ausgeh\u00f6hlt, indem sie die Befugnisse der Exekutive zur politischen Einflussnahme auf den Rat gest\u00e4rkt haben. Da es keine unabh\u00e4ngige Justiz gibt, haben gemeinn\u00fctzige Organisationen kaum eine M\u00f6glichkeit, gegen Menschenrechtsverletzungen vorzugehen, die sich aus staatlichen Ma\u00dfnahmen im Rahmen des Gesetzes Nr. 7262 ergeben, und einen wirksamen Rechtsbehelf zu finden.<\/p><ol><li>Die Schlussfolgerungen von Amnesty International im Hinblick auf die T\u00fcrkei sind richtig. Die 4. Gro\u00dfe Strafkammer zu Ankara, die f\u00fcr die \u00dcberpr\u00fcfung von Verwaltungsbeschl\u00fcssen zum Einfrieren von Verm\u00f6genswerten zust\u00e4ndig ist, hat die Beschl\u00fcsse vom April und Dezember 2021, die Gegenstand dieser Studie sind, am 9. April 2021 (35) und am 29. Dezember 2021 (36) abgesegnet. Die Teile des Urteils, die die Schlussfolgerung des Gerichts begr\u00fcnden, umfassen nur etwa eineinhalb Seiten, in denen das Gericht haupts\u00e4chlich die gesetzlichen Bestimmungen zitiert \u2013 man bedenke, dass es sich um eine Entscheidung handelt, in der es um die Rechte von mehr als 1100 Personen geht. Einspr\u00fcche gegen dieses best\u00e4tigende Urteil wurden von der 5. Gro\u00dfen Strafkammer zu Ankara mit einer halbseitigen Erkl\u00e4rung und ohne jegliche Begr\u00fcndung abgewiesen. (37) Der Antrag von Betroffenen, eine Kopie der Verfahrensakten zu erhalten, um ihr Recht auf Berufung wirksam wahrnehmen zu k\u00f6nnen, wurde von der 4. Gro\u00dfe Strafkammer zu Ankara ebenfalls abgelehnt.<\/li><\/ol><h2><a name=\"_Toc228741867\"><\/a>b. Bericht der Stiftung T\u00fcrkiye \u00dc\u00e7\u00fcnc\u00fc Sekt\u00f6r Vakf\u0131 (T\u00dcSEV)<\/h2><ol><li>In ihrem Bericht vom Februar 2021 kam die Stiftung zu dem Schluss, dass die t\u00fcrkischen Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung nicht verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig seien und legitime zivile Aktivit\u00e4ten behinderten und daher gegen die Empfehlungen der FATF verstie\u00dfen. (38)<\/li><\/ol><h1><a name=\"_Toc228741868\"><\/a>VIII. Internationaler Rechtsrahmen f\u00fcr Antiterrorgesetze<\/h1><ol><li>Der Terrorismus greift die Werte an, die der Charta der Vereinten Nationen zugrunde liegen: die Achtung der Menschenrechte, die Rechtsstaatlichkeit, Kriegsregeln zum Schutz der Zivilbev\u00f6lkerung, Toleranz zwischen V\u00f6lkern und Nationen und die friedliche Beilegung von Konflikten. (39) Die Geschichte hat bewiesen, dass kein Land auf der Welt v\u00f6llig sicher vor Terrorismus ist, ganz gleich, wie m\u00e4chtig die Sicherheitsapparate sind. Daher ist eine internationale Zusammenarbeit bei der Terrorismusbek\u00e4mpfung erforderlich, die jedoch aufgrund des Fehlens einer einheitlichen internationalen Definition des Begriffs \u201eTerrorismus\u201c nicht effektiv ist. Trotz mehrerer Versuche der Vereinten Nationen, des Europarats und der Europ\u00e4ischen Union ist die Initiative, einen universellen Konsens \u00fcber die Definition des Begriffs \u201eTerrorismus\u201c zu erzielen, gescheitert.<\/li><\/ol><h2><a name=\"_Toc228741869\"><\/a>Definitionsversuche der Vereinten Nationen<\/h2><ol><li>Das Internationale \u00dcbereinkommen zur Bek\u00e4mpfung der Finanzierung des Terrorismus von 1999 definiert Terrorismus als \u201eeine \u2026 Handlung \u2026, die den Tod oder eine schwere K\u00f6rperverletzung einer Zivilperson oder einer anderen Person, die bei einem bewaffneten Konflikt nicht aktiv an den Feindseligkeiten teilnimmt, herbeif\u00fchren soll, wenn diese Handlung aufgrund ihres Wesens oder der Umst\u00e4nde darauf abzielt, die Bev\u00f6lkerung einzusch\u00fcchtern oder eine Regierung oder internationale Organisation zu einem Tun oder Unterlassen zu n\u00f6tigen\u201c. (40)<\/li><li>Die Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2004 f\u00fchrt diese Definition weiter aus und besagt, dass terroristische Handlungen \u201eStraftaten [sind], namentlich auch gegen Zivilpersonen, die mit der Absicht begangen werden, den Tod oder schwere K\u00f6rperverletzungen zu verursachen, oder Geiselnahmen, die mit dem Ziel begangen werden, die ganze Bev\u00f6lkerung, eine Gruppe von Personen oder einzelne Personen in Angst und Schrecken zu versetzen, eine Bev\u00f6lkerung einzusch\u00fcchtern oder eine Regierung oder eine internationale Organisation zu einem Tun oder Unterlassen zu n\u00f6tigen\u201c. (41) Die Generalversammlung der Vereinten Nationen bekr\u00e4ftigte diese Definition im Januar 2006 (Resolution 60\/43) und definierte terroristische Handlungen als \u201ekriminelle Handlungen, die dazu gedacht oder darauf angelegt sind, die breite \u00d6ffentlichkeit, einen bestimmten Personenkreis oder bestimmte Personen zu politischen Zwecken in Terror zu versetzen\u201c. (42)<\/li><\/ol><h2><a name=\"_Toc228741870\"><\/a>Definitionsversuche der Europ\u00e4ischen Union<\/h2><ol><li>Das Europ\u00e4ische \u00dcbereinkommen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus von 1977 enth\u00e4lt keine Definition des Begriffs Terrorismus. Um diesem Mangel abzuhelfen, hat der Rat der Europ\u00e4ischen Union in seinem Rahmenbeschluss zur Terrorismusbek\u00e4mpfung vom 13. Juni 2002 Leitlinien f\u00fcr die Definition einer terroristischen Straftat festgelegt. (43) Nach Artikel 1 des Rahmenbeschlusses sind terroristische Straftaten \u201enach den einzelstaatlichen Rechtsvorschriften als Straftaten definierte vors\u00e4tzliche Handlungen, die durch die Art ihrer Begehung oder den jeweiligen Kontext ein Land oder eine internationale Organisation ernsthaft sch\u00e4digen k\u00f6nnen, wenn sie mit dem Ziel begangen werden,<\/li><\/ol><ul><li>die Bev\u00f6lkerung auf schwerwiegende Weise einzusch\u00fcchtern oder<\/li><li>\u00f6ffentliche Stellen oder eine internationale Organisation rechtswidrig zu einem Tun oder Unterlassen zu zwingen oder<\/li><li>die politischen, verfassungsrechtlichen, wirtschaftlichen oder sozialen Grundstrukturen eines Landes oder einer internationalen Organisation ernsthaft zu destabilisieren oder zu zerst\u00f6ren:<\/li><\/ul><ol><li>a) Angriffe auf das Leben einer Person, die zum Tode f\u00fchren k\u00f6nnen;<\/li><li>b) Angriffe auf die k\u00f6rperliche Unversehrtheit einer Person;<\/li><li>c) Entf\u00fchrung oder Geiselnahme;<\/li><li>d) schwerwiegende Zerst\u00f6rungen an einer Regierungseinrichtung oder einer \u00f6ffentlichen Einrichtung, einem Verkehrsmittel, einer Infrastruktur einschlie\u00dflich eines Informatiksystems, einer festen Plattform, die sich auf dem Festlandsockel befindet, einem allgemein zug\u00e4nglichen Ort oder einem Privateigentum, die Menschenleben gef\u00e4hrden oder zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten f\u00fchren k\u00f6nnen;<\/li><li>e) Kapern von Luft- und Wasserfahrzeugen oder von anderen \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln oder G\u00fctertransportmitteln;<\/li><li>f) Herstellung, Besitz, Erwerb, Bef\u00f6rderung oder Bereitstellung oder Verwendung von Schusswaffen, Sprengstoffen, atomaren, biologischen und chemischen Waffen sowie die Forschung und Entwicklung im Zusammenhang mit biologischen und chemischen Waffen;<\/li><li>g) Freisetzung gef\u00e4hrlicher Stoffe oder Herbeif\u00fchren von Br\u00e4nden, \u00dcberschwemmungen oder Explosionen, wenn dadurch das Leben von Menschen gef\u00e4hrdet wird;<\/li><li>h) St\u00f6rung oder Unterbrechung der Versorgung mit Wasser, Strom oder anderen lebenswichtigen nat\u00fcrlichen Ressourcen, wenn dadurch das Leben von Menschen gef\u00e4hrdet wird;<\/li><li>i) Drohung, eine der in a) bis h) genannten Straftaten zu begehen.\u201c (44)<\/li><\/ol><h2><a name=\"_Toc228741871\"><\/a>Der Europarat<\/h2><ol><li>Im \u00dcbereinkommen des Europarats zur Verh\u00fctung des Terrorismus von 2005 hei\u00dft es: \u201eTerroristische Handlungen [zielen] aufgrund ihres Wesens oder der Umst\u00e4nde darauf ab, die Bev\u00f6lkerung auf schwerwiegende Weise einzusch\u00fcchtern, eine Regierung oder internationale Organisation rechtswidrig zu einem Tun oder Unterlassen zu n\u00f6tigen oder die politischen, verfassungsrechtlichen, wirtschaftlichen oder sozialen Grundstrukturen eines Landes oder einer internationalen Organisation ernsthaft zu destabilisieren oder zu zerst\u00f6ren.\u201c (45)<\/li><\/ol><h2><a name=\"_Toc228741872\"><\/a>Die Einhaltung der Menschen- und Freiheitsrechte ist ein wesentlicher Bestandteil der Terrorismusbek\u00e4mpfung<\/h2><ol><li>Terroristische Handlungen sind Verletzungen der Menschen- und Freiheitsrechte. Terroristische Handlungen \u201ezielen auf die Zerst\u00f6rung der Menschenrechte, der Grundfreiheiten und der Demokratie [&#8230;], unterminieren die pluralistische Zivilgesellschaft und haben nachteilige Auswirkungen auf die wirtschaftliche und soziale Entwicklung von Staaten\u201c. (46) Terroristische Handlungen \u201egef\u00e4hrden unschuldige Leben und die W\u00fcrde und Sicherheit der Menschen \u00fcberall, bedrohen die soziale und wirtschaftliche Entwicklung aller Staaten und untergraben die weltweite Stabilit\u00e4t und den Wohlstand\u201c. (47)<\/li><li>Staaten haben die Pflicht, ihrer Gerichtsbarkeit unterstehende Personen vor terroristischen Handlungen zu sch\u00fctzen. Staaten sind verpflichtet, terroristische Handlungen unter Strafe zu stellen und zu verhindern sowie die f\u00fcr solche Handlungen Verantwortlichen vor Gericht zu stellen. Dabei sollten die Staaten jedoch die Gesetze einhalten und die Menschenrechte respektieren. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat feierlich bekr\u00e4ftigt, dass die Achtung der Menschenrechte f\u00fcr Ma\u00dfnahmen zur Terrorismusbek\u00e4mpfung von zentraler Bedeutung ist, und erkl\u00e4rt, dass wirksame Ma\u00dfnahmen zur Terrorismusbek\u00e4mpfung und der Schutz der Menschenrechte keine konkurrierenden Ziele sind, sondern sich gegenseitig erg\u00e4nzen und verst\u00e4rken. (48-49) In der globalen Strategie der Vereinten Nationen zur Terrorismusbek\u00e4mpfung, die durch die Resolution 60\/288 der Generalversammlung angenommen wurde, sind Ma\u00dfnahmen zur Gew\u00e4hrleistung der Achtung der Menschenrechte f\u00fcr alle festgelegt, und die Rechtsstaatlichkeit wurde als eine der vier S\u00e4ulen der Terrorismusbek\u00e4mpfung bestimmt. (50)<\/li><\/ol><h2><a name=\"_Toc228741873\"><\/a>Keine Strafe ohne Gesetz, Qualit\u00e4t eines Gesetzes und Vorhersehbarkeit<\/h2><ol><li>Der Grundsatz \u201eKeine Strafe ohne Gesetz\u201c, der in Artikel 11 der Allgemeinen Erkl\u00e4rung der Menschenrechte, (51) in Artikel 15 des Internationalen Pakts \u00fcber b\u00fcrgerliche und politische Rechte (52) und in Artikel 7 der EMRK verankert ist, geh\u00f6rt zu den Menschenrechten, die die Staaten bei der Bestimmung der Strafbarkeit und der Verfolgung von Terrorismus und terrorismusbezogenen Handlungen beachten sollten. Die Feststellung, dass eine bestimmte Handlung eine Straftat darstellt, bedeutet nicht, dass der Grundsatz der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit beachtet wurde. Das betreffende Gesetz muss die Qualit\u00e4t eines Gesetzes haben, (53) d. h. es muss sowohl zug\u00e4nglich als auch vorhersehbar sein, um Willk\u00fcr durch nationale Gerichte zu verhindern, und es muss hinreichend klar sein, damit der Einzelne in der Lage ist, sich danach zu richten. Um einen wirksamen Schutz gegen willk\u00fcrliche Verfolgung, Verurteilung und Bestrafung zu bieten, m\u00fcssen Gesetze, die strafrechtliche Sanktionen vorsehen, so abgefasst sein, dass sie \u201ein angemessener Weise\u201c dar\u00fcber informieren, welches Verhalten verboten ist. (54-55-56) Der Begriff \u201eGesetz\u201c impliziert \u201equalitative Anforderungen, einschlie\u00dflich solcher der Zug\u00e4nglichkeit und Vorhersehbarkeit. Daraus folgt, dass Straftatbest\u00e4nde und entsprechende Strafen im Gesetz klar definiert sein m\u00fcssen. Dieses Erfordernis ist erf\u00fcllt, wenn der Einzelne aus dem Wortlaut der einschl\u00e4gigen Vorschrift und gegebenenfalls mit Hilfe der Auslegung durch die Gerichte oder durch eine angemessene Rechtsberatung in einem den Umst\u00e4nden entsprechenden Ma\u00df erkennen kann, welche Handlungen und Unterlassungen ihn strafrechtlich belasten\u201c. (57) Zweitens muss im Fall einer Rechtsfortbildung jede \u00c4nderung vorhersehbar sein. (58)<\/li><li>Der Europ\u00e4ische Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte, der Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen, der UN-Sonderberichterstatter f\u00fcr Menschenrechte bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen f\u00fcr Menschenrechte haben h\u00e4ufig ihre Besorgnis dar\u00fcber zum Ausdruck gebracht, dass die Rechtsvorschriften zur Terrorismusbek\u00e4mpfung vieler Staaten nicht den Anforderungen der Zug\u00e4nglichkeit und Vorhersehbarkeit entsprechen. Bei der \u00dcberpr\u00fcfung der Antiterrorgesetze der Mitgliedstaaten haben sie beispielsweise folgende Kritikpunkte ge\u00e4u\u00dfert:<\/li><\/ol><ul><li>Es besteht ein: \u201eMangel an Pr\u00e4zision bei den besonders weit gefassten Definitionen von Terrorismus und terroristischen Aktivit\u00e4ten; &#8230; der Vertragsstaat sollte: Eine engere Definition von terroristischen Straftaten annehmen, die sich auf Straftaten beschr\u00e4nkt, die berechtigterweise mit Terrorismus und seinen schweren Folgen gleichgesetzt werden k\u00f6nnen.\u201c (59)<\/li><li>Der vage definierte Straftatbestand der Kollaboration [mit terroristischen Organisationen] l\u00e4uft Gefahr, auf Verhaltensweisen ausgeweitet zu werden, die sich nicht auf irgendeine Art von Gewaltt\u00e4tigkeit beziehen\u201c, und \u201edie Unbestimmtheit einiger Bestimmungen \u00fcber terroristische Straftaten im &#8230; Strafgesetzbuch birgt die Gefahr eines \u201arutschigen Hangs\u2018, d. h. einer allm\u00e4hlichen Ausweitung des Begriffs des Terrorismus auf Handlungen, die nicht mit schweren Gewalttaten gegen Angeh\u00f6rige der Bev\u00f6lkerung gleichzusetzen sind und keinen ausreichenden Bezug dazu aufweisen\u201c. (60)<\/li><li>\u201edass der Straftatbestand der \u201aF\u00f6rderung des Terrorismus\u2018 &#8230; weit und vage definiert worden ist\u201c. (61)<\/li><\/ul><ol><li>Im Common Law wurde das Bestimmtheitsgebot \u201evoid for vagueness\u201c eingef\u00fchrt, um sicherzustellen, dass die Vorhersehbarkeit von Strafgesetzen beachtet wird. Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten sagte: \u201eEs ist ein Grundprinzip des Rechtsstaats, dass ein Gesetz, wenn seine Verbote nicht klar definiert sind, aufgrund von Unbestimmtheit nichtig ist. Unbestimmte Gesetze versto\u00dfen gegen mehrere wichtige Werte. Erstens: Da wir davon ausgehen, dass der Mensch frei zwischen rechtm\u00e4\u00dfigem und unrechtm\u00e4\u00dfigem Verhalten w\u00e4hlen kann, bestehen wir darauf, dass Gesetze einer Person mit normaler Intelligenz eine angemessene M\u00f6glichkeit geben zu wissen, was verboten ist, damit sie entsprechend handeln kann. Unbestimmte Gesetze k\u00f6nnen Unschuldige in die Falle locken, da sie keine angemessene Warnung enthalten. Zweitens: Um willk\u00fcrliche und diskriminierende Durchsetzung zu verhindern, m\u00fcssen Gesetze eindeutige Normen f\u00fcr diejenigen enthalten, die sie anwenden. Ein unbestimmtes Gesetz delegiert unzul\u00e4ssigerweise grundlegende Fragen zur Vorgehensweise an Polizisten, Richter und Geschworene, zu denen sie ad hoc und auf subjektiver Basis Entscheidungen treffen sollen, was die Gefahr einer willk\u00fcrlichen und diskriminierenden Anwendung birgt.\u201c<\/li><li>Das Fehlen einer allgemeing\u00fcltigen Definition von Terrorismus erleichtert die Politisierung und den Missbrauch des Begriffs \u201eTerrorismus\u201c, um nicht-terroristische oder sogar legale Aktivit\u00e4ten zu beschr\u00e4nken. In einigen Staaten sind die Antiterrorgesetze sehr vage und \u00fcberm\u00e4\u00dfig weit gefasst. Durch den Missbrauch, in einigen F\u00e4llen sogar durch die Instrumentalisierung von Antiterrorgesetzen, verletzen die Staaten die Rechte und Freiheiten des Einzelnen. Die vagen und \u00fcberm\u00e4\u00dfig weit gefassten Definitionen von Terrorismus versto\u00dfen gegen den Grundsatz \u201eKeine Strafe ohne Gesetz\u201c und das R\u00fcckwirkungsverbot. Diese Probleme gelten auch f\u00fcr die wichtigsten Antiterrorbestimmungen der T\u00fcrkei.<\/li><\/ol><h1><a name=\"_Toc228741874\"><\/a>IX. Instrumentalisierung der Antiterrorgesetze durch die t\u00fcrkische Regierung<\/h1><ol><li>Im Jahr 2014 leitete die t\u00fcrkische AKP-Regierung ein hartes Vorgehen gegen die G\u00fclen-Bewegung und andere Kritiker der Regierung ein, und seitdem instrumentalisieren t\u00fcrkische Staatsanw\u00e4lte Antiterrorbestimmungen. Nach den Statistiken des t\u00fcrkischen Justizministeriums haben Staatsanw\u00e4lte in zunehmendem Ma\u00dfe von Art. 314 tStGB Gebrauch gemacht: 8.416 Anklagen im Jahr 2013, 146.731 im Jahr 2017, 115.753 im Jahr 2018, 54.464 im Jahr 2019 und 33.885 im Jahr 2020. Diese Statistiken zeigen, dass t\u00fcrkische Staatsanw\u00e4lte zwischen 2013 und 2020 gem\u00e4\u00df Art. 314 tStGB insgesamt mehr als 420.000 Anklagen erhoben haben und zwischen 2016 und 2020 mehr als 265.000 Personen nach Art. 314 tStGB verurteilt wurden. (62) Die Statistiken f\u00fcr das Jahr 2021 sind noch nicht ver\u00f6ffentlicht worden. Am 20. Februar 2021 erkl\u00e4rte Innenminister S\u00fcleyman Soylu, dass aufgrund ihrer Verbindungen zur G\u00fclen-Bewegung gegen 622.646 Personen wegen angeblicher Mitgliedschaft in einer bewaffneten terroristischen Vereinigung strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet und 301.932 von ihnen von der Polizei festgenommen wurden (t\u00fcrkisch g\u00f6zalt\u0131). Folglich hat die T\u00fcrkei die meisten H\u00e4ftlinge, die wegen terroristischer Straftaten verurteilt wurden. Einem Bericht des Europarats zufolge befinden sich in den Mitgliedstaaten des Europarats mehr als 95 % der H\u00e4ftlinge, die wegen Terrorismus verurteilt wurden, in t\u00fcrkischen Gef\u00e4ngnissen. (64-65)<\/li><li>In der Rechtssache Demirta\u015f gegen die T\u00fcrkei (Nr. 2) befand der Europ\u00e4ische Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte (EGMR), dass die wichtigste Antiterrorbestimmung der T\u00fcrkei nicht \u201evorhersehbar\u201c war und daher gegen die Konvention verstie\u00df. (66)<\/li><li>Nach dem Putschversuch von 2016 haben Staatsanw\u00e4lte und Gerichte im ganzen Land eine Liste von Merkmalen eingef\u00fchrt, anhand derer sie feststellen, ob eine Person Mitglied der G\u00fclen-Bewegung und somit ein \u201eTerrorist\u201c ist. Diese Merkmale sind in der Regel die Folgenden:<\/li><\/ol><ul><li>Kontoinhaber bei der Bank Asya zu sein;<\/li><li>die Nutzung oder das Herunterladen der Bylock-Messaging-Anwendung;<\/li><li>Analyse der Aktivit\u00e4ten in den sozialen Medien und der besuchten Websites;<\/li><li>Spenden an Hilfsorganisationen mit angeblichen Verbindungen zur G\u00fclen-Bewegung, z. B. Kimse Yok Mu;<\/li><li>Wohnsitz in Wohnheimen oder Studium an Schulen und Universit\u00e4ten, die aufgrund des Ausnahmezustands wegen angeblicher Verbindungen zur G\u00fclen-Bewegung geschlossen wurden, oder die Entsendung von Kindern in diese Bildungseinrichtungen;<\/li><li>Abonnent von Zeitschriften der G\u00fclen-Bewegung zu sein;<\/li><li>das DIGITURK-Abonnement, ein Anbieter von Satellitenfernsehen, zu k\u00fcndigen, nachdem dieser beschlossen hat, die Ausstrahlung von sieben Fernsehkan\u00e4len, die der AKP-Regierung kritisch gegen\u00fcberstehen, einzustellen;<\/li><li>Aktion\u00e4r von Unternehmen zu sein, die aufgrund angeblicher Verbindungen zur G\u00fclen-Bewegung im Rahmen des Ausnahmezustands aufgel\u00f6st\/enteignet wurden;<\/li><li>Manager, Angestellter oder Mitglied einer Gewerkschaft, eines Verbands, einer Stiftung oder eines Unternehmens zu sein, das aufgrund seiner angeblichen Verbindungen zur G\u00fclen-Bewegung im Rahmen des Ausnahmezustands geschlossen\/aufgel\u00f6st\/enteignet wurde.<\/li><\/ul><ol><li>An dieser Stelle ist anzumerken, dass all diejenigen, die Merkmale wie die oben beschriebenen aufwiesen, an Organisationen beteiligt waren bzw. Transaktionen mit Organisationen durchf\u00fchrten, die zum ma\u00dfgeblichen Zeitpunkt legal und mit staatlichen Lizenzen oder Genehmigungen t\u00e4tig waren: die Fernsehsender,<\/li><li>Bank Asya 65 (67-68), Kimse Yok Mu (69), Schulen (70), Universit\u00e4ten (71) und Stiftungen (72) waren mit der Genehmigung und unter der Kontrolle des Innenministeriums oder des Ministeriums f\u00fcr Arbeit und Soziale Sicherheit t\u00e4tig. Dar\u00fcber hinaus hatten die meisten dieser Organisationen besondere Status und Privilegien erhalten, wie z. B. Steuerbefreiung, (73) Anerkennung als gemeinn\u00fctziger Verein, (74) staatliche Subventionen oder eine Auszeichnung f\u00fcr herausragende \u00f6ffentliche Dienste. (75) Mit anderen Worten: Es handelte sich um rechtm\u00e4\u00dfige Aktivit\u00e4ten im Rahmen der Rechte, die durch die EMRK gesch\u00fctzt sind.<\/li><\/ol><h3><a name=\"_Toc228741875\"><\/a>43.\u00a0 Teilschlussfolgerung:<\/h3><ol><li>a) Die G\u00fclen-Bewegung wurde weder von den Vereinten Nationen noch von der EU noch in irgendeinem anderen Land au\u00dfer der T\u00fcrkei als terroristische Organisation eingestuft.<\/li><li>b) Die von der T\u00fcrkei verwendeten Merkmale zur Einstufung einer Person als Terrorist entsprechen in keiner Weise den internationalen Vertr\u00e4gen oder Bestimmungen zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus sowie dem von den Vereinten Nationen, der EU und dem Europarat geschaffenen Rechtsrahmen.<\/li><\/ol><h1><a name=\"_Toc228741876\"><\/a>X. Unbeabsichtigte Folgen der FATF-Standards<\/h1><ol><li>In einer von der FATF im Oktober 2021 ver\u00f6ffentlichten Zusammenschau (76) r\u00e4umte die FATF ein, dass die von ihr vorgeschlagenen Standards unbeabsichtigte Folgen f\u00fcr unschuldige nat\u00fcrliche und juristische Personen haben. Laut FATF handelt es sich bei den unbeabsichtigten Folgen vor allem um folgende Themen: (1) De-Risking, (2) finanzielle Ausgrenzung, (3) Beschneidung der Menschenrechte und (4) unangemessenes Abzielen auf gemeinn\u00fctzige Organisationen. Wir werden uns mit den ersten drei dieser Punkte befassen, da sie f\u00fcr unser Thema besonders relevant sind. (77)<\/li><\/ol><h2><a name=\"_Toc228741877\"><\/a>De-Risking<\/h2><p>Das Ph\u00e4nomen, dass Finanzinstitute Gesch\u00e4ftsbeziehungen mit Kunden oder bestimmten Arten von Kunden beenden oder einschr\u00e4nken, um Risiken zu vermeiden, anstatt sie im Einklang mit dem risikobasierten Ansatz der FATF zu managen. (78)<\/p><h2><a name=\"_Toc228741878\"><\/a>Finanzielle Ausgrenzung<\/h2><p>Die falsche Anwendung der FATF-Standards und insbesondere die Nichtanwendung der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit, die f\u00fcr den risikobasierten Ansatz von zentraler Bedeutung ist, kann zu finanzieller Ausgrenzung f\u00fchren oder diese verst\u00e4rken. Die FATF stellt fest, dass es zwei Hauptfaktoren gibt, die zum finanziellen Ausschluss beitragen. Erstens Umsetzungsprobleme auf der Ebene der L\u00e4nder oder des privaten Sektors, die zu einer Fehlanwendung der FATF-Standards und insbesondere zur Nichtanwendung der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit f\u00fchren, die f\u00fcr den risikobasierten Ansatz von zentraler Bedeutung ist. Zweitens ermutigen die FATF und andere Aktivit\u00e4ten die Beh\u00f6rden, den Privatsektor und die Bewertungsteams nicht in angemessener Weise, die Auswirkungen der finanziellen Ausgrenzung zu verstehen. Die FATF-Standards sind in erster Linie auf Situationen mit h\u00f6herem Risiko ausgerichtet, sodass verst\u00e4rkte Ma\u00dfnahmen in Situationen mit hohem Risiko obligatorisch sind, w\u00e4hrend vereinfachte Ma\u00dfnahmen in Situationen mit geringem Risiko optional sind. (79)<\/p><h2><a name=\"_Toc228741879\"><\/a>Beschneidung von Menschenrechten<\/h2><p>Die FATF sagte, dass sie auch auf F\u00e4lle von Fehlanwendung der FATF-Standards aufmerksam gemacht wurde, m\u00f6glicherweise als Vorwand f\u00fcr Ma\u00dfnahmen mit anderweitiger Motivation. Die FATF sagt, dass es eine Reihe von Wegen gibt, wie die Fehlanwendung von FATF-Standards ordnungsgem\u00e4\u00dfe Verfahren und Verfahrensrechte beeintr\u00e4chtigen kann, z. B.:<\/p><ul><li>zu weit gefasste oder vage Straftatbest\u00e4nde im Rechtsrahmen zur Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung, was zu einer unangemessenen Anwendung von Pr\u00e4ventiv- und St\u00f6rma\u00dfnahmen f\u00fchren kann, einschlie\u00dflich Sanktionen, die nicht verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sind;<\/li><li>Fragen, die f\u00fcr die Ermittlung und strafrechtliche Verfolgung von Straftaten im Zusammenhang mit Terrorismusfinanzierung und Geldw\u00e4sche relevant sind, wie die Unschuldsvermutung und das Recht einer Person auf wirksamen Schutz durch die Gerichte;<\/li><li>die nicht ordnungsgem\u00e4\u00dfe Umsetzung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats und der FATF-Standards bei rechtm\u00e4\u00dfigen Verfahren und Verfahrensfragen in Verbindung mit dem Einfrieren von Verm\u00f6genswerten, einschlie\u00dflich des Rechts auf \u00dcberpr\u00fcfung, Anfechtung von Bezeichnungen und grundlegende Ausgaben. (80)<\/li><\/ul><h1><a name=\"_Toc228741880\"><\/a>XI. Schlussfolgerung<\/h1><ol><li>Aus der vorliegenden Studie lassen sich die folgenden Schlussfolgerungen ziehen:<\/li><\/ol><h2><a name=\"_Toc228741881\"><\/a>i. Die FATF-Standards sind wichtig, um zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob ein Staat die Standards zur Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung und der Geldw\u00e4sche einh\u00e4lt, die dazu beitragen, die Welt sicherer zu machen; wie die FATF jedoch einr\u00e4umte, eignen sich die Standards zur Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung und der Geldw\u00e4sche dazu, absichtlich f\u00fcr politische Zwecke missbraucht zu werden, was zu unbeabsichtigten Folgen f\u00fchren kann.<\/h2><ol><li>W\u00e4hrend Geldw\u00e4sche allgemein gut definiert ist, gibt es f\u00fcr den Terrorismus und damit zusammenh\u00e4ngende Straftaten, wie die Finanzierung des Terrorismus, keine allgemein g\u00fcltige Definition. Daher besteht die besondere Gefahr, dass solche Delikte zur Verfolgung politischer Gegner und zivilgesellschaftlicher Akteure genutzt werden. Dies gilt nicht nur f\u00fcr den strafrechtlichen Bereich, sondern auch f\u00fcr die Einstufung von Personen als Terroristen, die nach der derzeitigen Regelung in der T\u00fcrkei kaum die M\u00f6glichkeit haben, eine solche Einstufung anzufechten, und die schwerwiegende Auswirkungen auf die M\u00f6glichkeiten des Einzelnen haben kann, im Ausland zu leben und zu \u00fcberleben.<\/li><\/ol><p>iii. Aus den oben genannten Gr\u00fcnden k\u00f6nnen notwendige und ordnungsgem\u00e4\u00dfe FATF-Standards von einigen Staaten dazu benutzt werden, die Freiheit von Einzelpersonen einzuschr\u00e4nken, sogar von Personen, die als Fl\u00fcchtlinge aus diesen Staaten geflohen sind. Die FATF r\u00e4umt ein, dass ihre Standards als \u201eVorwand f\u00fcr Ma\u00dfnahmen mit anderweitiger Motivation\u201c missbraucht werden k\u00f6nnen. (81)<\/p><ol><li>Eine solche missbr\u00e4uchliche Anwendung der FATF-Standards kann nicht nur schwerwiegende nachteilige Auswirkungen auf die Rechte des Einzelnen haben, sondern auch das Gegenteil von dem bewirken, was die FATF beabsichtigt hat, da Staaten, die weitreichende Ma\u00dfnahmen zur Verfolgung ihrer politischen Gegner ergreifen, keine gezielten Ma\u00dfnahmen zur Verhinderung des Terrorismus und der Terrorismusfinanzierung ergreifen, wie dies beabsichtigt war, was in diesen Staaten zu einer L\u00fccke im Schutz vor solchen Aktivit\u00e4ten f\u00fchrt.<\/li><\/ol><h2><a name=\"_Toc228741882\"><\/a>v. Die FATF muss Ma\u00dfnahmen ergreifen, um nicht nur diejenigen zu sch\u00fctzen, die aus politischen Gr\u00fcnden unter vage Antiterrorbestimmungen fallen, sondern auch um sicherzustellen, dass ihre Standards auf die Verhinderung von Terrorismus und Terrorismusfinanzierung ausgerichtet sind, was ihr eigentliches Ziel ist.<\/h2><ol><li>Der Missbrauch von Antiterrorma\u00dfnahmen durch die T\u00fcrkei ist, wie oben dargelegt, sehr gut dokumentiert.<\/li><\/ol><p>vii. Die G\u00fclen-Bewegung ist von keinem anderen Land au\u00dfer der T\u00fcrkei als terroristische Organisation eingestuft worden, und es gibt keine Beweise daf\u00fcr, dass die t\u00fcrkische Einstufung ordnungsgem\u00e4\u00df erfolgt ist.<\/p><p>viii. Die von der t\u00fcrkischen Regierung verwendeten Merkmale zur Bestimmung der Zugeh\u00f6rigkeit einer Person zur G\u00fclen-Bewegung fallen nicht in den von den Vereinten Nationen, der EU und dem Europarat vorgeschlagenen Rechtsrahmen; im Gegenteil, sie versto\u00dfen gegen die Grundrechte und -freiheiten, die in der Allgemeinen Erkl\u00e4rung der Menschenrechte, dem Internationalen Pakt \u00fcber b\u00fcrgerliche und politische Rechte und der EMRK verankert sind. Der EGMR stellte fest, dass die wichtigste Antiterrorbestimmung der T\u00fcrkei nicht \u201evorhersehbar\u201c sei und somit gegen die Konvention versto\u00dfe. (82)<\/p><ol><li>Die t\u00fcrkische Regierung hat die internationale Zusammenarbeit bei der Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung missbraucht, um sie als l\u00e4nder\u00fcbergreifendes Repressionsinstrument einzusetzen.<\/li><\/ol><h2><a name=\"_Toc228741883\"><\/a>x. Die t\u00fcrkische Regierung hat ihren Einfluss auf multinationale Finanzinstitute und Finanzdatenverarbeitungsunternehmen missbraucht, um im Ausland lebende Regimekritiker ins Visier zu nehmen.<\/h2><h1><a name=\"_Toc228741884\"><\/a>XII. Empfehlungen<\/h1><h2><a name=\"_Toc228741885\"><\/a>46. Empfehlungen an die FATF, regionale FATF-\u00e4hnliche Einrichtungen, nationale Finanzaufsichtsbeh\u00f6rden und Regulierungsbeh\u00f6rden:<\/h2><h2><a name=\"_Toc228741886\"><\/a>i. Uneingeschr\u00e4nkte und ausdr\u00fcckliche Anerkennung der Schl\u00fcsselrolle, die Menschenrechtsverteidiger und zivilgesellschaftliche Akteure bei der Verh\u00fctung und Bek\u00e4mpfung von gewaltt\u00e4tigem Extremismus spielen,<\/h2><ol><li>eine unmissverst\u00e4ndliche Erkl\u00e4rung abzugeben, dass die Ma\u00dfnahmen der FATF nicht als Instrument f\u00fcr politische Verfolgung eingesetzt werden d\u00fcrfen,<\/li><\/ol><p>iii. Menschenrechtsverteidiger, Menschenrechts-NGOs und Anwaltskammern als Beteiligte und Partner in umfassende Ma\u00dfnahmen einzubeziehen, einen solchen partizipatorischen Ansatz auf nationaler Ebene zu f\u00f6rdern sowie eine Verpflichtung zur \u00f6ffentlichen Konsultation zu akzeptieren,<\/p><ol><li>Einf\u00fchrung des allgemeinen regelm\u00e4\u00dfigen \u00dcberpr\u00fcfungszyklus der Vereinten Nationen zur \u00dcberwachung der Einhaltung der FATF-Standards und der Menschenrechte durch die Staaten,<\/li><\/ol><h2><a name=\"_Toc228741887\"><\/a>v. eine \u201eMissbrauchsliste\u201c zu erstellen, um diejenigen Staaten zu benennen und zu besch\u00e4men, die die Instrumente zur Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung und der Geldw\u00e4sche aus unlauteren Motiven heraus missbrauchen;<\/h2><ol><li>\u00dcberpr\u00fcfung der Gesetzgebung und der rechtlichen Bestimmungen der Staaten anhand der Rechtsprechung des EGMR zum Grundsatz der Rechtsqualit\u00e4t,<\/li><\/ol><p>vii. Ber\u00fccksichtigung der Rechtsprechung des EGMR sowie der Stellungnahmen und Berichte der UN-Menschenrechtsgremien zu den jeweiligen Staaten bei der Bewertung ihrer Regelkonformit\u00e4t,<\/p><p>viii. Zusammenarbeit mit Menschenrechtsgruppen und internationalen Organisationen, um regelm\u00e4\u00dfig zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob die Staaten die oben genannten Bestimmungen einhalten,<\/p><ol><li>Finanzinstitute daran zu erinnern, dass finanzielle Eingliederung ein Grundrecht ist,<\/li><\/ol><h2><a name=\"_Toc228741888\"><\/a>x. Finanzinstitutionen und Finanzdatenverarbeitungsunternehmen daran zu erinnern, dass Benennungen von Einzelpersonen mit \u00e4u\u00dferster Vorsicht zu behandeln sind, wenn sie von Staaten vorgenommen werden, a) die auf der Grauen Liste der FATF stehen oder b) von denen internationale Gerichte oder Menschenrechtsgremien festgestellt haben oder \u00fcber die berichtet wird, dass sie Menschenrechte und Freiheiten verletzen oder \u00fcber vage und missbr\u00e4uchliche Antiterror- oder AML-Bestimmungen verf\u00fcgen,<\/h2><ol><li>Finanzinstitutionen und Unternehmen, die Finanzdaten verarbeiten, daran zu erinnern, dass Angaben zu Journalisten und anderen Menschenrechtsverteidigern sowie politischen Fl\u00fcchtlingen mit \u00e4u\u00dferster Vorsicht zu behandeln sind, und<\/li><\/ol><p>xii. sicherzustellen, dass das t\u00e4gliche Leben von Personen nicht auf den Kopf gestellt wird, die allem Anschein nach Opfer politisch motivierter Ma\u00dfnahmen sind.<\/p><h2><a name=\"_Toc228741889\"><\/a>47. Empfehlungen an Regierungen:<\/h2><h2><a name=\"_Toc228741890\"><\/a>i. Verabschiedung von Gesetzen, die den Nutzen grenz\u00fcberschreitender Unterdr\u00fcckung verringern,<\/h2><ol><li>Verabschiedung von Rechtsvorschriften zur finanziellen Entsch\u00e4digung von Personen, die aufgrund des Missbrauchs von Gesetzen und Instrumenten zur Terrorismusbek\u00e4mpfung verfolgt werden,<\/li><\/ol><p>iii. Erh\u00f6hung des Kostenaufwands f\u00fcr grenz\u00fcberschreitende Repressionen und h\u00e4ufigere Anwendung gezielter Sanktionen gegen Personen, die durch den Einsatz grenz\u00fcberschreitender Repressionsinstrumente f\u00fcr schwere Menschenrechtsverletzungen gegen Exilanten verantwortlich sind,<\/p><ol><li>Finanzinstitute und Unternehmen, die Finanzdaten verarbeiten, zu gr\u00f6\u00dferer Transparenz, zur Einhaltung der Grundrechte und -freiheiten und insbesondere zur Wahrung der Unschuldsvermutung verpflichten,<\/li><\/ol><h2><a name=\"_Toc228741891\"><\/a>v. Multinationale Finanzinstitutionen und Unternehmen, die Finanzdaten verarbeiten, dazu verpflichten, die Leitlinien f\u00fcr Wirtschaft und Menschenrechte einzuhalten, insbesondere die der OECD und der UN,<\/h2><ol><li>Multinationale Finanzinstitute und Unternehmen, die Finanzdaten verarbeiten, dazu verpflichten, bei Daten, die von Staaten bereitgestellt werden, a) die auf der Grauen Liste der FATF stehen, oder b) von denen internationale Gerichte oder Menschenrechtsgremien festgestellt haben, dass sie die Menschenrechte und Freiheiten verletzen, oder von denen berichtet wird, dass sie vage und missbr\u00e4uchliche Antiterror- oder AML-Bestimmungen haben, eine Sorgfaltspr\u00fcfung in Bezug auf Menschenrechte durchzuf\u00fchren,<\/li><\/ol><p>vii. Aufkl\u00e4rung der Finanzinstitute, um sicherzustellen, dass sie verstehen, dass das blo\u00dfe Vorhandensein einer von einem anderen Land ergriffenen Ma\u00dfnahme oder von Zeitungsartikeln nicht als schl\u00fcssiger Beweis f\u00fcr eine Straftat betrachtet werden darf.<\/p><h1><a name=\"_Toc228741892\"><\/a>Quellen<\/h1><ol><li>https:\/\/peacejustice.eu\/report-witch-hunts-judicial-club-platform-unity-judiciary\/.<\/li><li>Anadolu Ajans\u0131, https:\/\/www.aa.com.tr\/tr\/turkiye\/icisleri-bakani-soylu-garaya-giden-hdpli-vekili-acikladi\/2151784.<\/li><li>\u201eAbuse of the Anti-Terrorism Provision by Turkey is steadily increasing (2013\u20132020)\u201c, https:\/\/arrestedlawyers.org\/2021\/06\/10\/abuse-of-the-anti-terrorism-laws-by-turkey-is-steadily-increasing\/<\/li><li>Selahattin Demirta\u015f v. Turkey (No. 2), Application no. 14305\/17, http:\/\/hudoc.echr.coe.int\/fre?i=001-207173.<\/li><li>\u201eThe Erosion of Property Rights in Turkey\u201c, 27. April 2020, SSRN: https:\/\/ssrn.com\/abstract=3586084.<\/li><li>Ebd.<\/li><li>https:\/\/freedomhouse.org\/sites\/default\/files\/2021-02\/Complete_FH_TransnationalRepressionReport2021_rev020221.pdf.<\/li><li>Ebd., https:\/\/www.foreignaffairs.com\/articles\/turkey\/2018-01-29\/remarkable-scale-turkeys-global-purge.<\/li><li>https:\/\/www.aa.com.tr\/tr\/15-temmuz-darbe-girisimi\/firari-fetoculer-icin-109-ulkeyle-iade-trafigi-yurutuldu\/2303943.<\/li><li>https:\/\/arrestedlawyers.files.wordpress.com\/2020\/02\/extradition-to-turkey-one-way-ticket-to-torture-unfair-trial_.pdf.<\/li><li>https:\/\/www.turkishminute.com\/2022\/04\/13\/ion-out-of-sight-not-out-of-reach\/.<\/li><li>https:\/\/www.hurriyetdailynews.com\/interpol-rejects-turkeys-773-red-notice-requests-on-feto-official-165277.<\/li><li>https:\/\/kronos35.news\/tr\/interpol-daire-baskani-sevgel-kirmizi-bulten-taleplerimiz-feto-teror-orgutu-olarak-gorulmedigi-icin-reddediliyor\/.<\/li><li>https:\/\/freedomhouse.org\/sites\/default\/files\/2021-02\/FH_TransnationalRepressionReport2021_rev020221_CaseStudy_Turkey.pdf.<\/li><li>Die Financial Action Task Force ist eine zwischenstaatliche Organisation, die 1989 auf Initiative der G7 gegr\u00fcndet wurde, um Strategien zur Bek\u00e4mpfung der Geldw\u00e4sche zu entwickeln. Im Jahr 2001 wurde ihr Mandat auf die Terrorismusfinanzierung ausgeweitet. https:\/\/www.fatf-gafi.org\/about\/historyofthefatf\/.<\/li><li>Gesetz Nr. 6415, in Kraft getreten am 16.02.2013.<\/li><li>https:\/\/www.fatf-gafi.org\/publications\/mutualevaluations\/documents\/mer-turkey-2019.html.<\/li><li>https:\/\/stockholmcf.org\/turkey-freezes-assets-of-377-people-organizations-on-terror-charges\/.<\/li><li>https:\/\/www.reuters.com\/business\/finance-watchdog-grey-lists-turkey-threat-investment-2021-10-21\/.<\/li><li>https:\/\/www.reuters.com\/markets\/europe\/turkey-freezes-assets-770-individuals-us-based-foundation-2021-12-24\/.<\/li><li>https:\/\/www.resmigazete.gov.tr\/eskiler\/2021\/12\/20211224-16.pdf.<\/li><li>https:\/\/internationaljournalists.org\/journalist-basri-dogan-received-the-royal-order-of-the-netherlands\/.<\/li><li>https:\/\/dekanttekening.nl\/.<\/li><li>https:\/\/www.indexoncensorship.org\/2018\/02\/turkey-reporter-stayed-one-step-ahead-of-crackdown\/.<\/li><li>https:\/\/www.ifj.org\/media-centre\/news\/detail\/category\/press-releases\/article\/sweden-exiled-turkish-journalist-attacked-in-stockholm.html; https:\/\/cpj.org\/2020\/09\/exiled-turkish-journalist-abdullah-bozkurt-attacked-in-stockholm\/. \u201eIch denke, das war ein gezielter Angriff und ist Teil einer Einsch\u00fcchterungskampagne gegen t\u00fcrkische Exiljournalisten mit dem klaren Ziel, dass wir aufh\u00f6ren sollten, uns gegen die t\u00fcrkische Regierung auszusprechen\u201c, so Bozkurt gegen\u00fcber dem CPJ. Nordic Monitor ver\u00f6ffentlicht regelm\u00e4\u00dfig Artikel, die sich kritisch mit dem t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan auseinandersetzen, sowie zu Vorw\u00fcrfen \u00fcber Fehlverhalten von t\u00fcrkischen Diplomaten und Geheimdienstmitarbeitern, so das CPJ bei der Durchsicht der j\u00fcngsten Berichterstattung des Senders.<\/li><li>https:\/\/nordicmonitor.com\/2021\/12\/swedish-supreme-court-rejects-turkeys-request\/.<\/li><li>https:\/\/cpj.org\/2016\/12\/turkey-crackdown-chronicle-week-of-December-18\/.<\/li><li>The Erosion of Property Rights in Turkey (27. April 2020). SSRN: https:\/\/ssrn.com\/abstract=3586084.<\/li><li>https:\/\/www.tbb.org.tr\/en\/Content\/Upload\/Dokuman\/189\/Banks_in_Turkey_2020.pdf.<\/li><li>https:\/\/www.tcmb.gov.tr\/wps\/wcm\/connect\/EN\/TCMB+EN\/Main+Menu\/Core+Functions\/Payment+Services\/Payment+Institutions.<\/li><li>https:\/\/www.tcmb.gov.tr\/wps\/wcm\/connect\/EN\/TCMB+EN\/Main+Menu\/Core+Functions\/Payment+Services\/Electronic+Money+Institutions.<\/li><li>https:\/\/www.tcmb.gov.tr\/wps\/wcm\/connect\/EN\/TCMB+EN\/Main+Menu\/Core+Functions\/Payment+Services\/Payment+Services+Overview.<\/li><li>https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article238072823\/Deutsche-Bank-kuendigt-Konten-von-Erdogan-Gegnern-in-Deutschland.html.<\/li><li>\u201eWeaponizing Counterterrorism: Turkey Exploits Terrorism Financing Assessment to Target Civil Society\u201c, https:\/\/www.amnesty.org\/en\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/EUR4442692021ENGLISH.pdf.<\/li><li>Gro\u00dfe Strafkammer zu Ankara, 2021\/102, 09.04.2021.<\/li><li>Gro\u00dfe Strafkammer zu Ankara, 2021\/355, 29.12.2021.<\/li><li>Gro\u00dfe Strafkammer zu Ankara, 2021\/239, 20.04.2021.<\/li><li>\u201eAn Analysis of The Applicat\u0131on of Financial Action Task Force Recommendations and Its Implicat\u0131on On Civil Society in Turkey\u201c, https:\/\/www.tusev.org.tr\/usrfiles\/images\/MaliEylemGorevGucuSivilToplumEN_26022021.pdf.<\/li><li>\u201eA more secure world: our shared responsibility: Report of the High-level Panel on Threats, Challenges and Change\u201c, Abs. 148, https:\/\/www.un.org\/ruleoflaw\/files\/gaA.59.565_En.pdf.<\/li><li>https:\/\/www.un.org\/depts\/german\/uebereinkommen\/ar54109-dbgbl.pdf.<\/li><li>Resolution 1566 (2004) Angenommen vom Sicherheitsrat auf seiner 5053. Sitzung am 8. Oktober 2004, https:\/\/www.un.org\/ruleoflaw\/files\/n0454282.pdf; Deutsch: https:\/\/www.un.org\/depts\/german\/sr\/sr_04-05\/sr1566.pdf.<\/li><li>Resolution der UN-Generalversammlung, A\/RES\/60\/43, 8. Dezember 2005, Ma\u00dfnahmen zur Beseitigung des internationalen Terrorismus, https:\/\/www.un.org\/Depts\/german\/gv-60\/band1\/ar60043.pdf.<\/li><li>https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/EN\/TXT\/?uri=celex%3A32002F0475.<\/li><li>https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/HTML\/?uri=CELEX:32002F0475&amp;from=MT.<\/li><li>https:\/\/rm.coe.int\/16808c3f55; https:\/\/rm.coe.int\/168008373a#:~:text=Zweck%20dieses%20%C3%9Cbereinkommens%20ist%20es,Ma%C3%9Fnahmen%20als%20auch%20durch%20internationale.<\/li><li>Resolution der UN-Generalversammlung 48\/122 (1993).<\/li><li>Resolution 1377 des UN-Sicherheitsrates (2001).<\/li><li>A\/RES\/60\/288, 2006, die globale Strategie zur Terrorismusbek\u00e4mpfung.<\/li><li>\u201eIn larger freedom: Towards development, security, and human rights for all; report of the Secretary-General\u201c, U.N. Doc. A\/59\/2005 (2005).<\/li><li>https:\/\/www.unodc.org\/documents\/terrorism\/Publications\/Training_Curriculum_Module2\/17-04123_eBook_FINAL.pdf.<\/li><li>https:\/\/www.un.org\/en\/about-us\/universal-declaration-of-human-rights.<\/li><li>https:\/\/www.ohchr.org\/en\/instruments-mechanisms\/instruments\/international-covenant-civil-and-political-rights.<\/li><li>Eine unzureichende \u201eQualit\u00e4t des Gesetzes\u201c hinsichtlich der Definition der Straftat und der anwendbaren Strafe stellt einen Versto\u00df gegen Artikel 7 der Konvention dar (Kafkaris gegen Zypern [GC], \u00a7\u00a7 150 und 152).<\/li><li>https:\/\/www.unodc.org\/documents\/terrorism\/Publications\/Kenya%20HR%20manual\/Kenya_Manual_e-book.pdf.<\/li><li>Siehe z. B. EGMR, Alimu\u00e7aj gegen Albanien, Antrag Nr. 20134\/05, Urteil vom 7. Februar 2012, Rn. 149-151.<\/li><li>https:\/\/www.echr.coe.int\/Documents\/Guide_Art_7_ENG.pdf.<\/li><li>Cantoni v. Frankreich, \u00a7 29; Kafkaris v. Zypern [GC], \u00a7 140; Del R\u00edo Prada v. Spanien [GC], \u00a7 79).<\/li><li>https:\/\/www.echr.coe.int\/Documents\/Research_report_quality_law_requirements_criminal_law_Art_7_ENG.PDF. Wie klar eine Rechtsvorschrift auch formuliert sein mag, in jedem Rechtssystem gibt es das unvermeidliche Element der gerichtlichen Auslegung. Die den Gerichten zugewiesene Rolle der Rechtsprechung ist gerade deshalb gegeben, um verbleibende Auslegungszweifel zu zerstreuen (Kafkaris v. Zypern [GC], \u00a7 141). Die fortschreitende Entwicklung des Strafrechts durch gerichtliche Rechtsetzung ist ein fest verwurzelter und notwendiger Teil der Rechtstradition in den Vertragsstaaten des \u00dcbereinkommens. Artikel 7 des \u00dcbereinkommens kann nicht so verstanden werden, dass er die allm\u00e4hliche Kl\u00e4rung der Regeln der strafrechtlichen Verantwortlichkeit durch richterliche Auslegung von Fall zu Fall \u00e4chtet, vorausgesetzt, dass die sich daraus ergebende Entwicklung mit dem Wesen der Straftat in Einklang steht und vern\u00fcnftigerweise vorhersehbar ist (S.W. gegen das Vereinigte K\u00f6nigreich, \u00a7 36; Streletz, Kessler und Krenz gegen Deutschland [GC], \u00a7 50; Kononov gegen Lettland [GC], \u00a7 185; Norman gegen das Vereinigte K\u00f6nigreich, \u00a7\u00a7 60 und 66). 36. Die Vorhersehbarkeit der gerichtlichen Auslegung bezieht sich sowohl auf die Tatbestandsmerkmale (Pessino gegen Frankreich, \u00a7\u00a7 35\u201336; Dragotoniu und Militaru-Pidhorni gegen Rum\u00e4nien, \u00a7\u00a7 43-47; und Dallas gegen das Vereinigte K\u00f6nigreich, \u00a7\u00a7 72\u201377) als auch auf die anwendbare Strafe (Alimu\u00e7aj gegen Albanien, \u00a7\u00a7 154\u2013162; Del R\u00edo Prada gegen Spanien [GC], \u00a7\u00a7 111\u2013117).<\/li><li>Abschlie\u00dfende Beobachtungen des Menschenrechtsausschusses, Russische F\u00f6deration (CCPR\/C\/RUS\/CO\/6), 29. Oktober 2009, Abs. 3.<\/li><li>Bericht des Sonderberichterstatters \u00fcber Menschenrechte bei der Bek\u00e4mpfung von Terrorismus, Spanien (A\/HRC\/10\/3\/Add. 2), 16. Dezember 2008, Abs. 9 und 52.<\/li><li>Abschlie\u00dfende Beobachtungen des Menschenrechtsausschusses, Vereinigtes K\u00f6nigreich (CCPR\/C\/GBR\/CO\/6), 21. Juli 2008.<\/li><li>Siehe Fu\u00dfnote 3.<\/li><li>Anadolu Ajans\u0131, https:\/\/www.aa.com.tr\/tr\/turkiye\/icisleri-bakani-soylu-garaya-giden-hdpli-vekili-acikladi\/2151784.<\/li><li>J\u00e4hrliche COE-Strafstatistiken &#8211; SPACE I 2020, https:\/\/wp.unil.ch\/space\/files\/2021\/04\/210330_FinalReport_SPACE_I_2020.pdf.<\/li><li>\u201eThird party intervention by the Italian Federation for Human Rights\u201c in der Rechtssache Saglam v. T\u00fcrkei (Antrag Nr. 14894\/20), https:\/\/arrestedlawyers.files.wordpress.com\/2021\/10\/third-party-intervention-by-fidu-logo-12.10.2021.pdf.<\/li><li>Selahattin Demirta\u015f gegen T\u00fcrkei (Nr. 2), Antrag Nr. 14305\/17, http:\/\/hudoc.echr.coe.int\/fre?i=001-207173.<\/li><li>Nach t\u00fcrkischem Recht werden Banken mit einer speziellen Lizenz gegr\u00fcndet, die von einer staatlichen Aufsichtsbeh\u00f6rde erteilt wird.<\/li><li>Asya Finance Kurumu A.S. (Bank Asya Participation Bank) wurde mit der Genehmigung des Ministerrats am 11. April 1996 gegr\u00fcndet. An der Er\u00f6ffnungszeremonie nahmen die damalige Ministerpr\u00e4sidentin Tansu \u00c7iler, Staatspr\u00e4sident Recep Tayyip Erdo\u011fan, der ehemalige Pr\u00e4sident Abdullah G\u00fcl und andere Mitglieder der politischen und gesellschaftlichen Elite teil. Die Bank erhielt eine Lizenz zum Einzug von Steuern und anderen \u00f6ffentlichen finanziellen Verpflichtungen wie Sozialversicherungsbeitr\u00e4gen, Bu\u00dfgeldern usw. Am 3. Mai 2015 beschloss die Bankenregulierungs- und Bankenaufsichtsbeh\u00f6rde (BRSA), dass 63 Prozent des privilegierten Anteils, der den Verwaltungsrat der Bank Asya bestimmt, vom Einlagensicherungsfonds (SDIF) verwendet wird. Daraufhin wurde die Betriebsgenehmigung der Bank mit der Bekanntgabe der Entscheidung der Finanzbeh\u00f6rde im Amtsblatt vom 23. Juli 2016 unter der Nummer 29779 aufgehoben, ihre T\u00e4tigkeit eingestellt und die Bank geschlossen.<\/li><li>Durch das Parlament.<\/li><li>Nach t\u00fcrkischem Recht brauchen Privatschulen eine Lizenz und unterstehen dem Bildungsministerium.<\/li><li>Nach t\u00fcrkischem Recht werden private Universit\u00e4ten durch ein vom Parlament erlassenes Gesetz gegr\u00fcndet und haben daher den Status einer \u00f6ffentlichen Einrichtung.<\/li><li>Nach t\u00fcrkischem Recht werden Stiftungen durch einen Genehmigungsbeschluss gegr\u00fcndet, der von einem Gericht erlassen wird.<\/li><li>Durch den Ministerrat.<\/li><li>Durch den Ministerrat.<\/li><li>Die Hilfsorganisation Kimse Yok Mu erhielt den Status eines steuerbefreiten, gemeinn\u00fctzigen Vereins und erhielt vom t\u00fcrkischen Parlament eine Auszeichnung f\u00fcr herausragende \u00f6ffentliche Verdienste.<\/li><li>\u201eUnintended Consequences of the FATF Standards\u201d, https:\/\/www.fatf-gafi.org\/media\/fatf\/documents\/Unintended-Consequences.pdf<\/li><li>Ebd.<\/li><li>\u201eFATF clarifies risk-based approach: case-by-case, not wholesale de-risking\u201c, Oktober 2014, www.fatf-gafi.org\/documents\/documents\/rba-and-de-risking.html.<\/li><li>\u201eUnintended Consequences of the FATF Standards\u201c, https:\/\/www.fatf-gafi.org\/media\/fatf\/documents\/Unintended-Consequences.pdf<\/li><li>Ebd.<\/li><li>Ebd.<\/li><li>Selahattin Demirta\u015f gegen T\u00fcrkei (Nr. 2), Antrag Nr. 14305\/17, http:\/\/hudoc.echr.coe.int\/fre?i=001-207173.<\/li><\/ol>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-08d6b46 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"08d6b46\" data-element_type=\"section\" data-e-type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-931fe8d\" data-id=\"931fe8d\" data-element_type=\"column\" data-e-type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-939f4fb elementor-align-center elementor-widget elementor-widget-button\" data-id=\"939f4fb\" data-element_type=\"widget\" data-e-type=\"widget\" data-widget_type=\"button.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-button-wrapper\">\n\t\t\t\t\t<a class=\"elementor-button elementor-button-link elementor-size-sm\" href=\"https:\/\/internationaljournalists.org\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Konfiszierung-des-Eigentums-von-Journalisten.pdf\">\n\t\t\t\t\t\t<span class=\"elementor-button-content-wrapper\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<span class=\"elementor-button-text\">Herunterladen<\/span>\n\t\t\t\t\t<\/span>\n\t\t\t\t\t<\/a>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inhaltsverzeichnis I.Einleitung Dieses Handbuch steht im Zusammenhang mit dem Missbrauch von Antiterrorgesetzen und ihren Instrumenten durch die t\u00fcrkische Regierung, die eigentlich zur Bek\u00e4mpfung der Terrorismusfinanzierung eingesetzt werden sollten. 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